Страница 28 из 96
Viteszlav nickte und verschwand. Kurz darauf tauchte er jedoch wieder auf. Leicht konfus.
»Zu Fuß, zu Fuß«, erklärte Geser. »Ich habe das Zwielicht hier geschlossen. Vorsichtshalber.«
Ich tappte den Inquisitoren und Kostja hinterher, der über alle Maßen glücklich war, nach Hause zu kö
»Anton«, rief Geser mir nach. »Vielen Dank. Du hast gute Arbeit geleistet. Komm heute Abend zu mir.«
Ich antwortete nicht. Wir gingen an den noch immer völlig teilnahmslosen Bodyguards vorbei, und ich sca
Der in seine Gedanken vertiefte Viteszlav schwieg und überließ Kostja und Edgar den langen Kampf mit den Schlössern. Nur einmal linste er zu mir herüber. »Lädst du mich auf einen Kaffee ein, Wächter?«, fragte er. Ich nickte. Warum eigentlich nicht?
Schließlich hatten wir denselben Fall bearbeitet. Und hatten uns gemeinsam blamiert - ungeachtet aller Lobesworte, die Geser für mich fand.
Sieben
Eine komische Gesellschaft: ein junger Vampir aus der Tagwache, zwei Inquisitoren und ein Lichter Magier.
Und alle saßen wir friedlich in der großen leeren Wohnung, warteten, bis das Wasser in der Mikrowelle heiß war, um löslichen Kaffee aufzubrühen. Ich hatte sogar Kostja erlaubt einzutreten, und jetzt saß er wieder auf dem Fensterbrett, allerdings auf der I
»Ich bin nicht mehr an Russland gewöhnt«, sagte er, während er nachdenklich vor dem Fenster auf und ab ging. »Ich bin entwöhnt. Ich erke
»Stimmt, das Land hat sich verändert! Es werden neue Häuser gebaut, neue Straßen…«, setzte ich begeistert an.
»Verschon mich mit deiner Ironie, Wächter«, fiel Viteszlav mir ins Wort. »Das meine ich nicht. Vor siebzig Jahren lebten in eurem Land die diszipliniertesten Anderen. Sogar die Wachen agierten im Rahmen des Zulässigen…»
»Und jetzt lassen alle die Zügel schießen?«, mutmaßte ich. Viteszlav schwieg.
Ich fühlte mich nicht wohl in meiner Haut. Was auch immer er sein mochte, dieser Prager Vampir aus der Inquisition, aber heute hatte man ihn mit Schimpf und Schande durch den Dreck gezogen. Zum ersten Mal hatte ich miterlebt, wie die Inquisition sich blamiert hatte. Sogar Geser hatte sie wohl nicht gefürchtet, aber immer als unüberwindbare Kraft anerka
Und plötzlich trickste er sie aus. Leicht und raffiniert.
Was hatte sich auf der Welt verändert? War die Inquisition zur dritten Partei geworden? War sie nur noch eine der an diesem Spiel beteiligten Seiten? Die Dunklen, die Lichten und die Inquisition? Oder die Dunklen, die Lichten und das Zwielicht?
In der Glaska
»Gorodezki, du weißt, dass heute der Große Vertrag verletzt worden ist?«, fragte Viteszlav plötzlich. Ich zuckte mit den Schultern.
»Du brauchst nicht zu antworten«, sagte Viteszlav. »Mir ist auch so klar, dass du es verstanden hast. Jemand aus der Nachtwache hat die Inquisition zu dieser unüberlegten Handlung gedrängt… Und danach hat die Wache das Recht bekommen, diesen einen Menschen auf ihre Seite zu ziehen. Ich glaube nicht, dass er der Nachtwache einen großen Vorteil bringen wird.«
Das glaubte ich auch nicht. Timur Borissowitsch würde nicht lernen, die Kraft des Zwielichts zu nutzen. Er würde sein langes Leben bekommen, er würde die Möglichkeit haben, kleine magische Tricks zu vollführen, die geheimen Gedanken seiner Geschäftspartner zu lesen, einer Kugel aus dem Weg zu gehen… Das würde ihm genügen. Nun, seine Firma dürfte wohl regelmäßig große Summen auf das Konto der Nachtwache überweisen. Und der Geschäftsma
»Gewissenlos«, sagte Viteszlav bitter. »Die Ausnutzung der beruflichen Stellung zu persönlichen Zwecken!«Unwillkürlich schnaubte ich. »Was ist daran so komisch?«, fuhr mich Viteszlav an.
