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Am stärksten erschütterte mich noch nicht mal das Verhalten des Chefs. Geser ein Verbrecher? Das war so unwahrscheinlich, dass ich mich nicht mal darüber aufregte. Mich erschütterte, wie leicht der Chef in eine Falle geraten war.

Geser war also vor sechzig Jahren im fernen Usbekistan Vater geworden. Danach hatte man ihm Arbeit in Moskau angeboten. Die Mutter des Jungen, eine gewöhnliche Frau, starb in den Kriegsjahren. Der kleine Mensch Timur, dessen Vater ein großer Magier war, kam ins Kinderheim…

Möglich ist alles. Geser brauchte von der Existenz seines Kindes nichts gewusst zu haben. Oder er hatte etwas gewusst, ko

Seit Hunderten, seit Tausenden von Jahren spa

Man brauchte kein Experte für Physiognomie zu sein, um in Timur Borissowitsch und Boris Ignatjewitsch nahe Verwandte zu erke

Ich dachte nach. Nun… We

Kurz ging ich in Gedanken die einzelnen Punkte des Vertrages, der Ergänzungen und Nachbesserungen, der Präzedenzfälle und Ausnahmen, Kommentare und Fußnoten durch. Eine komische Situation.

Geser würde bestraft werden, aber nicht sehr streng. Im Höchstfall eine Rüge vom Europabüro der Nachtwache. Und irgendwas Aufsehenerregendes, aber wenig Si

Ich stellte mir vor, was daraufhin in der Tagwache losbrechen würde. Wie Sebulon feixen würde. Mit welch unverhohlener Neugier die Dunklen über Gesers Familienangelegenheiten herfallen und seinem menschlichen Sohn einen Gruß zukommen lassen würden.

Sicher, in den Jahren, die Geser schon hinter sich hatte, hätte sich jeder ein dickes Fell zugelegt. Gelernt, Spott zu ertragen. Trotzdem würde ich jetzt nicht mit ihm tauschen wollen!

Und auch unsere Leute neigten zur Ironie. Nein, niemand würde Geser einen Vorwurf machen. Oder hinter seinem Rücken über ihn tuscheln.

Ein Grinsen hier und da, das ja. Ein verständnisloses Kopfschütteln. Und Geflüster: »Er wird doch alt, der Große, ja, er wird alt…«

Heute ka

»Was hast du da bloß gemacht, Großer?«, sagte ich. Da

Wie da

Und we

Vielleicht würde er das sogar tun. Sich irgendwo in der Tundra oder in Polynesien verstecken.

Geschah ihm ganz recht. Sollte er doch für den Rest seines Lebens Robben jagen oder Kokosnüsse von den Palmen schlagen! Schließlich hatte er zur»Herrscherin über das Meer«werden wollen…

Ich nahm den Telefonhörer, wählte die Nummer der Zentrale unseres Büros. Da

»Tolik, du musst einen Menschen für mich durchleuchten. Sofort.«

»Gib mir den Namen, da

Ich gab ihm alles durch, was ich von Timur Borissowitsch hatte in Erfahrung bringen kö

»Auf welcher Seite er schläft oder wa

Zahnarzt gewesen war?«

»Wo er jetzt ist«, meinte ich finster.

Tolik schnaubte, aber ich hörte, wie er am andern Ende der Leitung munter auf die Tastatur einschlug. »Er hat ein Handy«, sagte ich für alle Fälle.

»Versuch nicht, einen Weisen zu belehren. Er hat sogar zwei Handys… beide befinden sich… sind… Gut, ich lade jetzt die Karte…«Ich wartete.

»Wohnanlage Assol. Genauer ka

»Ich schulde dir ein Fläschchen«, meinte ich und legte auf. Sprang hoch. Doch wozu die Eile? Schließlich saß ich vorm Bildschirm der Überwachungskameras. Ich musste nicht lange suchen.

Timur Borissowitsch betrat gerade den Fahrstuhl. Ihm folgte ein Pärchen mit steinernen Mienen. Zwei Bodyguards. Oder ein Bodyguard und der Chauffeur, der obendrein den zweiten Leibwächter abgab.

Ich stellte den Bildschirm ab und stürmte los. Ra

»Hatten Sie Erfolg?«, fragte er freudestrahlend. »Hm«, nickte ich ihm im Lauf zu.

»Brauchen Sie noch weitere Hilfe?«, rief mir der Ma

Sechs

Der Fahrstuhl kroch - so kam es mir vor - unerträglich langsam in den neunzehnten Stock hinauf. Inzwischen ko

Ich würde improvisieren müssen. Und im Notfall ein wenig von meiner Tarnung aufgeben.

Ich klingelte lange an der Tür und blickte in die elektronische Pupille der Kamera. Schließlich rührte sich etwas, und aus der in die Wand eingebauten Sprechanlage fragte jemand: »Ja?«

»Sie setzen mich unter Wasser!«, echauffierte ich mich und versuchte, so aufgelöst wie möglich zu klingen. »Die Fresken an der Decke sind schon nass! Im Flügel stehen bereits zwei Eimer Wasser!«

Woher nahm ich bloß diese Fresken und den Konzertflügel? »In was für einem Flügel?«, fragte eine misstrauische Stimme.

Woher sollte ich de

»In meinem Wiener Flügel! Mit geschwungenen Beinen!«, phantasierte ich weiter.

»Und wir dachten schon in dem Klavier, das da steht vor der Tür«, erwiderte jemand mit unverhohlener Ironie.

Ich sah zu Boden. Diese verfluchte allseitige Beleuchtung… Nicht einmal einen ordentlichen Schatten gab es hier!

Als ich die Hand in Richtung Tür ausstreckte, schaffte ich es immerhin, einen schwachen Schatten auf dem rosafarbenen Holz, mit dem der Panzerstahl verkleidet war, zu erke

Meine Hand tauchte ins Zwielicht ein, der Hand hinterher ich selbst.

Die Welt gestaltete sich neu. Verlor ihre Farben, ergraute. Tiefe Stille senkte sich herab, nur das elektrische I

Ich stand im Zwielicht, in jener seltsamen Welt, wohin nur die Anderen einen Weg ke

Die fahlen Schatten der aufgeschreckten Bodyguards. Über ihren Köpfen glomm eine alarmierte purpurrote Aura, die ich sogar durch die Tür hindurch sehen ko