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»Ja«, sagte ich schüchtern, »desto besser. Aber ich dachte, man brauche auch Musik dazu.«
»Natürlich braucht man. Also paß auf, die Musik wirst du dir kaufen, das kostet höchstens soviel wie ein Tanzkurs bei einer Lehrerin. Die Lehrerin sparst du, die mache ich selber. Da
»Selbstverständlich. Du kaufst so einen kleinen Apparat und ein paar Tanzplatten dazu …«
»Herrlich«, rief ich, »und we
Ich sagte das sehr forsch, aber es kam nicht von Herzen. In meinem Studierstübchen mit den Büchern ko
Wir trafen uns am nächsten Nachmittag in einem Café. Hermine saß schon dort, als ich kam, trank Tee und zeigte mir lächelnd eine Zeitung, in der sie meinen Namen entdeckt hatte. Es war eines der reaktionären Hetzblätter meiner Heimat, in welchen immer von Zeit zu Zeit heftige Schmähartikel gegen mich die Runde machten. Ich war während des Krieges Kriegsgegner gewesen, ich hatte nach dem Kriege gelegentlich zur Ruhe, Geduld, Menschlichkeit und Selbstkritik gemahnt und mich gegen die täglich schärfer, törichter und wilder werdende nationalistische Hetzerei gewehrt. Da stand nun wieder solch ein Angriff, schlecht geschrieben, halb vom Redakteur selbst verfaßt, halb aus den vielen ähnlichen Aufsätzen der ihm nahestehenden Presse zusammengestohlen. Niemand schreibt beka
Ich las einige Zeilen, es war das Gewohnte, jedes einzelne dieser klischierten Schmähworte war mir seit Jahren bis zum Überdruß beka
»Nein«, sagte ich, »es ärgert mich nicht, in bin längst daran gewöhnt. Ich habe ein paarmal die Meinung geäußert, jedes Volk und sogar jeder einzelne Mensch müsse, statt sich mit verlogenen politischen ,Schuldfragen' in Schlummer zu wiegen, bei sich selber nachforschen, wie weit es selbst durch Fehler, Versäumnisse und üble Gewohnheiten mit am Kriege und an allem ändern Weltelend schuldig sei, das sei der einzige Weg, um den nächsten Krieg vielleicht zu vermeiden. Das verzeihen sie mir nicht, de
Hermine hatte mit Teilnahme zugehört.
»Ja«, sagte sie nun, »da hast du schon recht. Natürlich wird es wieder Krieg geben, man braucht keine Zeitungen zu lesen, um das zu wissen. Darüber ka
»Das ist vielleicht wahr«, rief ich heftig, »aber mit solchen Wahrheiten wie der, daß wir doch alle bald sterben müssen und also alles Wurst und egal ist, macht man das ganze Leben flach und dumm. Ja, sollen wir de
Merkwürdig war der Blick, mit dem Hermine mich nun ansah, ein Blick voll Belustigung, voll Spott und Schelmerei und verständnisvoller Kameradschaft und zugleich so voll Schwere, Wissen und abgründigem Ernst!
»Das sollst du nicht«, sagte sie ganz mütterlich. »Dein Leben wird auch dadurch nicht flach und dumm, we
O nein, auch ich war bereit.
Wir gingen zusammen – es war unser erster gemeinsamer Gang in der Stadt – in ein Musikaliengeschäft und sahen Grammophone an, klappten sie auf und zu, ließen sie uns vorspielen, und als wir eines davon sehr passend und nett und wohlfeil gefunden hatten, wollte ich es kaufen, aber so schnell war Hermine nicht fertig. Sie hielt mich zurück, und ich mußte erst noch einen zweiten Laden mit ihr aufsuchen und auch dort alle Systeme und Größen vom teuersten bis zum billigsten ansehen und anhören, und erst jetzt war sie damit einverstanden, in den ersten Laden zurückzugehen und den dort gefundenen Apparat zu kaufen. »Siehst du«, sagte ich, »das hätten wir einfacher haben kö
»Meinst du? Und da
Mit einem Dienstma
Hermine betrachtete mein Wohnzimmer genau, lobte den Ofen und den Diwan, probierte die Stühle, nahm Bücher in die Hand, blieb lang vor der Photographie meiner Geliebten stehen. Das Grammophon hatten wir zwischen Bücherhaufen auf eine Kommode gestellt. Und nun bega
»Mein Gott, wie steif du bist! Geh doch einfach vor dich hin, wie we
Nach einer Stunde ging sie fort, mit der Versicherung, das nächste Mal werde es schon besser gehen. Ich dachte darüber anders und war sehr enttäuscht über meine Dummheit und Schwerfälligkeit, ich hatte, wie mir schien, in dieser Stunde überhaupt nichts gelernt und glaubte nicht daran, daß es ein andermal besser gehen werde. Nein, zum Tanzen mußte man Fähigkeiten mitbringen, die mir vollkommen fehlten: Fröhlichkeit, Unschuld, Leichtsi
An jenem Abend saß ich zu Hause, wollte lesen und ko