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»Und eine Handlung ersten Grades?«, wollte Arina wissen.

»Die maximale Kraft, die Andere, die nicht in den Wachen arbeiten, einsetzen dürfen, wird durch ihr früheres Niveau bestimmt«, teilte ich ihr süffisant mit. »We

Die Hexe grinste. Ein seltsames Grinsen, durch und durch altweiberhaft und unangenehm auf diesem schönen jungen Gesicht.

»Ich werde auch ohne den ersten Grad vorzüglich zurechtkommen. Soweit ich es verstehe, betrifft die Einschränkung nur Magie, die auf Menschen zielt?«

»Auf Menschen und Andere«, bestätigte ich. »Mit sich selbst und unbelebten Gegenständen kö

»Na immerhin«, meinte Arina. »Entschuldige übrigens, Lichter, dass ich versucht habe, dich zu täuschen. Du bist eigentlich ganz in Ordnung. Fast wie wir.«Dieses zweifelhafte Kompliment ließ mich erschauern.

»Noch eine Frage«, sagte ich. »Wer waren diese Tiermenschen?«

Arina hüllte sich in Schweigen. »Was soll das?«, fragte sie da

»Welches Gesetz?«, versuchte ich, mich dumm zu stellen.

»Ein altes Gesetz. Dass ein Dunkler einen Dunklen nicht zu verraten braucht, ein Lichter keinen Lichten…»

»Es gibt so ein Gesetz«, gab ich zu.

»Da

Sie hatte das voll Überzeugung, voll Entschlossenheit gesagt. Druck auf sie ausüben ko

»Die magischen Handlungen gegen mich…«Ich dachte kurz nach. »Sei's drum, die verzeihe ich Ihnen. »

»Einfach so?«, hakte die Hexe nach.

»Einfach so. Es hat mich gefreut, dass ich Ihnen widerstehen ko

»Er hat mir widerstanden…«, schnaubte die Hexe. »Deine Frau ist eine Zauberin. Was ist, glaubst du, dass ich blind bin und das nicht wittere? Sie hat dich verzaubert. Damit kein Weibsbild dich verführen ka

»Du lügst«, entgegnete ich gelassen.

»Ja«, gab die Hexe zu. »Unglaublich! Zauberei ist hier keine im Spiel, du liebst sie einfach. Grüß deine Frau von mir, und deine Tochter auch. We

»Gern«, versprach ich. Was für eine Hexe! Traute sich sogar, Sebulon frech zu kommen! »Und was soll ich Geser ausrichten?«

»Dem lasse ich überhaupt nichts ausrichten«, sagte Arina respektlos. »Was sollen wir alten Landpomeranzen uns schon um die großen tibetischen Magier scheren!«

Ich stand da und starrte die seltsame Frau an, die in ihrer menschlichen Gestalt so schön, tatsächlich aber so widerwärtig aussah. Eine Hexe, eine mächtige Hexe. Doch ob auch eine böse? Bestimmt eine, die in keinen Rahmen passte…»Bist du nicht einsam hier allein, Alte?«, fragte ich.

»Willst du mich beleidigen?«, antwortete Arina mit einer Gegenfrage.

»Nein, keinesfalls. Ein wenig habe ich aber doch begriffen.«Arina nickte, hüllte sich jedoch in Schweigen.

»Du hattest nämlich überhaupt nicht die Absicht, mich zu verführen, de

Ein Moment - und Arina hatte sich erneut verwandelt. In eine propere Alte, mit roten Wangen, leicht gebückter Haltung, wachen forschenden Augen, einem Mund, dem schon einige Zähne fehlten, und grauen, streng zurückgekämmten Haaren. »Ist es so besser?«, fragte sie.

»Ja, vermutlich schon«, gab ich mit leichtem Bedauern zu. Trotz allem hatte sie bisher einfach toll ausgesehen.

»So habe ich ausgesehen… vor hundert Jahren«, erklärte die Hexe. »Und so, wie ich dir die Tür aufgemacht habe, auch… irgendwa

»Irgendwas habe ich mal darüber gehört«, gab ich zu.

»Das ist der Preis, den wir für einen höheren Rang zahlen.«Schon wieder benutzte sie dieses altmodische Wort, das in den letzten Jahren vollständig von dem aus Computerspielen übernommenen»Grad«verdrängt worden war. »Auch eine Hexe kö

»Ja«, sagte ich.

»Gut, Lichter…«Arina nickte. »Freu dich also, Lichter, dass deine Frau eine Zaubermeisterin ist. Du hast dich mir gegenüber freundlich verhalten, das will ich gar nicht abstreiten. Darf ich dir ein Geschenk mitgeben?«

»Nein.«Ich schüttelte den Kopf. »Ich bin im Dienst. Und ein Geschenk von einer Hexe…«

»Das weiß ich doch. Aber das Geschenk ist nicht für dich, sondern für deine Frau!«

Das verwirrte mich. Arina humpelte munter zu einer mit Eisenbeschlägen versehene Truhe hinüber (vorher hatte hier eine unauffällige Kommode gestanden), öffnete sie und ließ die Hand darin verschwinden. Schon im nächsten Moment kam sie mit einem kleinen beinernen Kamm zu mir zurück.

»Nimm das, Wächter. Ohne Hintergedanken, ohne Verschlagenheit meinerseits, weder zu deinem Schaden noch Kummer. Will zum Schatten werden, we

»Was ist das?«, fragte ich.

»Ein Kleinod.«Arina runzelte die Stirn. »Oder, wie es jetzt heißt… ein Artefakt. »

»Und wozu?«

»Deine Kraft reicht wohl nicht, um das zu erke

Ich schwieg, biss mir auf die Lippe. Hm… Immerhin hatte ich sie ein paar Mal ziemlich angefahren. Nun zahlte sie es mir heim.

»Nimm das, keine Angst«, wiederholte Arina. »Auch Baba-Jaga ist zwar schlecht, hilft aber guten jungen Mä

»Besser würdest du mir die Werwölfe ausliefern«, meinte ich, während ich den Kamm an mich nahm. »Ich nehme dein Geschenk nur als Überbringer entgegen, und diese Gabe bedeutet für niemanden irgendein Versprechen.«

»Du abgebrühter Kerl«, nuschelte Arina. »Und die Wölfe… tut mir leid. Ihr werdet sie schon kriegen, das weiß ich. Aber ich werde sie nicht ausliefern. Übrigens ka

Erst jetzt bemerkte ich, dass ich immer noch das vermaledeite Fuaran. Phantasie oder Wahrheit? in der linken Hand hielt.

»Zum Studium, zeitweilig, im Rahmen meiner Rechte als Wächter«, meinte ich finster.

Trotzdem machte diese Frau mit mir, was sie wollte! We

Als ich das Haus verließ, sah ich, dass es bereits tiefe Nacht geworden war. Und ich musste noch mindestens zwei, drei Stunden durch den Wald marschieren.

Doch kaum war ich die paar Stufen zum Haus hinunter, als vor mir ein geisterhaftes blaues Feuer aufleuchtete. Ich seufzte und linste zur Hütte hinüber, in deren Fenster grelles elektrisches Licht bra