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Da
Damit griff er nach seinem Sprachrohr und stapfte davon.
Keen packte den glatten Handlauf. Wie viele Kommandanten vor ihm hatten hier schon so gestanden? In Sturm oder Flaute, vor einem Hafen oder einem Gefecht, und hatten versucht, sich ihre Ängste nicht anmerken zu lassen?
Würde er der letzte sein? Er horchte auf das Klicken des Ankerspills, den Knall der Peitsche, mit der ein Bootsma
Ein letztes Mal blickte er zu den Rahen auf, wo die Toppgasten in den Fußpferden standen, jederzeit bereit, die knatternden Segel herabrauschen und sich entfalten zu lassen.
Weit und breit kein Licht. Und keine Spur mehr von der bre
«Anker ist frei!«Nur halb drang der Ruf zum Achterschiff, aber schon legte sich Achates so scharf über, daß die See wie Brandung über Seitendeck und Schanzkleid brach.»Setzt die Bramsegel!»
Die Rudergänger rutschten aus und fielen auf die Planken, umklammerten aber eisern das mächtige Doppelrad, als der Wind das Schiff wie ein Spielzeug herumwarf; die losen Bramsegel knallten und schlugen an ihren Rahen, und das Crescendo der Sturmböen in der Takelage übertönte das Geschrei der um ihr Leben kämpfenden Crew.
Keen kniff die Augen zu Schlitzen zusammen, als Spritzwasser durch die Webeleinen schoß und ihn von Kopf bis Fuß durchnäßte. Das Wasser fühlte, sich warm an, als heiße es seine Beute schon willkommen.
Sparrowhawks überlebender Midshipman, der kleine Evans, klammerte sich verzweifelt an ein Want, als ihm die Füße weggerissen wurden. Ein dunkles Bündel fiel aus der Besantakelage, schlug mit einem ekelerregend dumpfen Krachen aufs Schanzkleid und von da in die See: ein Toppgast, den das plötzlich steif kommende Segel von seinem unsicheren Stand gerissen haben mußte. Dem Ma
Im Getöse von Wind und See klang Gebrüll auf und verebbte wieder — wie ein Chor verdammter Seelen.
«Noch ein paar Hände an die Luvbrassen dort!»
«Mr. Rooke, lassen Sie zwei Leute aufentern!»
«Bringt den Ma
«Wahrschau — die Gig reißt sich los!»
Und plötzlich der heisere Ruf des Masters:»Ruder im Schiff, Sir!»
Keen fuhr herum und starrte ihn an, das Gesicht entstellt durch ein irres Grinsen, de
Gebrochene Leinen wehten vor ihr her wie Lianen; von oben hörte Keen das schrille Glissando reißender Leinwand, aber er wußte, daß die Fäuste der Toppgasten den Schaden in Grenzen halten würden.
«Nordost zu Nord!«Die Stimme klang atemlos. Und gleich darauf:»Nord zu Ost!»
Keen umklammerte den Handlauf, daß ihn die Fäuste schmerzten. Achates gab wirklich ihr Bestes. Aber mit jeder Sekunde, die der Sturm sie weiter auf den dunklen Schatten des Landes zutrieb, wurden ihre Chancen geringer.
Wieder das Knirschen der Rahen, deren Brassen von halbnackten Mä
Der Rumpf schien einen Satz nach vorn zu machen, schräg abwärts, bis eine massive Wasserwand hoch über dem Vorsteven emporwuchs und auf das Vorschiff niederkrachte. Wie Stoffpuppen wurden Mä
Mit kaltem Grauen zählte er die Sekunden, bis der Bugspriet sich langsam zu heben bega
Wie zur Bestätigung hörte er Knockers Schrei:»Nordwest liegt an,
Sir!»
Und immer noch kein Lichtsignal. Sie würden auch vergeblich darauf hoffen, dachte Keen.
Eigentlich hätte er verzweifelt sein müssen. Er hatte sich geirrt, und Quantock hatte recht behalten. Nun war das Schiff verloren und mit ihm jeder Ma
Aber trotz allem war er seltsam erleichtert. Er hatte es wenigstens versucht, und Bolitho würde davon hören. Andere Schiffe würden kommen und sie rächen, ob nun britische oder französische, das spielte keine Rolle.
Plötzlich Leutnant Foords gellende Stimme:»Das Signal! O Gott, da ist das Signal!«Er schluchzte fast, so erleichtert war er.
Scharf befahl Keen:»Reißen Sie sich zusammen, Ma
Bewußt versuchte er, seine verkrampften Glieder zu entspa
Aber da war ihr Richtfeuer, ohne jeden Zweifel. Allday hatte das Unmögliche geschafft.»Nordwest zu Nord, Sir.«»Recht so!»
Das Schiff schien jetzt mit einem höllischen Tempo durchs Wasser zu preschen.»Lotgasten in die Ketten!«befahl Keen. Täuschte er sich, oder hatte im rauhen Ruf des Masters mehr gelegen als Überraschung und Erleichterung? Vielleicht auch ein respektvolles Staunen?
Keen stieß sich ab und ging zur anderen Seite hinüber, um die weiß schäumende Brandung im Auge zu behalten. Die Brecher schienen nicht weiter als eine Bootshakenlänge vom Rumpf entfernt.
Er hörte den ersten Lotgasten aussingen, aber seine Tiefenangabe verstand er nicht.
Dicht neben dem Rumpf ko
Knocker gab neue Ruderkommandos, seine Stimme hallte plötzlich laut von der Landzunge wider, auf deren Höhe die Pontons den Hafen gesperrt hatten.
Sie hörten Gefechtslärm: Gewehrfeuer und dazwischen vereinzelt das Krachen von Kanonen. Aber das klang alles so fern und unwirklich, als hätte es nichts mit dem anstürmenden Zweidecker und seiner Besatzung zu tun.
Warnschreie vom Vorschiff — und da
Immer noch bra
Im Schein ihres Feuers standen die Bootsgasten in der Barkasse und schwenkten jubelnd die geteerten Hüte, als das Schiff sich näherte. Achates mußte einen gespenstischen Anblick bieten, dachte Keen: oben feurig leuchtende Segel und darunter ein Rumpf, der mit dem dunklen Wasser verschmolz.