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Sie war mittlerweile weit genug zu Atem gekommen, um den zweiten Teil ihrer Expedition in Angriff nehmen zu kö

Charlotte verharrte für einen Moment mitten in der Bewegung; überrascht, und aus einem ihr selbst nicht ganz einsichtigen Grund auch ein wenig beunruhigt. Es war nahezu vier; selbst für sie eine ungewöhnliche Zeit. Auf der anderen Seite aber auch nicht so ungewöhnlich, daß sie übermäßig erstaunt oder gar erschrocken hätte sein dürfen. Die Zeiten, in denen ihr Hotel vornehmlich Gäste aufgenommen hatte, die sich anmeldeten und zu halbwegs normalen Zeiten an-und abreisten, waren längst vorbei, falls es sie überhaupt jemals wirklich gegeben hatte.

Die Gäste, die heutzutage kamen, pflegten sich nicht anzumelden, und die meisten hatten nicht einmal Gepäck. Die meisten blieben auch nicht lange: zwei, manchmal drei Stunden, selten eine ganze Nacht.

Trotzdem war sie beunruhigt und auf eine schwer greifbare Weise alarmiert. Vielleicht lag es an den Polizeisirenen, die sie vorhin gehört hatte, als sie auf der Kellertreppe gewesen war. Ziemlich viele Sirenen, die zwar nicht in unmittelbarer Nähe erschollen, aber auch nicht sehr weit entfernt.

Es klingelte zum zweitenmal, und Charlotte gemahnte sich selbst daran, daß dieses nächtliche Klingeln zumindest eine potentielle Ei

Sie warf der kleinen Spi

»Schon gut, schon gut!« rief Charlotte. »Ich komme. Kein Grund, das ganze Haus wachzuklingeln! «

Tatsächlich senkte der Schatten den Arm wieder, bewegte sich aber ansonsten nicht. Von dem höflichen halben Schritt zurück von der Tür schien der nächtliche Besucher nichts zu halten – falls er jemals davon gehört hatte. Charlotte bezweifelte es.

Sie erreichte deeTür, drückte die Klinke aber nicht herunter, sondern öffnete das kleine Fenster in Form eines Kolibris, das in die Mitte derTiffany-Arbeit eingelassen war. »ja, verdammt

– was gibt es de

Sie war selbst ein wenig erstaunt über den scharfen Ton in ihrer Stimme. Normalerweise war es nicht ihre Art, so mit Gästen zu reden; nicht einmal, we

Vor ihr stand ein sehr groß gewachsener, dunkelhaariger Ma

Die Worte, die der Fremde an sie richtete, bestätigten ihren ersten Eindruck. Er sprach perfekt Deutsch; schnell und so akzentfrei, daß es schon fast wieder auffiel. Trotzdem spürte man irgendwie, daß er sich nicht in seiner Muttersprache ausdrückte.

»Bitte entschuldigen Sie die späte Störung«, bega

Er trat nun doch einen Schritt zurück und deutete mit einer komplizierten Geste nacheinander auf das kleine Neonschild neben derTür, das »ZIMMER FREI« verkündete, das erleuchtete Fenster daneben und da

»Wissen Sie, wie spät es ist?« fragte Charlotte mißtrauisch. Der Ausländer nickte und zwang ein Lächeln auf sein Gesicht, das so falsch war, daß Charlotte fast davor erschrak. »ja. Ich entschuldige mich noch einmal für die Störung. Wir wollten Sie nicht wecken, aber … wir kö

Charlotte winkte ab. Sie versuchte, möglichst unauffällig an dem Ausländer vorbeizusehen, um dahinterzukommen, was mit dem Umriß seines Begleiters nicht in Ordnung war. Er wirkte irgendwie … zu breit. Aber das Licht draußen war sehr schwach. Der Himmel hatte sich wieder zugezogen, und er war nicht nahe genug, um ihn im Lichtschein zu erke

»Sie haben mich nicht geweckt«, sagte sie. »Sie kö

»Kein Problem«, sagte der Fremde.

»Im voraus.« Charlotte legte die Hand auf die Klinke, aber sie drückte sie noch nicht herunter, sondern wartete, bis der Fremde in seine Jacke griff und seine Brieftasche hervorzog.

Die Bewegung schien ein Signal für seinen Begleiter zu sein, näher zu kommen. Als er sich bewegte, zerfiel der massige Schatten zu zwei schlankeren, eng aneinandergeschmiegten Umrissen, und Charlotte zog die Hand so hastig wieder zurück, als wäre der Türgriff plötzlich rotglühend. Es waren zwei Mä

»He, was – «

»Es ist nicht das, was Sie glauben«, sagte der Ausländer, ruhig, aber so schnell, daß Charlotte ziemlich sicher war, daß es ganz genau das war, was sie glaubte. »Unserem Freund ist nicht gut. Er ist krank. Deshalb kö

»Krank?«

»Es ist nichts Ansteckendes, keine Sorge.« Der Fremde lächelte noch unechter, klappte seine Brieftasche auf und zog zwei zusammengefaltete Hunderter hervor. »Selbstverständlich zahlen wir mehr. Schließlich sind wir auch zu dritt.«

Charlotte zögerte, nach den beiden Banknoten zu greifen, die ihr der Fremde durch das Kolibri-Fenster hinhielt. Sie ko

Fremden gewesen, was sie alarmierte, etwas wie eine Drohung. Nein, keine Drohung … Es klang verrückt, aber genau diesen Eindruck hatte sie: Seine Stimme klang, als wäre er es gewohnt, Drohungen auszustoßen, und bemühte sich nun mit aller Macht, es nicht zu tun. Irgend etwas sagte ihr, daß sie diese drei Fremden besser nicht aufnehmen sollte.

»Es … gibt ein Krankenhaus, nur zwei Blocks entfernt von hier«, sagte sie zögernd. »We

»Das ist nicht nötig.« Zwischen Zeige-und Mittelfinger des Ausländers erschien wie hingezaubert ein dritter Hunderter. »Wir wissen, was ihm fehlt. Er braucht nur ein paar Stunden Schlaf, das ist alles.«

Charlotte starrte das Geld an, da