Страница 85 из 96
Weshalb floh er jetzt eigentlich nicht? An seinen Händen klebte das Blut von drei Inquisitoren. Das wird man ihm nie verzeihen, selbst we
»Wie wolltest du Viteszlav unter den Mitreisenden ausmachen?«, fragte ich Edgar.
»Wie bitte?«, erwiderte der in seine Gedanken versunkene Inquisitor nach einer Weile. »Eine dumme Frage. Natürlich auf die gleiche Weise, wie es dir gelungen ist: mit der Unverträglichkeit von Alkohol. Wir hätten uns weiße Kittel angezogen und wären als medizinische Inspektoren durch alle Waggons gegangen. Mit der Begründung, Kranke mit einer atypischen Lungenentzündung zu suchen. Jedem hätten wir ein Thermometer gegeben, das tief in Alkohol getaucht worden war. Wer es nicht in den Händen halten ko
Ich nickte. Freilich, es hätte auch schief gehen kö
»Das Portal öffnet sich…«Edgar packte mich beim Arm und zog mich auf die Liege. Wir setzten uns nebeneinander hin, mit untergeschlagenen Beinen. Im Abteil breitete sich ein flackerndes weißes Licht aus. Ein leiser Aufschrei war zu hören: Geser hatte sich beim Verlassen des Portals den Kopf an einer der Liegen gestoßen.
Nach ihm tauchte Sebulon auf, der im Unterschied zum Chef rundum zufrieden wirkte und lächelte.
Geser rieb sich den Schädel und sah uns böse an. »Warum habt ihr das Portal nicht gleich in einem Auto aufgehängt…«, brummte er. »Wie ist die Lage?«
»Die Reisenden haben sich beruhigt, das Blut ist aufgewischt, der Verletzte ist behandelt«, berichtete Edgar. »Der Verdächtige Konstantin Sauschkin bewegt sich parallel zum Zug mit einer Geschwindigkeit von 70 Stundenkilometern.«
»Jetzt ist er also… unser Verdächtiger…«, brachte Sebulon giftig hervor. »Dabei war er so ein begabter Junge… so aussichtsreich.«
»Du hast kein Glück mit den Aussichtsreichen, Sebulon«, bemerkte Edgar leise. »Irgendwie ka
Die beiden Dunklen Magier maßen sich mit kalten Blicken. Edgar hatte mit Sebulon noch eine Rechnung zu begleichen, die auf die Geschichte mit Fafnir und der fi
»Sparen Sie sich Ihre Sticheleien, meine Herren«, bat Geser. »Sonst hätte ich dazu auch noch etwas zu sagen… was sowohl dich beträfe, Sebulon, als auch dich, Edgar… Wie stark ist er?«
»Sehr stark«, antwortete Edgar, den Blick unverwandt auf Sebulon gerichtet. »Der Junge war ohnehin schon ein Hoher…»
»Vampir.«Sebulon grinste verächtlich.
»Ein Hoher Vampir. Sicher, es mangelte ihm an Erfahrung… da ko
»Wie hat er Viteszlav getötet?«, fragte Sebulon. »Gibt es dafür schon eine Erklärung?«
»Jetzt ja«, meinte Edgar. »Vampire haben ihre eigene Hierarchie. Der Junge hat ihn zu einem Duell um die Führungsposition herausgefordert. Das ist… kein Vergnügen. Ein Zweikampf des Verstandes, ein Duell des Willens. Etwas in der Art wie das Ausguckspiel. Ein paar Sekunden lang starren sich die beiden in die Augen, da
»Und ist daran gestorben«, sagte Sebulon.
»Was nicht zwangsläufig so sein musste«, stellte Edgar fest. »Kostja hätte ihn auch zu seinem Sklaven machen kö
»Ein talentierter Junge«, bemerkte Geser in ironischem Ton. »Ich ka
Edgar zuckte mit den Achseln. »Wie de
»Nur keine Panik«, murmelte Sebulon. »Er ist unerfahren. Magie ist kein bloßes Kräftemessen, Magie ist eine Kunst. We
»Ich kriege keine Panik«, meinte Edgar leise. »Ich schätze nur seine Kraft ein. Sie ist sehr hoch. Ich habe den»Kristallschild«gegen ihn eingesetzt - und Kostja hätte ihn beinahe eingedrückt.«
Die Großen wechselten beredte Blicke. »Den»Kristallschild«drückt niemand ein«, bemerkte Geser. »Wie kommst du überhaupt zu… ach ja, klar. Die Artefakte aus den Spezialdepots.«
»Er hätte den»Schild«beinahe zerquetscht«, wiederholte Edgar.
»Und wie hast du das überlebt?«, fragte Geser mich. Vielleicht bildete ich es mir nur ein, vielleicht schwang in seiner Stimme aber tatsächlich ein Hauch von Mitleid mit.
»Kostja wollte mich nicht umbringen«, erklärte ich schlicht. »Er hat sich auf Edgar gestürzt… Als Erstes habe ich mit der»grauen Andacht«auf ihn eingeschlagen«- Geser nickte zustimmend -, »da
»Typisch Russe-. Probleme mit einem Glas Wodka zu lösen«, kommentierte Geser finster. »Weshalb? Weshalb hast du ihn so auf die Palme gebracht? Er ist schließlich kein Anfänger mehr. Ist dir de
»Ich bin genauso ausgerastet wie er«, gab ich zu. »Das kam alles zu überraschend. Und da
»Ich will dir nichts Böses«, echote Geser bitter. »Ein reformorientierter Vampir. Ein progressiver Herrscher über die Welt…«
»Geser, wir müssen eine Entscheidung treffen«, sagte Sebulon leise. »Ich ka
Ich stellte mir vor, wie reaktive Jagdflugzeuge über den Nachthimmel einer Fledermaus nachsetzten, sie beschossen und Raketen auf sie abfeuerten… Eine Phantasmagorie.
»Da
»Also doch die Bombe?«, wollte Sebulon neugierig wissen.
»Nein!«Geser schüttelte den Kopf. »Nein. Nicht hier. Außerdem ka
»Davon träume ich schon mein ganzes Leben lang«, sagte Sebulon. »Glaubst du das, alter Feind? Ich träume davon, einmal mit dir zusammenzuarbeiten! Offenbar ist doch was dran… vom Hass zur Liebe…«
»Du bist und bleibst doch ein hoffnungsloser Fall«, bemerkte Geser leise.
»Ganz in Ordnung ist das Oberstübchen ja bei keinem von uns«, kicherte Sebulon. »Was ist? Du und ich? Oder sollen wir unsere Leute noch dazuziehen? Sollen sie uns Kraft nachliefern, während wir die Speerspitze bilden.«Geser schüttelte den Kopf.