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»Sie hat ihren Sohn gefunden. Und ihm das voreilige Versprechen gegeben«, schloss ich.

»Frauen dürfen sich solche Gefühle leisten«, sagte Geser trocken. »Selbst die weisesten Frauen. Aber Mä

»Wer bin ich, Sie zu verurteilen?«, entgegnete ich. »Ich habe selbst eine Tochter, eine Lichte. Und die würde ich auch nicht dem Dunkel überlassen.«

»Danke, Anton.«Geser nickte und entspa

»Ich frage mich nur, wie weit Sie für Ihren Sohn und Olga gegangen wären«, bemerkte ich. »Swetlana hat doch etwas gespürt, nicht wahr? Welche Gefahr hat mir gedroht?«

Geser zuckte mit den Schultern. »Vorgefühle, darauf darf man sich nicht verlassen.«

»We

»Du bist nicht übergewechselt«, erwiderte Geser. »Obwohl Viteszlav sehr um dich geworben hat. Was noch, Anton? Ich spüre, dass dir noch eine Frage auf der Zunge liegt.«

»Wie kommt es, dass Ihr Sohn ein Anderer ist?«, fragte ich. »Das ist doch ein Glücksspiel. Nur selten bekommen Andere auch ein Kind mit den Anlagen zum Anderen.«

»Anton, entweder gehst du jetzt zu Viteszlav und legst ihm deine Überlegungen dar«, meinte Geser leise, »oder du machst dich auf zu Swetlana, wie du es ohnehin vorhattest. Aber verschon mich mit diesem Verhör.«

»Haben Sie keine Angst, dass die Inquisition noch einmal über alles nachdenkt und Ihnen auf die Schliche kommt?«, fragte ich.

»Nein. In drei Stunden wird Viteszlav ein Dokument unterschreiben, mit dem diese Untersuchung zu den Akten gelegt wird. Sie werden sich den Fall nicht wieder vornehmen. Sie haben sich sowieso schon bis auf die Knochen blamiert.«

»Viel Glück bei der Remoralisierung von Timur«, wünschte ich ihm. Da

»Du hast noch eine Woche Urlaub, verbring ihn mit deiner Familie!«, rief Geser mir hinterher.

Erst wollte ich ihm stolz antworten, dass ich auf seine Almosen verzichten kö

Gerade noch rechtzeitig besa

»Zwei Wochen«, entgegnete ich. »Allein schon Überstunden habe ich genug, um mir einen ganzen Monat freizunehmen.«Geser hüllte sich in Schweigen.

Epilog

Ich beschloss, den BMW erst nach dem Urlaub zurückzugeben. Schließlich…

Auf der neu angelegten Schnellstraße - früher gab es hier nur Schlaglöcher, verbunden durch einzelne Abschnitte einer Chaussee, jetzt handelte es sich um eine Chaussee, deren einzelne Abschnitte mitunter durch ein Schlagloch unterbrochen wurden - fuhr der Wagen ruhig mit 120 Stundenkilometern dahin. Nicht schlecht, ein Anderer zu sein.

Ich wusste, dass ich in keinen Stau geraten würde. Ich wusste, dass mir kein Kipplaster mit besoffenem Fahrer entgegenkommen würde. We

Wer würde seinem Kind nicht ein solches Schicksal wünschen? Hatte ich wirklich das Recht, Geser und Olga zu verurteilen?

Die Stereoanlage des Autos war neu und verfügte über ein MD-Laufwerk. Erst wollte ich die Kampfprothesen einlegen, da

Mein Handy klingelte. Sofort drosselte die kluge Anlage den Ton.

»Sweta?«, fragte ich.

»Ich ko

Swetlanas Stimme klang ruhig, also war alles in Ordnung.

Nur das zählte.

»Ich ko

»Das muss an atmosphärischen Fluktuationen liegen«, amüsierte sich Swetlana. »Was ist vor einer halben Stunde passiert? »

»Nichts Besonderes. Ich habe mit Geser gesprochen. »

»Ist alles in Ordnung? »

»Ja.«

»Ich hatte eine Vorahnung. Dass du dich an einer Grenze bewegst.«

Ich nickte und sah auf die Straße. Klug ist sie, meine Frau, Geser. Auf ihre Vorahnungen ka

»Sweta…«, fragte ich, während ich das Steuer nur mit einer Hand hielt. »Was würdest du tun, we

»Zu den Dunklen gehen«, antwortete Swetlana wie aus der Pistole geschossen. »Die quälen sich nie. »

»Ist das alles, was du mir dazu sagen ka

»Ja, das ist die einzige Antwort, die ich dir geben ka

»Ich habe den Eindruck«, gestand ich bedrückt, »als gehe die Zeit der Ordnung zu Ende. Verstehst du, was ich meine? Als begä

»Das ist die Niemandszeit, Anton«, sagte Swetlana. »Das ist lediglich die Niemandszeit. Du hast Recht, das etwas auf uns zukommt. Dass auf der Welt etwas passiert. Aber noch nicht jetzt.«

»Sprich mit mir, Sweta«, bat ich. »Ich muss noch eine halbe Stunde fahren. Sprich diese halbe Stunde mit mir, ja?«

»Meine Handykarte ist fast alle«, erwiderte Swetlana mit zweifelnder Stimme.

»Ich ruf dich jetzt zurück«, schlug ich vor. »Noch bin ich im Dienst, mein Handy ist von der Firma. Soll doch Geser ruhig dafür zahlen.«

»Und dein Gewissen meldet sich da nicht?«, lachte Swetlana. »Heute ist es gut trainiert.«

»Gut, du brauchst aber trotzdem nicht zurückzurufen, ich verzaubere mein Handy«, meinte Swetlana. Im Spaß oder im Ernst. Nicht immer verstand ich, wa

»Da

»Alles wird sehr schön werden«, fing Swetlana an. »Ich werde mich freuen, und Nadja auch. Und meine Mutter wird sich freuen…«

Ich fuhr Auto, während ich unter Verletzung all der strengen Vorschriften der Verkehrspolizei das Handy mit einer Hand ans Ohr presste. Auf der Gegenfahrbahn sausten in einem fort Laster an mir vorbei.

Ich lauschte dem, was Swetlana mir erzählte. Aus den Lautsprechern erklang immer noch die leise Frauenstimme:

Zweite Geschichte

Niemandsraum

Prolog

Schon immer machten im Umland von Moskau entweder arme oder reiche Menschen Urlaub. Dagegen bevorzugt die Mittelklasse türkische Hotels, bei denen »alles inklusive ist, Getränke frei Hahn«, entscheidet sich für die Siesta im brütend heißen Spanien oder für den sauberen Strand Kroatiens. In Mittelrussland verbringt die Mittelklasse ihren Urlaub jedoch nicht gern. Übrigens ist die Mittelklasse in Russland nicht zahlreich.