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Wie schön war ihr Gesicht, wie überirdisch, als sie das sagte! In den Augen kühl und hell schwamm wissende Trauer, diese Augen schienen schon alles irgend erdenkliche Leid gelitten und ja dazu gesagt zu haben. Der Mund sprach schwer und wie behindert, etwa so, wie man spricht, we

»Du hast mich gern«, fuhr sie fort, »aus dem Grunde, den ich dir schon gesagt habe: ich habe deine Einsamkeit durchbrochen, ich habe dich gerade vor dem Tor der Hölle aufgefangen und wieder aufgeweckt. Aber ich will mehr von dir, viel mehr. Ich will dich in mich verliebt machen. Nein, widersprich mir nicht, laß mich reden! Du hast mich sehr gern, das spüre ich, und du bist mir dankbar, aber in mich verliebt bist du nicht. Ich will machen, daß du es wirst, das gehört zu meinem Beruf; ich lebe ja davon, daß ich Mä

Sie hob eine von den braunvioletten, grüngeäderten Orchideen ein wenig im Glase, beugte ihr Gesicht einen Augenblick darüber und starrte die Blume an.

»Du wirst es nicht leicht haben, aber du wirst es tun. Du wirst meinen Befehl erfüllen und wirst mich töten. Das ist es. Frage mich nicht mehr!«

Mit dem Blick noch bei der Orchidee, verstummte sie, ihr Gesicht entspa

Ich hatte Wort für Wort ihrer unheimlichen Rede deutlich gehört, hatte sogar ihren »letzten Befehl« erraten, noch ehe sie ihn aussprach, und war über das »Du wirst mich töten« nicht mehr erschrocken. Alles, was sie sagte, klang mir überzeugend und schicksalhaft, ich nahm es an und wehrte mich nicht dagegen, und doch war alles, trotz dem grauenhaften Ernst, mit dem sie gesprochen hatte, für mich ohne volle Wirklichkeit und Ernsthaftigkeit. Ein Teil meiner Seele sog ihre Worte auf und glaubte ihnen, ein andrer Teil meiner Seele nickte begütigend und nahm zur Ke

Immerhin ko

»Also ich werde dich einmal töten?« fragte ich, leise nachträumend, während sie schon wieder lachte und voll Eifer ihr Geflügel zerschnitt.

»Natürlich«, nickte sie obenhin, »genug davon, es ist Essenszeit, Harry, sei nett und bestelle mir noch ein wenig grünen Salat! Hast du de

Immer unwirklicher wurde die vorige Szene, immer unglaublicher, daß diese Augen noch vor Minuten so schwer und grauenvoll gestarrt hatten. Oh, darin war Hermine wie das Leben selbst: stets nur Augenblick, nie im voraus zu berechnen. Jetzt aß sie, und das Entenbein und der Salat, die Torte und der Likör wurden ernst genommen, wurden zum Gegenstand von Freude und Urteil, von Gespräch und Phantasie. War der Teller weggetragen, so bega

Diese Hermine, die ich heute zum zweiten Male sah, wußte alles von mir, es schien mir nicht möglich, je vor ihr ein Geheimnis zu haben. Es mochte sein, daß sie mein geistiges Leben vielleicht nicht ganz verstanden hätte; in meine Beziehungen zur Musik, zu Goethe, zu Novalis oder Baudelaire vermöchte sie mir möglicherweise nicht zu folgen – aber auch dies war sehr fraglich, wahrscheinlich würde auch dies ihr keine Mühe machen. Und we

»Hermine«, sagte ich, »mir ist neulich etwas Wunderliches begegnet. Da gab ein Unbeka

»Wie heißt de

»Es heißt .Traktat vom Steppenwolf'.«

»Oh, Steppenwolf ist großartig! Und der Steppenwolf bist du? Das sollst du sein?«

»Ja, ich bin es. Ich bin einer, der halb ein Mensch ist und halb ein Wolf oder der sich das einbildet.«

Sie gab keine Antwort. Sie sah mir mit forschender Aufmerksamkeit in die Augen, sah auf meine Hände, und für einen Moment kam in ihren Blick und ihr Gesicht wieder der tiefe Ernst und die düstere Leidenschaftlichkeit von vorhin. Ich glaubte, ihre Gedanken zu erraten, ob ich nämlich Wolf genug sei, um ihren »letzten Befehl« vollziehen zu kö

»Es ist natürlich eine Einbildung von dir«, sagte sie, sich zurück ins Heitere wandelnd, »oder, we

Sie unterbrach sich mit einem plötzlichen Einfall und sagte wie betroffen: »Das klingt so dumm, so ein Wort wie ‚Bestie' oder ‚Raubtier'! Man sollte nicht so von den Tieren reden. Sie sind ja oft schrecklich, aber sie sind doch viel richtiger als die Menschen.«

»Was ist ‚richtig'? Wie meinst du das?«

»Nun, sieh dir doch ein Tier an, eine Katze, einen Hund, einen Vogel oder gar eins von den schönen großen Tieren im Zoologischen, einen Puma oder eine Giraffe! Du mußt doch sehen, daß sie alle richtig sind, daß gar kein einziges Tier in Verlegenheit ist oder nicht weiß, was es tun und wie es sich benehmen soll. Sie wollen dir nicht imponieren. Kein Theater. Sie sind, wie sie sind, wie Steine und Blumen oder wie Sterne am Himmel. Verstehst du?«

Ich verstand.

»Meistens sind Tiere traurig«, fuhr sie fort. »Und we

»Nun, Hermine, und was denkst du über jenes Buch, in dem ich beschrieben stehe?«

»Ach, weißt du, ich mag nicht immer denken. Wir sprechen ein andermal davon. Du ka

Sie bat um Kaffee und schien eine Weile unaufmerksam und zerstreut, da

»Hallo«, rief sie freudig, »jetzt hab ich's!«

»Was de

»Das mit dem Foxtrott, ich mußte die ganze Zeit daran denken. Also sag: hast du ein Zimmer, in dem wir zwei hie und da eine Stunde tanzen kö