»Ich glaube, Geser hat Recht. Sie sitzen wirklich schon zu lange hinter Ihrem Schreibtisch.«
»Willst du damit behaupten, für dich sei das alles ganz normal?«, fragte Viteszlav. »Es gebe keinen Grund, sich zu empören?«
»Ein Mensch, we
»Lass es, Viteszlav«, riet Edgar mit leiser Stimme. »Gorodezki versteht das nicht. Er ist zu jung.«
Viteszlav nickte und nippte an seinem Kaffee. »Ich habe geglaubt, du würdest dich von dieser ganzen lichten Zunft unterscheiden«, sagte er da
»Ja, mir ist der Kern wichtig, Viteszlav!«, explodierte ich. »Und im Kern bist du ein Vampir! Und du, Edgar, bist ein Dunkler Magier! Ich weiß nicht, worin eurer Meinung nach die Verletzung des Großen Vertrages besteht, aber ich bin sicher, Sebulon wäre nichts zur Last gelegt worden!«
»Lichter Magier…«, brachte Viteszlav widerwillig hervor. »Adept des Lichts… Wir bewahren nur das Gleichgewicht, ist das klar? Und Sebulon müsste sich vor dem Tribunal verantworten, we
»Sebulon hat schon viel angerichtet. Er hat versucht, meine Frau zu ermorden. Er hat versucht, mich zu ermorden. Er drängt die Menschen ständig zum Dunkel! Und du behauptest, irgendjemand von uns habe nicht ehrlich gehandelt, habe einen Falschspieler ausgetrickst? Ka
»Deine und unsere Ehrlichkeit lassen sich nicht vergleichen«, bemerkte Edgar. »Gehen wir, Viteszlav…«
Der Vampir nickte. Stellte seine noch nicht ausgetrunkene Tasse ab.
»Vielen Dank für den Kaffee, Lichter. Ich gebe dir deine Einladung, deine Wohnung zu betreten, zurück.«
Daraufhin verschwanden die beiden Inquisitoren. Nur der schweigsame Kostja blieb noch, der jetzt auf einem Hocker saß und Kaffee trank.
»Moralisten«, sagte ich wütend. »Oder glaubst du auch, dass sie Recht haben?«
»Nein, warum sollte ich?«, meinte Kostja lächelnd. »Sie haben es nicht besser verdient. Es war höchste Zeit, der Inquisition mal ihre Arroganz auszutreiben… Nur schade, dass es Geser war, der das gemacht hat, und nicht Sebulon.«
»Geser hat nichts gemacht«, widersprach ich. »Das hat er geschworen, das hast du doch gehört.«
Kostja zuckte mit den Achseln. »Ich habe keine Ahnung, wie er es geschafft hat. Aber das ist seine Intrige. Sebulon hatte gute Gründe, sich nicht einzumischen. Schlau ist er, der alte Fuchs, schlau… Weißt du, was ich mich frage?«
»Na?«, wollte ich angespa
»Was ist eigentlich der Unterschied zwischen uns? Wir intrigieren, ziehen die Leute, die wir brauchen, auf unsere Seite. Und ihr macht ganz genau dasselbe. We
Kostja lächelte.
»Was meinst du, wer hatte im Zweiten Weltkrieg Recht?«, wollte ich wissen.
»Was soll die Frage?«Jetzt spa
»Wir hatten Recht«, antwortete Kostja patriotisch. »Übrigens haben auch einige Vampire und Tiermenschen mitgekämpft! Zwei haben sogar den Stern des Helden bekommen!«