Страница 78 из 96
Lass dachte darüber nach. »Und warum fliegen da
»Das ist genauso einfach!«Ich hielt ihm den Becher hin. »Vögel sind viel dümmere Geschöpfe als Säugetiere. Daher haben Fledermäuse bereits mitgekriegt, wie sie einen Zug zur Nahrungsbeschaffung ausnutzen kö
»Und warum bin ich nicht selbst dahintergekommen?«, wunderte sich Lass. »Das ist in der Tat höchst simpel! Also da
»Tiere sind eine erstaunliche Sache«, sagte Lass tiefsi
Was mal bei ihm gelebt hatte, ein Hund, eine Katze, ein Hamster oder ein Aquariumsfisch, bekam ich nicht mehr zu hören. Lass schaute erneut aus dem Fenster und wurde ganz grün im Gesicht.
»Da ist wieder… diese Fledermaus! »
»Sie fängt Fliegen«, eri
»Aber was für Fliegen! Sie fliegt hinter dem Zug her wie auf Befehl! Ich sage dir, groß wie ein ausgewachsener Schäferhund!«
Lass stand auf und zog mit einer energischen Bewegung das Rouleau herunter. »Zum Teufel mit… Ich weiß ja, man soll abends nicht King lesen… Das ne
Kostja ist doch ein Monster! Freilich, ein Vampir in Tiergestalt ist ebenso wie ein Werwolf ein Schwachkopf, der sich nicht mehr unter Kontrolle hat. Vermutlich gefiel es ihm, so um den nächtlichen Zug herumzufliegen, durch die Fenster zu spähen und auf Lichtmasten Pause zu machen. Aber die grundlegenden Vorsichtsmaßregeln durfte er dabei doch nicht einfach außer Acht lassen!
»Das sind Mutationen«, hatte Lass inzwischen befunden. »Strahlenbelastung, Risse im Reaktor, elektromagnetische Wellen, Funktelefone… Und wir lachen die ganze Zeit darüber, sagen, das ist Science Fiction… Da
Entschlossen öffnete er seinen Kognak. »Glaubst du eigentlich an Mystik?«, fragte er.
»Das tu ich«, antwortete ich würdevoll.
»Ich auch«, gab Lass zu. »Jetzt. Früher nicht…«Ängstlich schaute er zu dem verhangenen Fenster hinüber. »Du lebst so vor dich hin, da
»Darauf immer!«, sagte ich begeistert. »Was treibt dich eigentlich wirklich nach Kasachstan, Lass? Da ka
Lass zuckte mit den Schultern. »Ich weiß es selbst nicht«, antwortete er. »Plötzlich wollte ich was Exotisches, Kumys im Melkeimer, Kamelreiten, Hammelkämpfe, Hammeleintopf aus einem Kupfernapf, Schönheiten mit ungewöhnlichen Gesichtszügen, baumartige Haschpflanzen in den städtischen Grünanlagen…»
»Was?«, fragte ich begriffsstutzig. »Was für Hasch?«
»Baumartiger. Hasch ist eigentlich ein Baum, nur dass niemand ihn so hoch wachsen lässt«, erklärte Lass mit einem ebenso ernsten Gesicht, wie ich es bei meiner Geschichte über Fledermäuse und sonstiges fliegendes Getier aufgesetzt hatte. »Mir ist das völlig egal, ich versau mir mit Tabak die Gesundheit, aber ich will ein bisschen Exotik…«
Er holte eine Packung Belomor heraus und zündete sich eine Zigarette an. »Gleich kommt der Waggonbetreuer«, warnte ich.
»Der kommt nicht, ich habe ein Kondom über den Rauchmelder gezogen.«Mit einer Kopfbewegung deutete Lass nach oben. Über den aus der Wand herauslugenden Melder war tatsächlich ein leicht aufgeblasenes Kondom gestülpt. Zartrosa, mit Plastiknoppen.
»Trotzdem glaube ich, dass du dir falsche Vorstellungen von der kasachischen Exotik machst«, sagte ich.
»Jetzt ist es zu spät, um darüber nachzudenken, schließlich sitz ich ja schon im Zug«, brummte Lass. »Heute Morgen ist es mir so durch den Kopf geschossen, warum ich eigentlich nicht mal nach Kasachstan fahre. Da
»Du bist einfach so los? Bist du immer so spontan?«
Lass dachte nach. Schüttelte den Kopf. »Eigentlich nicht. Aber diesmal hat es mich irgendwie angepikt… Ach, lassen wir das. Genehmigen wir uns lieber noch ein letztes Schlückchen…«
Während er eingoss, schaute ich ihn mir abermals durchs Zwielicht an.
Selbst jetzt, da ich wusste, wonach ich suchte, nahm ich nur mit Mühe die Spur wahr - so elegant und leicht war die Berührung des unbeka
Eine einfache Intervention, zu der selbst der schwächste Andere in der Lage ist. Aber unglaublich akkurat!
»Gut«, stimmte ich zu. »Mir fallen die Augen auch schon zu… Aber ich hoffe, wir quatschen noch mal miteinander.«
In der nächsten Stunde durfte ich an Schlaf allerdings nicht denken. Mir stand ein Gespräch mit Edgar bevor, möglicherweise auch eins mit Geser.
Vier
Betrübt blickte Edgar auf die Scherben der Flasche. Leider eignete sich seine Aufmachung jedoch so gar nicht, schweren Kummer auszudrücken: weite, fröhlich bedruckte Unterhosen, ein ausgeleiertes Hemd und ein zwischen Unterhose und Hemd hervorlugendes Bäuchlein. Um ihr körperliches Erscheinungsbild sorgen sich Inquisitoren nicht sehr, sie vertrauen offenbar ganz auf kraftvolle Magie.
»Du bist hier nicht in Prag«, versuchte ich ihn zu trösten. »Das ist Russland. We
»Jetzt muss ich eine Erklärung schreiben«, sagte Edgar finster. »Die Bürokraten in Tschechien sind nicht besser als die in Russland. »
»Dafür wissen wir jetzt aber, dass Lass kein Anderer ist.«
»Nichts wissen wir«, brummte der Inquisitor mürrisch. »Ein positives Resultat wäre eindeutig gewesen. So ist es ein negatives… nun, es kö
Ich hüllte mich in Schweigen. Diese Möglichkeit durften wir in der Tat nicht außer Acht lassen.
»Er wirkt nicht wie ein Anderer«, bemerkte Kostja leise. Er saß bloß in Unterhose im Bett, schweißgebadet und schwer atmend.
Offenbar hatte er zu lange im Körper einer Fledermaus Unfug getrieben. »Ich habe ihn im Assol überprüft. Mit allen Mitteln. Und jetzt auch… Er wirkt nicht wie ein Anderer.«