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»Und warum haben ausgerechnet wir Recht? Stalin hätte doch auch am liebsten ganz Europa geschluckt. Wir haben friedliche Städte bombardiert, Museen geplündert, Deserteure erschossen…«
»Aber das waren doch unsere Leute! Deshalb waren sie im Recht!«
»Und jetzt sind unsere Leute im Recht. Und unsere Leute -das sind die Lichten.«
»Das heißt, du empfindest es so«, stellte Kostja klar. »Und deswegen erhebst du keine Einwände?«Ich nickte.
»Ha…«, meinte Kostja verächtlich. »Da
»Wir trinken kein Blut«, entgegnete ich.
Kostja stellte die Tasse auf den Boden. Erhob sich. »Ich danke dir für die Gastfreundschaft. Ich gebe dir deine Einladung, deine Wohnung zu betreten, zurück.«
Da
Warum hatte ich es in der Mikrowelle warm gemacht? Eine einzige Handbewegung - und das Wasser hätte direkt in den Tassen gebrodelt.
Ich holte das Handy heraus und wählte Swetlanas Nummer. Sie meldete sich nicht. Vermutlich ging sie gerade mit Nadjuschka spazieren, hatte das Handy aber wie üblich zu Hause liegen lassen…
In meinem I
Was machte uns de
Und ich musste verstehen, wie Geser die Inquisition ausgetrickst hatte.
De
»Soll doch alles…«, setzte ich an, verstummte da
In dem Moment läutete es an der Tür. Als hätte jemand erraten, dass ich jetzt auf gar keinen Fall allein sein wollte.
»Herein!«, rief ich durchs Zimmer, de
Die Tür ging auf, und Lass steckte den Kopf herein. Mein Nachbar sah sich um.
»Störe ich?«, fragte er. »Nein, komm rein.«
Lass kam ins Zimmer, sah sich um. »So schlimm sieht es hier doch gar nicht aus…«, kommentierte er. »Noch ein Klo… Vielleicht kö
Ich steckte die Hand in die Tasche und tastete nach dem Schlüsselbund. Stellte mir vor, wie die Schlüssel anschwollen und sich spalteten… Da
»Warum das?«, fragte Lass, während er die Schlüssel betrachtete.
»Ich muss wegfahren. Du ka
»Wo nun endlich mal ein normaler Mensch hier eingezogen ist«, schmollte Lass. »Das ist echt nicht nett. Fährst du bald weg?«
»Gleich«, antwortete ich. Mit einem Mal war mir klar geworden, wie dringend ich Swetka und Nadja sehen wollte. »Vielleicht komme ich noch mal wieder. »
»Vielleicht aber auch nicht?«Ich nickte.
»Das ist echt nicht nett«, wiederholte Lass und kam auf mich zu. »Ich habe hier bei dir einen MD-Player gesehen… Nimm das.«Ich nahm die kleine Scheibe an mich.
»Kampfprothesen«, erklärte Lass. »Mein Album. Hör sie aber nicht, we
»Gut.«Ich drehte die Scheibe in den Händen. »Vielen Dank.«
»Hast du irgendwelche Probleme?«, fragte Lass. »Entschuldige, ich will mich nicht in deine Angelegenheiten einmischen, aber du siehst wirklich hundserbärmlich aus…«
»Nein, es ist nichts«, riss ich mich zusammen. »Ich vermisse meine kleine Tochter. Ich fahr jetzt zu ihr… Meine Frau ist mit ihr auf der Datscha, ich hatte hier noch was zu erledigen…«
»Das geht vor«, pflichtete Lass mir bei. »Man darf es einem Kind gegenüber nicht an Aufmerksamkeit mangeln lassen. Obwohl: Dass ihre Mutter bei ihr ist, ist natürlich das Wichtigste.«Ich starrte Lass an.
»Die Mutter ist trotz allem das Wichtigste für ein Kind«, behauptete Lass mit der Miene eines Wigotski, Piaget oder sonstigen Experten für Kinderpsychologie. »Das ist biologisch bedingt. Wir, die Mä
In die Wohnung von Timur Borissowitsch ließ man mich ohne Fragen. Die Bodyguards wirkten völlig normal und hatten anscheinend nicht die geringste Vorstellung davon, was hier kürzlich geschehen war.
Geser trank mit seinem frisch gebackenen Sohn Tee im Arbeitszimmer. Das große - fast möchte ich sagen: weitläufige - Arbeitszimmer mit dem massiven Schreibtisch, einem Haufen u
»Komm rein, mein Freund«, lächelte mir Timur Borissowitsch zu. »Siehst du, wie prächtig sich alles gefügt hat.«Er schielte zu Geser hinüber. »Er ist noch jung, hitzköpfig…«, fügte er da
»Das mit Sicherheit«, pflichtete ihm Geser mit einem Nicken bei. »Was ist passiert, Anton?«
»Wir müssen miteinander reden«, sagte ich. »Unter vier Augen.«
Geser seufzte und sah seinen Sohn an. Der erhob sich. »Ich gehe mal zu meinen Kraftbolzen. Was sollen die sich da die Hosen durchsitzen, die brauchen eine Aufgabe.«
Timur Borissowitsch ging hinaus, Geser und ich blieben allein zurück.
»Raus mit der Sprache, was ist passiert, Gorodezki?«, fragte Geser müde. »Kö
»Ja.«
»Sie wollten nicht, dass Ihr Sohn ein Dunkler wird«, fing ich an. »Das stimmt doch, oder?«
»Würdest du de
»Aber Timur wäre unweigerlich zu einem Dunklen geworden«, fuhr ich fort. »Sie brauchten das Recht auf eine Remoralisierung. Deshalb mussten die Dunklen, besser noch die Inquisition in Panik geraten und eine nicht zu rechtfertigende Manipulation an Ihrem Sohn vornehmen…«
»So ist es ja auch gekommen«, sagte Geser. »Also Gorodezki, willst du mir etwas zur Last legen? »
»Nein, ich will das Ganze bloß verstehen.«
»Du warst doch dabei, als ich beim Licht einen Schwur abgelegt habe. Ich habe Timur noch nie zuvor getroffen. Ich habe ihm nichts versprochen, ich habe keine Briefe abgeschickt. Und ich habe niemanden für diese Aufgabe angeworben.«
Nein, Geser rechtfertigte sich nicht. Und versuchte nicht, mich einzulullen. Er legte bloß die Bedingungen der Aufgabe dar und wartete vergnügt, welche Antwort sein Schüler geben würde.
»Viteszlav hätte nur noch eine weitere Frage stellen müssen«, meinte ich. »Doch diese Frage war wohl allzu menschlich für ihn…«
Geser zwinkerte, als probe er ein Nicken. »Seine Mutter«, sagte ich.
»Viteszlav hat seine eigene Mutter umgebracht«, erklärte Geser. »Nicht aus böser Absicht. Er war ein junger Vampir und hatte sich nicht unter Kontrolle. Aber… seit dieser Zeit vermeidet er es, dieses Wort auszusprechen. »
»Wer ist Timurs Mutter? »
»Im Dossier müsste ihr Name stehen.«
»Da ka
»Wir waren davon überzeugt, dass Timur tot ist«, antwortete Geser leise. »Es war Olga, die sich nicht damit abfinden wollte. Und nachdem sie rehabilitiert worden war, machte sie sich wieder auf die Suche…«