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In die Analogie des Hauses, errichtet aus Baumzweigen und dicken Stämmen.

Hier gab es keine Bücher, keine Möbel mehr. Nur ein Nest aus Zweigen.

Und Arina, die mir gegenüberstand. Wie alt sie war!

We

»Die Nachtwache!«, wiederholte ich. Die Worte krochen wiederwillig, langsam aus meinem Mund. »Kommen Sie aus dem Zwielicht! Das ist die letzte Warnung!«

Was wollte ich ihr, die so leicht in die dritte Schicht der Zwielicht-Welt abtauchen ko

Doch sie leistete nicht länger Widerstand. Sondern kam auf mich zu - und verschwand.

Mühevoll kehrte ich in die zweite Schicht zurück. Normalerweise ist es leichter, aus dem Zwielicht herauszukommen, doch die dritte Schicht hatte meine Kräfte aus mir herausgesaugt wie aus einem diplomierten Looser.

Arina wartete in der zweiten Schicht auf mich. Sie hatte ihr bisheriges Aussehen bereits wieder angenommen. Mit einem Nicken ging sie weiter, der normalen, gemütlichen und ruhigen Welt der Menschen entgegen…

In kalten Schweiß gebadet, brauchte ich zwei Versuche, um meinen Schatten aufzuheben, bevor mir das endlich gelang.

Drei

Arina saß auf einem Stuhl, die Hände bescheiden auf die Knie gelegt. Sie lächelte nicht mehr, sondern war der Inbegriff des Gehorsams selbst.

»Kö

»Wozu?«Diese kleine Rache ko

»Wer entscheidet, was in dieser Welt echt ist?«, entgegnete Arina nachdenklich. »Das kommt doch wohl darauf an, von wo aus man das Ganze betrachtet… Halten Sie meine Bitte für weibliche Koketterie, Lichter.«

»Und der Versuch, mich zu betören, war der auch Koketterie?«

Arina klimperte mit den Augen. »Ja!«, platzte es aus ihr heraus. »Ich weiß, dass meine Zwielicht-Gestalt… Aber hier und jetzt sehe ich so aus! Und nichts Menschliches ist mir fremd. Eben auch nicht der Wunsch zu gefallen.«

»Gut, bleiben Sie so«, brummte ich. »Allerdings ka

»Wie Sie wünschen, Lichter.«Arina fuhr sich mit der Hand übers Haar, um ihre Frisur in Ordnung zu bringen. Kaum merklich veränderte sich das kleine Haus.

Statt des Kessels stand ein kleiner Topf aus Birkenholz auf dem Tisch. Aus ihm stieg noch Dampf auf. Den Fernseher gab es zwar noch, aber die Leitung führte nicht zu einer imaginären Steckdose, sondern zu einer braunen Tomate.

»Wie originell«, kommentierte ich und nickte in Richtung Fernseher. »Muss man das Gemüse oft wechseln?«

»Tomaten jeden Tag«, antwortete die Hexe achselzuckend. »Ein Kohlkopf reicht zwei oder drei Tage.«

Nie zuvor hatte ich eine derart ausgefallene Form der Stromgewi

Am meisten interessierte mich natürlich der Bücherschrank. Ich trat an ihn heran und zog ein x-beliebiges Buch heraus, einen schmalen Band mit weichem Einband. Weißdorn. Praktische Anwendung in der häuslichen Zauberei.

Eine Art Rotationsdruck. Vor einem Jahr erschienen. Sogar die Auflage war angegeben: 200 Exemplare. Und die ISBN-Nummer! Die Druckerei sagte mir nichts, irgendeine unbeka

»Tatsächlich Botanik… Lassen Sie Ihre Bücher wirklich drucken?«, fragte ich begeistert.

»Gelegentlich«, antwortete die Hexe bescheiden. »Man ka

»Von Hand, das ist ja noch gar nichts«, entgegnete ich. »Manches muss sogar mit Blut geschrieben werden…«Da

»Mit dem eigenen Blut, merken Sie sich das«, brachte Arina scharf hervor. »Mir ist diesbezüglich nichts vorzuwerfen.«

»Dieses Buch überhaupt zu besitzen ka

»Was wollen Sie mir eigentlich zur Last legen?«, fragte Arina nun ärgerlich. »Das sind… wissenschaftliche Ausgaben. Antiquarische. Ich habe niemanden aufgehetzt.«

»Wirklich nicht?«, erwiderte ich, während ich das Buch durchblätterte. »Minderung bei Nierenleiden und Heilung von Wassersucht… Also das ist…«

»Wollen Sie jemandem, der de Sade liest, sadistische Absichten unterstellen?«, knurrte Arina. »Das ist unsere Geschichte. Verschiedene Zauber. Ohne Unterscheidung in destruktive und positive.«

Ich brummte etwas. Im Prinzip hatte sie Recht. Dass sie hier die unterschiedlichsten magischen Rezepte zusammengetragen hatte, stellte nun wirklich keinen Straftatbestand dar. Außerdem… was sollte ich nun wieder davon halten: »Wie man bei einer Gebärenden die Schmerzen tilgt, ohne dem Kind zu schaden«. Und gleich danach»Wie man die Frucht abtreibt und der Schwangeren nicht schadet«und»Wie man die Frucht zusammen mit der Schwangeren auslöscht«. Für Dunkle nichts Ungewöhnliches.

Doch trotz diesen widerwärtigen Anleitungen und dem eben erst unternommenen Versuch Arinas, mich zu täuschen, nahm irgendetwas an der Hexe mich für sie ein. Vor allem wohl, wie sie sich den Kindern gegenüber verhalten hatte. Ohne Frage hätte die weise alte Hexe ihnen die grausamsten Dinge antun kö

»Was soll ich de

»Sind Sie registriert?«, wollte ich wissen.

»Bin ich etwa eine Vampirin oder eine Tierfrau?«, fragte Arina zurück. »We

»Vom Siegel rede ich nicht«, beruhigte ich sie. »Die Sache ist einfach die, dass alle Magier vom ersten Grad an verpflichtet sind, dem regionalen Büro ihren Wohnort beka

»Ich bin keine Zauberin, sondern eine Hexenmeisterin.«

»Magier und sonstige Andere von gleichwertiger Kraft…«, wiederholte ich müde. »Sie befinden sich auf dem Territorium der Moskauer Wache. Sie hätten sich bei uns melden müssen.«

»Früher hat es dergleichen nicht gegeben«, murmelte die Hexe. »Hohe Zauberkundige haben sich übereinander informiert, Vampire und Tiermenschen wurden erfasst… aber um uns hat sich niemand gekümmert.«Hm…

»Was heißt früher?«, wollte ich wissen.

»1931«, gab die Hexe widerwillig preis.

»Sie leben seit 31 hier?«, hakte ich ungläubig nach. »Arina…«

»Ich lebe erst seit zwei Jahren hier. Davor…«Sie runzelte die Stirn. »… das spielt keine Rolle, wo ich davor war. Ich habe jedenfalls nichts von diesen neuen Gesetzen gehört.«

Vielleicht sagte sie sogar die Wahrheit. Bei alten Anderen, vor allem bei denjenigen, die nicht in den Wachen arbeiten, ka

»Und vor zwei Jahren haben Sie beschlossen, hierher zu ziehen?«, hakte ich nach.