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Kostja lachte. »Ich erledige euch alle hier… We

Warum musste er der Allerstärkste werden, um sich diese Schwäche zu leisten? »Wach auf…«, flüsterte ich.

»Du bist ein Idiot! Ein Oberidiot!«, brüllte Kostja, während er einen Schritt auf mich zumachte. Er streckte die Hand aus. Seine Finger mündeten bereits in Krallen. »Du…«

Eine offene Flasche Posolskaja, aus der träge der Wodka tropfte, fiel mir von selbst in die Hände. »Es ist an der Zeit, Brüderschaft zu trinken«, sagte ich.

Er schaffte es zwar auszuweichen, doch ein paar Spritzer trafen sein Gesicht de

Ich stand auf, griff mir vom Tisch ein nicht ausgetrunkenes Glas und holte aus. »Nachtwache!«, schrie ich. »Du bist verhaftet! Hände hinter den Kopf! Zieh die Eckzähne ein!«

Genau in diesem Moment zwängten sich drei Inquisitoren durch die Tür herein. Ob Edgar sie gerufen hatte? Oder ob sie selbst gespürt hatten, dass etwas nicht stimmte? Sie stürzten sich auf Kostja, der sich immer noch das blutüberströmte Gesicht rieb. Einer versuchte Kostja eine graue Metallscheibe an den Hals zu drücken, ein Ding, das bis zum Anschlag magisch aufgeladen sein musste…

Im nächsten Moment stellte Kostja unter Beweis, wozu er in der Lage war.

Mit dem Fuß trat er mir das Glas aus der Hand und presste mich mit dem Rücken gegen das Fenster. Der Rahmen knackte. Dort, wo eben noch Kostja gestanden hatte, erhob sich jetzt ein grauer Wirbel - und mit einer unsagbaren, nur Kinohelden eigenen Schnelligkeit hagelten Fausthiebe und Tritte auf mich ein. Von allen Seiten spritzte Blut und flogen Fleischfetzen durch die Luft, so, als ob jemand Frischfleisch mit einem Mixer püriere.

Da

Kostja tauchte noch einmal kurz im Fenster auf, da

Wa

Im Abteil lagen zwei Inquisitoren in einem formlosen Haufen. Sie waren derart zerfetzt, dass niemand auf die Idee kam, ihren Puls zu fühlen.

Der dritte hatte Glück gehabt, er saß auf einer Liege und hielt sich eine Bauchwunde. Der Boden schwamm in Blut.

Die Reisenden in den oberen Liegen schrien nicht mehr. Der eine hatte den Kopf unter ein Kissen gesteckt, der zweite sah mit starren Augen nach unten und kicherte leise.

Ich kroch unterm Tisch hervor und trat auf wackligen Beinen in den Gang hinaus.

Fünf

Wie sagt der Held in einem bösen alten Witz: »Aber das Leben richtet sich jetzt wieder ein!«

Die Mitreisenden in unserem Waggon saßen in ihren Abteilen und starrten mit leeren Augen zum Fenster raus. Die Menschen, die durch unseren Waggon liefen, beschleunigten aus irgendeinem Grund den Schritt und blickten stur geradeaus. In einem abgeschlossenen Abteil lag - zusammen mit den in schwarze Plastiksäcke verpackten Körpern - der verletzte Inquisitor, den ein Kollege bereits seit einer Viertelstunde mit Heilzaubern behandelte. Zwei weitere Inquisitoren standen an der Tür zu unserem Abteil Wache. »Wie bist du darauf gekommen?«, fragte Edgar.

Nachdem er zunächst seinem verletzten Kollegen geholfen hatte, kurierte er meinen Kiefer bi

»Ich habe mich an etwas aus dem Fuaran eri

»Warum bist du nicht schon früher damit herausgerückt?«, fragte Edgar scharf.

»Ich habe dem keine Bedeutung beigemessen. Damals hielt ich die ganze Geschichte mit dem Fuaran für ein reines Phantasieprodukt… Da

»Verstehe. Viteszlav hatte kein Dutzend Menschen zur Hand«, meinte Edgar. »We

»Ke

»Ja, natürlich. In der Inquisition ist über den Sauschkin-Cocktail diskutiert worden. Das Zeug vollbringt keine Wunder, du wirst damit nicht stärker, als es dir von der Natur gegeben ist. Aber es erlaubt einem Vampir in der Tat, sich voll zu entfalten, ohne Menschen töten zu müssen…»

»Sich zu entfalten oder sich gehen zu lassen?«, fragte ich.

»We

Nein, ich hatte es nicht gewusst. De

»Lassen wir das«, meinte Edgar. »Was hat er nur jetzt… Er fliegt, siehst du?«

Ich schielte zum»Kompass«hinüber. Ja… ganz offenbar. Der Abstand zu Kostja - genauer zum Buch - blieb konstant, obwohl der Zug mit einer Geschwindigkeit von mindestens 70 bis 80 Stundenkilometern dahinraste. Er flog uns also nach. Floh nicht!

»Anscheinend hat er in Zentralasien wirklich etwas vor…«, sagte Edgar irritiert. »Nur was…»

»Wir müssen die Großen rufen«, sagte ich.

»Die kommen von selbst«, winkte Edgar ab. »Ich habe ihnen alles berichtet, ein Portal aufgehängt… sie werden selbst entscheiden, was sie tun.«

»Ich weiß schon, was sie entscheiden werden«, murmelte ich. »Sebulon verlangt, dass ihm Kostja ausgeliefert wird, damit er ihn bestrafen ka

»Das Buch wird niemand bekommen, da mach dir keine Sorgen.«

»Außer der Inquisition?«Edgar hüllte sich in Schweigen. Ich setzte mich bequemer hin. Betastete meinen Kiefer. Er tat nicht mehr weh.

Aber um meine Zähne tat es mir leid. Entweder musste ich zum Zahnarzt oder zu einem Heiler. Doch selbst die besten Lichten Heiler kö

Die Nadel des»Kompasses«zitterte, hielt aber die Richtung. Der Abstand veränderte sich nicht: zehn, zwölf Kilometer. Kostja musste sich ausgezogen und in eine Fledermaus verwandelt haben. Oder in sonst ein Tier. In eine gigantische Ratte, einen Wolf. Egal. Er hatte sich in eine Fledermaus verwandelt und flog dem Zug hinterher, dabei das Bündel mit seinen Sachen und das Buch in den Pfoten haltend. Wo hatte er es eigentlich versteckt gehabt, der Dreckskerl? Am Körper? In einer geheimen Tasche in seiner Kleidung?

Ein Dreckskerl, sicher… aber wie abgebrüht! Wie mies und wie mutig - auf sich selbst Jagd zu machen, sich Versionen auszudenken, zu beratschlagen… Alle hatte er zum Besten gehalten.

Aber wozu? Wollte er absolute Macht? Letzten Endes standen die Chancen für einen Sieg nicht gut, und Kostja hatte sich noch nie durch besonderen Ehrgeiz ausgezeichnet. Das heißt: Er war ehrgeizig, erhob jedoch keine verrückten Ansprüche, die Weltherrschaft zu erlangen.