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Tamara trat ein, mit einem Tablett, auf dem Schälchen mit Gebäck und Pralinen, eine Teeka
Die Alte döste bereits, obwohl sie nach wie vor gerade und sicher auf dem Stuhl saß.
Leise stand ich auf. »Ich gehe da
»Ich lasse sie nicht aus den Augen!«, entgegnete Tamara, wobei sie mit den Wimpern klimperte. »Wie kö
Ich überprüfte auch sie. Keine Anlagen zur Anderen. Eine normale junge Frau. Auf ihre Art sogar gut.
»Schreibt sie viele Briefe?«, fragte ich sie und deutete ein Lächeln an.
Mein Lächeln fasste Tamara als Einladung auf, ebenfalls zu lächeln. »Die ganze Zeit! An Stalin, Breschnew… Komischer Humor, nicht wahr?«Kein Widerspruch meinerseits.
Von allen Cafes und Restaurants, mit denen das Assol gespickt war, hatte nur das Cafe im Supermarkt auf. Eine sehr sympathische Lokalität, die eine Ebene über den Kassen lag. Mit einem einzigartigen Blick auf den gesamten Supermarkt. Vermutlich machte es Spaß, dort einen Kaffee zu trinken, bevor man durch die Warenregale schlenderte, und sich die Route fürs Shopping zurechtlegte. Was für ein grauenvolles Wort, ein schrecklicher Anglizismus, der über das Russische hergefallen ist wie eine Zecke über wehrlose Beute!
Dort aß ich zu Mittag und gab mir alle Mühe, mich von den Preisen nicht einschüchtern zu lassen. Danach bestellte ich mir einen doppelten Espresso, kaufte mir ein Päckchen Zigaretten - ich rauche nicht oft - und versuchte, wie ein Detektiv zu denken. Wer hatte den Brief abgeschickt?
Ein abtrü
Irgendwie schien das beiden nicht sonderlich viel zu bringen. Es war sogar völlig blödsi
Denke, Kopf, denke! Du hast es schon mit vertrackteren Problemen zu tun gehabt. Es gibt einen Anderen, der zum Verräter geworden ist. Er hat einen Auftraggeber. Jeweils ein Brief ist an die Wachen und die Inquisition geschickt worden. Also stammen diese Briefe vermutlich von einem Anderen. Einem starken, klugen Anderen, der viel weiß. Bleibt die Frage, wozu.
Vermutlich gab es darauf eine Antwort. Nämlich um diese Initiierung zu verhindern. Um uns den Auftraggeber auszuliefern und von der Pflicht entbunden zu sein, das gegebene Versprechen einzuhalten.
Folglich ging es nicht um Geld. Der Auftraggeber musste - wie auch immer! - Macht über den Anderen bekommen haben. Eine schreckliche, absolute Macht, die es ihm erlaubte, jede denkbare Forderung zu stellen. Zugeben, dass ein Mensch solche Gewalt über ihn erlangt hatte, ko
Ich zündete mir eine Zigarette an, nippte an meinem Kaffee. Wie ein Dandy lümmelte ich mich in dem weichen Sessel.
Allmählich kristallisierte sich ein Bild heraus. Wie ka
Es gab nur eine Möglichkeit, und die gefiel mir überhaupt nicht. Unser geheimnisvoller Verräter musste sich in die gleiche Lage gebracht haben wie der goldene Fisch im Märchen. Er hatte dem Menschen sein Ehrenwort gegeben, ihm jeden Wunsch zu erfüllen. Auch der Fisch hatte nicht damit gerechnet, dass die meschuggene Alte - apropos Alte: Ich musste Geser mitteilen, das ich eine potenzielle Andere entdeckt hatte -, dass die meschuggene Alte Herrscherin über das Meer werden wollte. Und genau hier lag der Hund begraben.
Sowohl ein Vampir wie auch ein Tiermensch oder ein Dunkler Magier hätten auf das Versprechen gepfiffen.
Sie geben ihr Wort - und nehmen es wieder zurück. Fängt ein Mensch da
Also musste ein Lichter Magier das unbedachte Versprechen gegeben haben! Ko
Ohne weiteres. Wir alle sind leicht naiv, da hatte Kostja Recht. Man kriegt uns bei unseren menschlichen Schwächen, bei un-serm Schuldgefühl, bei allerlei romantischem Kram…
Also mussten wir den Verräter in unsern Reihen suchen. Er hat sein Wort gegeben, wir wissen bloß noch nicht, warum. Er sitzt in der Falle. We
Stopp! Auch das war nicht uninteressant. Ich ka
Aber der Verräter gerät in Panik! Und zwar so heftig, dass er seinen»Herrn«gleich beiden Wachen und der Inquisition ausliefert. Er steht mit dem Rücken zur Wand, fürchtet, für immer ins Zwielicht einzugehen.
Das heißt, es musste tatsächlich eine Möglichkeit geben, einen Menschen in einen Anderen zu verwandeln!
Das heißt, das Unmögliche war möglich. Es gab einen Weg. Der nur wenigen offen stand, aber es gab ihn. Mir wurde unheimlich zumute.
Der Verräter musste einer von unsern ältesten und kundigsten Magiern sein. Nicht unbedingt ein Magier außerhalb jeder Kategorie, nicht unbedingt einer, der einen wichtigen Posten bekleidete. Aber einer, den das Leben Manches gelehrt hatte, einer, der die großen Geheimnisse ka
Semjon, der mitunter Dinge weiß, deretwegen ihm, dem Lichten Magier, das Zeichen des Straffeuers an den Körper geheftet wird.
»Ich bin schon mehr als ein Jahrhundert alt…«Ka
Es gibt eine ganze Reihe alter, erfahrener Magier, die nicht in der Wache arbeiten. Sie leben in Moskau, sehen fern, trinken Bier, gehen zum Fußball…
Ich ka
Wen sollte ich jetzt um Rat fragen? Wem ko
Selbst we
Also musste ein andrer unserer Meister den Fehler begangen haben.
Wie stünde ich da, we
Wie sollte ich danach noch zur Arbeit gehen? Wie meinen Kollegen ins Gesicht schauen?
Nein, einen solchen Verdacht ko
Irgendwie schien es nicht angemessen, die Kellnerin zu rufen. Daher ging ich zum Tresen und bat, mir noch einen Kaffee zu machen. Auf das Geländer gestützt, starrte ich nach unten.