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Sie beugte sich zum Tisch vor und legte das vermeintliche Fuaran weg. »Du bist streng, Mutter.«Ich schüttelte den Kopf.

»Ich bin Mutter, deshalb bin ich streng«, erwiderte Swetlana. Da

»Nadjuschka ist mit deiner Mutter zum Fluss runtergegangen«, sagte ich. »Hast du sie getroffen?«

»Nein, Oxana hat es mir erzählt. »Ihre Nadja ist mit ihrer Omi spazieren gegangen«…«

Swetlana prustete los. Gleich darauf setzte sie jedoch wieder ein ernstes Gesicht auf. »Sag das ja nicht in Gegenwart meiner Mutter! Das verkraftet sie nicht. »

»Für wen hältst du mich? Für einen Kamikaze? »

»Erzähl mir lieber, was euer Ausflug gebracht hat.«

»Die Hexe ist uns entwischt«, berichtete ich. »Wir haben sie bis in die vierte Schicht des Zwielichts verfolgt, aber sie ist uns trotzdem entkommen…«

»Bis in die vierte?«Swetlanas Augen funkelten auf. »Schwindelst du auch nicht?«

Ich setzte mich neben sie. Die Hängematte schaukelte empört, die Bäume knarzten, hielten aber stand. Mit knappen Worten gab ich unsere Abenteuer wieder.

»Ich bin noch nie in der vierten Schicht gewesen…«, meinte Swetlana nachdenklich. »Wie es da wohl… Dort gibt es also wieder Farben? »

»Ich glaube, es gibt da sogar Gerüche.«

Abwesend nickte Swetlana. »Ja, solche Gerüchte kursieren… Interessant.«

Ein paar Sekunden schwieg ich. »Swetlana, du musst in die Wache zurückkehren«, sagte ich da

Entgegen ihrer Gewohnheit schwieg Swetlana. Was mich ermutigte fortzufahren. »Du darfst nicht nur mit halber Kraft leben. Früher oder später wirst du…«

»Lassen wir das, Anton. Ich möchte keine Große Zauberin werden.«Swetlana grinste. »Kleine Alltagsmagie, das ist alles, was ich brauche.«

Die Pforte ging, und Ljudmila Iwanowna kam zurück. Ich sah flüchtig zu ihr hinüber, wollte schon wieder woanders hinsehen - als sich mein Blick verständnislos an ihr festhakte.

Meine Schwiegermutter strahlte. Man hätte glauben kö

Sie ging noch nicht mal wie sonst, sondern leichten Schrittes, mit geraden Schultern und hocherhobenem Ki

Ich schüttelte den Kopf. Meine Schwiegermutter lächelte uns sanft an, winkte und ging weiter in Richtung Haus.

»Mama!«, rief Swetlana ihr hinterher und sprang auf. »Mama!«

Meine Schwiegermutter blieb stehen und sah Sweta an - wobei auf ihrem Gesicht immer noch Jenes entrückte Lächeln lag. »Ist mit dir alles in Ordnung, Mama?«, fragte Swetlana.

»Aber sicher«, erwiderte Ljudmila Iwanowna zärtlich.

»Mama, wo ist Nadjuschka?«, brachte Swetlana mit leicht erhobener Stimme hervor.

»Sie geht mit einer Freundin spazieren«, antwortete meine Schwiegermutter ungerührt. Ich erschauerte.

»Was sagst du da, Mama?«, schrie Swetlana. »Es ist schon Abend… die Kinder sind allein unterwegs… mit was für einer Freundin?«

»Mit einer Freundin von mir«, erklärte meine Schwiegermutter, nach wie vor lächelnd. »Mach dir keine Sorgen. Ich bin doch kein dummes Weibsbild, dass ich die Kleine allein lassen würde!«

»Mit was für einer Freundin von dir?«, fuhr Swetlana sie an. »Mama! Was ist mit dir? Wer ist bei Nadja?«

Langsam kroch das Lächeln vom Gesicht meiner Schwiegermutter, um einem verlegenen Ausdruck Platz zu machen.

»Mit jener… dieser…«Sie runzelte die Stirn. »Mit Arina. Meine Freundin… Arina… meine Freundin?«

Was genau Swetlana tat, ko

Die Gedanken von Menschen zu lesen ist recht schwierig, weitaus leichter ist es, sie zum Reden zu bringen. Doch von nahen Verwandten ka

Im Grunde brauchte ich diese Informationen jedoch gar nicht.

Ich hatte auch so alles verstanden.

Und nicht Angst packte mich - sondern Leere. Als ob die ganze Welt um mich herum zu Eis erstarrt und stehen geblieben sei.

»Geh schlafen!«, rief Swetlana ihrer Mutter zu. Ljudmila Iwanowna drehte sich um und stakste zombiegleich aufs Haus zu.

Swetlana sah mich an. Ihr Gesicht war sehr ruhig - was mich selbst enorm hinderte, mich zu konzentrieren. Letzten Endes fühlt sich ein Ma

»Sie ist auf die beiden zugekommen. Hat sie angepustet. Da

In diesem Moment begriff ich, dass Swetlana kurz davor stand, hysterisch zu werden. Und ko

»Was sollte sie gegen eine Hexe schon ausrichten?«Ich packte Swetlana bei den Schultern und schüttelte sie. »Deine Mutter ist nur ein Mensch!«

In Swetlanas Augen schimmerten Tränen, die jedoch gleich wieder verschwanden. Plötzlich stieß sie mich sanft weg. »Geh zur Seite, Anton, ich hake mich bei ihr an…«, sagte sie. »Und du ka

Ich ließ mich auf keinen Streit ein. Nach Edgars und meinem Abenteuer war ich keine große Hilfe mehr. Auch über Kraft, die ich mit Swetlana hätte teilen kö

Ich lief ein paar Schritte weg, umfasste den Stamm des kümmerlichen Apfelbaums, der bald absterben würde. Da

Die Welt um mich herum erbebte. Ich spürte, wie das Zwielicht sich bewegte.

Swetlana sammelte keine Kraft aus der Umgebung, wie ich es getan hätte. Ihr reichte die eigene, die sie so hartnäckig ignorierte, ungenutzt ließ - und von der sie dabei nur immer mehr anhäufte. Angeblich sollen weibliche Andere nach einer Geburt einen enormen Kraftzustrom verspüren, doch bei Swetlana hatte ich damals keine Veränderung gespürt. Alles war irgendwohin verschwunden, hatte sich verkrochen, angesammelt. Für einen schwarzen Tag - wie sich jetzt zeigte.

Die Welt verlor ihre Farbe. Ich begriff, dass ich ins Zwielicht gefallen war, in die erste Schicht. Die Magie drängte dermaßen auf alles ein, dass nichts, was nur ein wenig magisch war, sich in der menschlichen Realität halten ko

Ein weißes Leuchten hüllte Swetlana ein. Sie fuhr rasch mit den Händen auf und ab, als spi

Ich ka

Swetlana antwortete nicht. Wie bei einem Gebet reckte sie die Arme zum Himmel. Dabei glauben wir weder an Götter noch an Gott. Wir sind unsere eigenen Götter und unsere eigenen Dämonen.

Von Swetlanas Hand riss sich eine regenbogenfarbige, über-ballgroße Kugel los, eine Seifenblase, die voller Grandezza am Himmel dahinsegelte. Die Blase vergrößerte sich und bega