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»Ganz hinten«, sagte Nehrig. »Letzte Reihe.«

Während sich die vier Soldaten mit ihrer schrecklichen Last weiterbewegten, starrte Nehrig einige Sekunden lang mit gerunzelter Stirn auf die Stelle neben der Tür, an der Weichsler die letzten Stunden gestanden und eine ihm unbeka

Weichsler erlebte bi

»Seit wa

»Heute nacht?« Weichsler sah vollkommen überflüssig auf die Uhr. »Seit Mitternacht.«

»Geisterstunde, wie?« Nehrig grinste. Weichsler fand die Bemerkung ganz und gar nicht komisch, und offenbar sah man es ihm an, de

sich ihm zuwandte. »Scheiß-Job, was?«

»Es geht«, antwortete Weichsler ausweichend.

»Draußen ist es schlimmer«, pflichtete ihm Nehrig bei, und obwohl Weichsler zustimmend nickte, wußte er doch, daß das nicht stimmte. Vor zweiTagen war er froh gewesen, hierher zum Wachdienst abkommandiert worden zu sein statt zu einer der Einheiten, welche die umliegenden Ortschaften nach Leichen absuchten; aber mittlerweile war viel Zeit vergangen. Zeit zum Nachdenken, Zeit, die er zusammen mit diesen schweigenden Toten in einer Turnhalle oder zusammen mit seinen Alpträumen in einem zum Schlafsaal umfunktionierten Klassenraum verbracht hatte. Entschieden zu viel Zeit. Vermutlich war es eine grauenhafte Aufgabe, die umliegenden Ortschaften Haus für Haus, Etage um Etage und Zimmer um Zimmer nach weiteren Toten zu durchkämmen. Aber die Mä

»Die beiden da waren die letzten«, sagte Nehrig nach einer Weile. »Ich glaube nicht, daß wir noch mehr finden. Gott sei Dank wirkt dieses Scheiß-Zeug nicht allzu lange.«

»Wie viele sind es?« fragte Weichsler. Er erschrak fast. Warum stellte er diese Frage? Er wollte es nicht wissen! Trotzdem nickte er, als Nehrig die Zigarette aus dem Mundwinkel nahm und ihn fragend ansah:

»Insgesamt? Eintausendzweihundertsiebzehn – mit den beiden da.«

»Großer Gott!« flüsterte Weichsler. Er hatte gewußt, daß die wirklichen Zahlen von denen abwichen, die die Medien verbreiteten, aber das …

»Ja, eine ganze Menge, nicht?« Nehrig schürzte die Lippen und fügte in vollkommen verändertem, hartem Ton hinzu:

»Und trotzdem noch einer zu wenig. Sie haben dieses Schwein immer noch nicht gefunden. Entweder hat es ihn in Atome zerblasen, oder er lebt noch.«

Weichsler mißfiel der Ton in Nehrigs Stimme. Er hätte ihn verstehen müssen – immerhin sprachen sie von dem Ma

»Sie werden ihn schon aufspüren«, antwortete er. »We

Nehrig schnaubte. »Einen Scheiß werden sie! Offiziell war das Ganze ein Unfall,, schon vergessen? Der Verursacher ist tot, die Amerikaner hüllen sich in Schweigen, die Regierung zahlt den Hinterbliebenen eine großzügige Abfindung, und irgendein paar ho he Tiere in Bo

Weichsler widersprach nicht – er hatte, weiß Gott, keine Lust, sich mit Nehrig ausgerechnet auf eine politische Diskussion einzulassen; schon gar nicht, we

Die Soldaten hatten ihre Last abgeladen und kamen zurück. Sie bewegten sich sehr schnell und schweigend, aber als Weichsler ihnen in die Gesichter sah, entdeckte er auf allen vier den gleichen Ausdruck: eine Art abgestumpfter Verbitterung, die ihn einen Moment lang daran zweifeln ließ, tatsächlich den schwereren Job bekommen zu haben. Aber diese Frage war vermutlich müßig: Jeder Job war der schwerere, we

Die Soldaten sagten kein Wort, sondern blickten Nehrig nur fragend an. Nehrig machte eine ebenso wortlose Geste nach draußen, und die Soldaten gingen. Weichsler sah ihnen nach, bis sie in dem silberschwarzen Gemisch aus Dunkelheit und Regen verschwunden waren, das auf der anderen Seite der Tür lastete. Neben dem Ausdruck von Entsetzen hatten die vier Mä

Erst nach einigen Sekunden fiel ihm auf, daß Nehrig keine Anstalten machte, ebenfalls zu gehen, sondern gemächlich an der Wand neben derTür lehnte und auf seiner Zigarette kaute. In dem fast schattenlosen weißen Neonlicht glich sein Gesicht selbst ein bißchen dem eines Zombies. Seine Haut wirkte u

Weichsler schüttelte den Gedanken ab. Nehrig war müde, körperlich erschöpft und im I

»Ganz schön unheimlich hier, wie?« sagte Nehrig unvermittelt. Er lächelte nervös, paffte an seiner Zigarette und stieß sich von der Wand ab. »Fängt man da nicht allmählich an, Gespenster zu sehen?«

Einen Moment lang überlegte Weichsler ernsthaft, worauf Nehrig mit dieser Frage hinauswollte. Vermutlich auf nichts. Andererseits …

»Nein«, sagte er. »Nur die Langeweile setzt einem zu. Und die Kälte.«

»ja, ist ein bißchen wie im Kühlhaus hier«, bestätigte Nehrig. »Aber ich fürchte, es muß sein. We