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Was sie wohl empfinden mögen, die Bürger des heute unabhängigen Landes, we
Keine Ahnung. Fragen ka
Sollen sie sich ruhig freuen und stolz sein - auf ihre Unabhängigkeit, ihren eigenen Staat, ihre Korruption. Als man vor kurzem in St. Petersburg das dreihundertjährige Bestehen der Stadt gefeiert hat, machte ein Wort die Runde-. »Sollen sie uns doch nach Strich und Faden bestehlen - immerhin sind es unsere Diebe, keine Moskauer.«Warum sollten Kasachen und Usbeken, Ukrainer und Tadschiken nicht dieselben Gefühle hegen? We
Sollen sie sich doch freuen. Sollen es sich doch alle gut gehen lassen. Sowohl die mit ihrem Jubiläum beglückten Petersburger - de
Einen Moment lang empfand ich zu meiner eigenen Überraschung Ekel. Nein, nicht vor den hier mitfahrenden Kasachen oder meinen russischen Mitbürgern. Vor den Menschen. Vor allen Menschen auf der Welt. Womit beschäftigen wir von der Nachtwache uns de
Ich blieb vor der Waggontür stehen, ließ Kostja vorbei. Erstarrte, glotzte auf den vollgerotzten Boden, wo sich bereits das erste Dutzend stinkender Kippen angesammelt hatte. Was war nur mit mir los? Hatte ich diese Gedanken?
O nein, ich brauchte mir da nichts vorzumachen. Das waren meine, keine fremden. Niemand kroch in meinen Kopf hinein, selbst ein Hoher Anderer hätte das nicht unbemerkt geschafft. Das war ich. Pur. Ein ehemaliger Mensch. Ein sehr müder, von allem auf der Welt enttäuschter Lichter.
In diesen Fällen gehen Andere zur Inquisition. We
»Ich will nicht«, sagte ich, gleichsam als rezitiere ich einen Zauberspruch, als höbe ich einen unsichtbaren Schild gegen meinen Feind - der ich selbst war. »Ich will nicht! Du hast… keine Macht… über mich… Anton Gorodezki!«
Zwei Türen und vier dicke Scheiben weiter drehte Kostja sich um und sah mich verständnislos an. Hatte er etwas gehört? Oder ko
Mit einem verkrampften Lächeln öffnete ich die Tür und ging in den rumpelnden Ziehharmonikadurchgang zwischen den beiden Waggons.
Der Waggon des Zugführers genoss in der Tat eine Vorzugsstellung. Saubere kleine Teppiche auf dem Fußboden, ein Läufer im Gang. Weiße Vorhänge vor den Fenstern, weiche Matratzen, die nicht an jenen mit Maiskolben gestopften Sack des Negers Jim denken ließen.
»Wer schläft unten? Wer oben?«, erkundigte sich Edgar geschäftig.
»Mir ist es egal«, antwortete Kostja.
»Ich würde lieber oben schlafen«, sagte ich.
»Ich auch«, meinte Edgar. »Da
»Herein!«Der Inquisitor wandte nicht einmal den Kopf um.
Es war der Zugführer - mit einem Tablett in der Hand, auf dem ein vernickelter Kessel mit heißem Wasser, eine kleine Ka
Das Gesicht war jedoch so einfältig wie bei einem neugeborenen Hündchen. »Lassen Sie sich den Tee schmecken, meine lieben Gäste!«
Alles klar. Die Wirkung des Amuletts. Letzten Endes drückte die Tatsache, dass Edgar ein Dunkler war, seiner Arbeitsweise eben doch einen Stempel auf.
»Vielen Dank. Informieren Sie uns bitte über alle, die in Moskau eingestiegen sind und vor Almaty aussteigen, mein Bester«, bat Edgar, während er dem Ma
»Wird gemacht, Euer Wohlgeboren«, meinte der Zugführer mit einem Nicken. Kostja kicherte.
Ich wartete, bis der arme Kerl wieder draußen war. »Euer Wohlgeboren - was soll das?«, fragte ich da
»Woher soll ich das wissen?«Edgar zuckte mit den Schultern. »Das Amulett zwingt die Menschen zu Gehorsam. Aber es ist einzig und allein ihre Sache, wen sie da
»Das ist nicht lustig«, blaffte Edgar. »Aber auch nicht schrecklich. Es ist die Methode, die die Psyche der Menschen am meisten schont. Die Hälfte der Geschichten, wie jemand den Fernsehmoderator Jakubowitsch im Auto mitnimmt oder Gorbatschow seinen Platz in einer Schlange anbietet, ist solchen Manipulationen zuzuschreiben.«
»Deswegen lache ich ja gar nicht«, erklärte Kostja. »Ich habe Sie mir in der Uniform eines weißgardistischen Offiziers vorgestellt… Chef. Sie flößen wirklich Respekt ein.«
»Lach nur, lach…«, sagte Edgar, während er sich Kaffee einschenkte. »Was macht der»Kompass«?«
Schweigend legte ich den Brief auf den Tisch. Das ZwielichtBild hing sich in die Luft - ein runder»Kompass«, eine sich langsam drehende Nadel.
Ich goss mir Tee ein und trank einen Schluck. Der Tee war gut. Mit Liebe gemacht, wie es sich gehört, we
»Er ist also im Zug, der Mistkerl…«, seufzte Edgar. »Meine Herren, ich werde euch unsere Alternativen nicht vorenthalten. Entweder wir fassen den Täter oder wir müssen den Zug eliminieren. Zusammen mit allen Passagieren.«
»Wie?«, wollte Kostja sachlich wissen.
»Es gibt verschiedene Varianten. In der Nähe des Zuges kö
»Edgar!«Alles in mir wollte glauben, dass er bloß in allzu dicken Farben auftrug. »Im Zug sitzen mindestens fünfhundert Menschen.«
»Leicht darüber«, korrigierte mich der Inquisitor. »Das dürfen wir nicht tun!«