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»Wir dürfen das Buch nicht verlieren. Wir dürfen nicht zulassen, dass ein prinzipienloser Anderer sich eine Garde aufbaut und sich daran macht, die Welt nach seinem Gusto umzubauen. »

»Aber wir wissen doch gar nicht, was er will!«

»Wir wissen, dass er ohne zu zögern einen Inquisitor umgebracht hat. Wir wissen, dass er sehr stark ist und ein uns nicht beka

»Dort gibt es eine Reihe von alten Kraftzentren…«, murmelte Edgar. »Ein paar spurlos verschwundener Artefakte, einige schlecht zu kontrollierende Gebiete… Was noch? »

»Eine Milliarde Chinesen«, mischte sich Kostja plötzlich ein. Die Dunklen starrten einander an.

»Du bist ja völlig verrückt geworden…«, brachte Edgar unsicher hervor.

»Eine Milliarde und ein paar Zerquetschte«, präzisierte Kostja amüsiert. »Was, we

»Nun krieg dich mal wieder ein«, winkte Edgar ab. »Kein Idiot würde so etwas versuchen. Woher will er Kraft schöpfen, we

»Vielleicht ist er ein Idiot?«, gab Kostja nicht nach.

»Deshalb greifen wir ja auch zu extremen Maßnahmen«, fuhr Edgar ihn an.

Was sie sagten, meinten sie ernst. Ohne jeden Zweifel: Sie durften diese manipulierten Waggonbetreuer, dickwangigen Geschäftsreisenden und die armen Menschen in den Waggons dritter Klasse ermorden. Was sein muss, muss sein. Ein Landwirt, der das an Maul- und Klauenseuche erkrankte Vieh schlachten muss, leidet schließlich auch darunter.

Irgendwie stand mir der Si

Im Waggon war es bereits ruhiger geworden, die Leute bereiteten sich auf die Nacht vor. Einige Abteiltüren standen zwar noch offen, irgendjemand drückte sich im Gang zwischen zwei Waggons herum und wartete, bis die Toilette frei wurde, irgendwo war zu hören, wie Leute anstießen; die meisten Mitreisenden aber hatte Moskau sehr müde gemacht.

Ungerührt ließ ich mir den Gedanken durch den Kopf gehen, dass nach allen Gesetzen des Melodramas jetzt engelsgleiche Kinderchen mit unschuldigen Gesichtern durch den Gang re

Kinder kamen keine vorbei. Stattdessen spähte aus einem Abteil ein fetter Kerl in verwaschener Trainingshose und ausgeleiertem Hemd heraus. Das rote, verschwitzte Gesicht war durch den bereits genossenen Alkohol schon aufgedunsen. Der Ma

Meine Hände griffen ganz von selbst nach dem MD-Player. Ich stöpselte mir die Kopfhörer in die Ohren, legte aufs Geratewohl eine Scheibe ein und presste mich ans Fenster. Ich sah nichts, ich hörte nichts. Und - aber das verstand sich von selbst - ich sagte nichts.

Eine leise, sanfte Melodie erklang, eine zarte Stimme sang.

Ach ja, von Lass, meinem Beka

Wow, das ging ab… Oberpunk. Da ko

Eine Hand schlug mir auf die Schulter.

»Jeder entspa

Jemand pikte mich leicht in die Rippen.

Ich drehte mich um.

Und erstarrte.

Vor mir stand Lass. Zufrieden grienend und im Takt tanzend: Hatte ich die Musik also doch zu laut eingestellt.

»Ach nee!«, rief er begeistert, sobald ich die Kopfhörer ausgestöpselt hatte. »Da gehst du so durch den Waggon, nichts Böses ahnend - und plötzlich hört da jemand deine Songs! Was machst du de

»Ich fahr weg…«, ko

»Wirklich?«, rief Lass begeistert. »Ich wär im Leben nicht darauf gekommen, dich hier zu treffen! Wohin fährst du? »

»Nach Alma-Ata.«

»Das heißt jetzt Almaty!«, dozierte Lass. »Aber gut, setzen wir unser Gespräch fort. Warum fliegst du nicht?«

»Warum fliegst du nicht?«Allmählich ging mir auf, dass das Ganze mich an ein Verhör eri

»Ich bin aerophob«, verkündete Lass stolz. »Gut, we

»Bist du geschäftlich unterwegs?«

»Zum Vergnügen«, grinste Lass. »In der Türkei oder auf den Kanaren ka

»Hm.«Ich nickte. »Ich will in Moskau einen Handel für Kumys und Schubat aufziehen. »

»Was ist de

»Das ist… Kefir aus Kamelmilch. »

»Cool«, begeisterte sich Lass. »Bist du allein unterwegs? »

»Mit Freunden.«

»Wollen wir zu mir gehen? Mein Abteil ist leer. Schubat habe ich zwar nicht, aber deine Stutenmilch werden wir schon auftreiben.«Eine Falle?

Ich betrachtete Lass durchs Zwielicht. So aufmerksam wie möglich. Nicht das kleinste Zeichen eines Anderen.

Entweder war er ein Mensch - oder ein Anderer von unvorstellbarer Kraft. Imstande, sich in allen Schichten des Zwielichts zu tarnen.

Sollten wir doch Glück haben? Stand hier, vor mir, der mysteriöse Dieb des Fuaran!

»Gleich. Ich hol nur noch schnell was«, antwortete ich lächelnd.

»Aber ich hab doch alles!«, protestierte Lass. »Bring deine Freunde ruhig mit. Ich bin im nächsten Waggon, Abteil 2.«

»Sie haben sich schon schlafen gelegt«, tischte ich ihm eine grobe Lüge auf. »Also, es dauert nicht lange…«

Nur gut, dass Lass seitlich von mir stand und nicht sehen ko

»Da ist jemand aus dem Assol«, berichtete ich schnell. »Der Musiker, vielleicht eri

Auf Edgars Gesicht zeichnete sich Jagdfieber ab. Kostja sprang sogar auf. »Schnappen wir ihn uns?«, rief er. »Der wird singen…«

»Stopp.«Edgar schüttelte den Kopf. »Überstürzen wir nichts. Das ka

Ich erhielt ein kleines gläsernes Fläschchen, das mit einem kupfernen oder einem bronzenen Draht umwickelt war. Es sah furchtbar alt aus. In der Flasche schwappte eine dunkelbraune Flüssigkeit. »Was ist das?«

»Allergewöhnlichster Armagnac, zwanzig Jahre alt. Aber die Flasche hat es in sich. Die ka

»Aber ich spüre keine Magie…«, sagte ich, während ich die Flasche in den Händen drehte.