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Auf Dienstagabend hatte ich das schöne, merkwürdige Mädchen aus dem Schwarzen Adler eingeladen, und die Zeit bis dahin herumzubringen machte mir nicht wenig Mühe. Und als endlich der Dienstag gekommen war, war mir die Wichtigkeit meiner Beziehung zu dem unbeka

Obwohl ich in jenen paar Tagen des Wartens niemals daran zweifelte, daß meine Freundin ihr Wort halten werde, war ich am letzten Tage doch sehr erregt und ungewiß; nie im Leben habe ich ungeduldiger auf den Abend eines Tages gewartet. Und während die Spa

Unvergeßlicher Augenblick, als ich sie wiedersah! Ich saß an einem kleinen Tisch des alten behaglichen Restaurants, den ich u

Als ich ihr die Orchideen gab, war sie erfreut und lachte. »Das ist hübsch von dir, Harry. Du wolltest mir ein Geschenk machen, nicht wahr, und wußtest nicht recht, was wählen, du wußtest nicht so ganz, wieweit du eigentlich berechtigt seiest, mich zu beschenken, ob ich nicht beleidigt sein werde, und da hast du de

»So vergeßlich? Ich meine, ob du jetzt Foxtrott tanzen ka

»O ja, und dabei soll es bleiben! Es war mir Ernst!«

»Und doch hast du noch nicht tanzen gelernt?«

»Ka

»Natürlich. Fox ka

»Aber jetzt muß ich endlich deinen Namen wissen!«

Sie blickte mich eine Weile schweigend an. »Du ka

Ja, indem ich jetzt ihr Gesicht genau betrachtete, mußte ich ihr recht geben, es war ein Knabengesicht. Und als ich mir eine Minute Zeit ließ, bega

»We

»Wer weiß, vielleicht bin ich einer und bloß verkleidet«, sagte sie spielerisch.

»Heißt du Hermine?«

Sie nickte strahlend, froh über mein Erraten. Eben kam die Suppe, wir bega

Zwischenein fragte ich sie: »Wie hast du das gemacht, daß du plötzlich wie ein Knabe aussähest und daß ich deinen Namen erraten ko

»Oh, das hast alles du selber gemacht. Begreifst du das nicht, du gelehrter Herr: daß ich dir darum gefalle und für dich wichtig bin, weil ich wie eine Art Spiegel für dich bin, weil in mir i

»Du weißt alles, Hermine«, rief ich erstaunt. »Es ist genau so, wie du sagst. Und doch bist du so ganz und gar anders als ich! Du bist ja mein Gegenteil; du hast alles, was mir fehlt.«

»So kommt es dir vor«, sagte sie lakonisch, »und das ist gut.«

Und jetzt floß über ihr Gesicht, das mir in der Tat wie ein Zauberspiegel war, eine schwere Wolke von Ernst, plötzlich sprach dies ganze Gesicht nur noch Ernst, nur noch Tragik, bodenlos wie aus leeren Augen einer Maske. Langsam, Wort für Wort wie widerwillig hergebend, sagte sie:

»Du, vergiß nicht, was du zu mir gesagt hast! Du hast gesagt, ich soll dir befehlen und es würde dir eine Freude sein, allen meinen Befehlen zu gehorchen. Vergiß das nicht! Du mußt wissen, kleiner Harry: so, wie es dir mit mir geht, daß mein Gesicht dir Antwort gibt, daß etwas in mir dir entgegenkommt und dir Vertrauen macht – ebenso geht es mir auch mit dir. Als ich dich neulich im Schwarzen Adler hereinkommen sah, so müd und abwesend und schon beinah nicht mehr auf dieser Welt, da spürte ich gleich: der wird mir gehorchen, der sehnt sich danach, daß ich ihm befehle! Und das werde ich auch tun, darum habe ich dich angesprochen, und darum sind wir Freunde geworden.«

Sie sprach so voll schweren Ernstes, so unter hohem Druck der Seele, daß ich nicht ganz mitkam und sie zu beruhigen und abzulenken suchte. Sie schüttelte das nur mit einem Zucken der Augenbrauen von sich, sah mich zwingend an und fuhr fort, mit ganz kalter Stimme: »Du mußt dein Wort halten, Kleiner, das sage ich dir, oder du sollst es bereuen. Du wirst viele Befehle von mir erhalten und wirst ihnen folgen, hübsche Befehle, angenehme Befehle, es wird dir eine Lust sein, ihnen zu gehorchen. Und zuletzt wirst du auch meinen letzten Befehl erfüllen, Harry.«

»Ich werde«, sagte ich halb willenlos. »Was wird dein letzter Befehl für mich sein?« Ich ahnte ihn aber schon, Gott weiß warum.

Sie schüttelte sich wie unter einem leichten Frostschauer und schien aus ihrer Versunkenheit langsam zu erwachen. Ihre Augen ließen mich nicht los. Sie wurde plötzlich noch finsterer.

»Es wäre klug von mir, dir das nicht zu sagen. Ich will aber nicht klug sein, Harry, diesmal nicht. Ich will etwas ganz anderes. Paß auf, hör zu! Du wirst es hören, wirst es wieder vergessen, wirst darüber lachen, wirst darüber weinen. Paß auf, Kleiner! Ich will mit dir um Leben und Tod spielen, Brüderchen, und ich will dir meine Karten, noch eh wir anfangen zu spielen, offen zeigen.«