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»Aber wohin bringst du mich de
Hundert Augenpaare verfolgten in ihren Häusern eingeschlossen den Weg der unglücklichen, von Schande und Schmerz geschlagenen Flüchtlinge. Und die meisten Kinder, die mit Sebastián gespielt hatten – und viele ihrer Mütter – ko
Drei Gestalten tauchten aus dem Dickicht auf, um das Boot aufs Meer hinaus zu schieben. Der Junge brachte seinen Vater auf dem Vorderdeck unter, hißte das Segel und steuerte das kleine Segelboot direkt aufs offene Meer hinaus.
Die Jacare war ein wahrhaft hinterlistiges Schiff.
Obwohl sie 40 Meter lang, sieben Meter breit und mit insgesamt 32 mächtigen Kanonen bestückt war, sah sie aus zwei Meilen Entfernung, besonders we
Keine Frage, daß man viel Mühe darauf verwendet hatte, diesen optischen Eindruck zu erzielen. Die tiefe Reling und der kaum über die Wasseroberfläche ragende, blau gestrichene Rumpf sorgten dafür, daß die wahre Größe des Schiffs, besonders bei aufgewühlter See, fast unmöglich einzuschätzen war.
Wahrscheinlich entscheidend war jedoch, daß die Jacare nicht mit der großen quadratischen Takelage spanischer Galeonen fuhr, sondern mit dreieckigen »lateinischen« Segeln. Außerdem segelte das Schiff gewöhnlich mit drei auf die Hälfte ihrer Länge gekappten Masten, so daß es keinem im Traum eingefallen wäre, ein Schiff mit so sparsamer Takelage und so kurzen Masten kö
We
Da
Der Name Jacare, der in der Sprache der karibischen Ureinwohner »Kaiman« bedeutete, war somit mehr als gerechtfertigt, de
Der Kapitän, Waffenmeister und Eigentümer des Schiffs hörte auf den Namen Jacare Jack und war in vielerlei Hinsicht das getreue Abbild seiner Schöpfung. Mit seiner untersetzten Statur und seinem kahlen Schädel eri
Wer ihn ka
Nicht umsonst hatte Jacare Jack an Raubzügen und Expeditionen des gerissenen Henry Morgan, des eleganten Chevalier de Grammont und sogar des geheimnisumwitterten und gehaßten Mombars teilgenommen, letzterer einer der sadistischsten und skrupellosesten Freibeuter, die je die schwarze Totenkopfflagge gehißt hatten.
Doch wie jeder gute »Seewolf« respektierte Jacare Jack die Gesetze der gefürchteten Bruderschaft der Küste peinlich genau, und so befahl er seinem Steuerma
Eigentlich waren es zwei Schiffbrüchige, die da an Bord kamen, und der Pirat war im ersten Augenblick ziemlich überrascht, daß der kaum den Kinderschuhen entwachsene Knabe am Steuerrad der elenden Schaluppe trotz seiner verzweifelten Situation mutig und gefaßt schien, während der baumstarke Ma
»Wer seid ihr, woher kommt ihr, wohin wollt ihr?« lautete seine erste Frage.
»Ich heiße Sebastián Heredia, und das ist mein Vater«, erwiderte der aufgeweckte Junge wie aus der Pistole geschossen. »Wir kommen von Margarita und wollen nach Puerto Rico.«
»Puerto Rico?« ließ der Pirat in schallendem Gelächter vernehmen. »Na du gefällst mir! Bei deinem Kurs landest du geradewegs in Guinea, in Afrika.«
»Wir wurden von einem Unwetter überrascht«, verteidigte sich der Junge. »Noch nie habe ich so viele Blitze gesehen.«
»Und einer ist deinem Vater wohl ins Hirn gefahren.« Der Pirat tippte sich leicht an die Stirn. »Ist er vielleicht ein bißchen…?«
»Das ist eine lange Geschichte«, lautete die bittere Antwort.
Amüsiert musterte Jacare Jack den furchtlosen Jungen und wandte sich da
»Ich hör mir gern Geschichten an, hab den ganzen Tag nichts zu tun und möchte wissen, ob ich euch an Bord behalten oder ins Meer werfen soll.« Er grinste von einem Ohr zum anderen. »Also schieß los.«
An diesem Morgen erzählte Sebastián Heredia Matamoros Kapitän Jacare Jack den Teil der Geschichte, den er erzählen wollte, und was er eigentlich nicht erzählen wollte, zog ihm der Pirat Stück für Stück aus der Nase, bis eine Glocke vom Achterdeck die Besatzung zum Mittagessen rief und der Pirat seine riesige Pfeife, die man aus dem Hüftknochen eines englischen Admirals geschnitzt hatte, am Mast ausklopfte.
»Eine scheußliche und traurige Geschichte«, nickte er überzeugt. »Wirklich eine riesige Schweinerei. Man ka
So wurde der gerade zwölf Jahre alte Sebastian Heredia zum Küchengehilfen und Schiffsjungen eines Piratenschiffes. Außerdem fiel ihm die täglich mühseliger werdende Aufgabe zu, sich um einen armen Teufel zu kümmern, der mit seiner elenden Lage nicht fertig wurde und allmählich verdorrte wie ein Stockfisch, den man zum Trocknen aufgehängt hatte.
Tatsächlich verbrachte Miguel Heredia Ximénez die Stunden und Tage damit, völlig abwesend und auf seine Aufgabe konzentriert auf dem Schiffsdeck zu hocken und, an die Bugwand gelehnt, Messer, Säbel, Äxte und Dolche zu schleifen. Von seinen Händen und Armen abgesehen schien er Tausende von Meilen entfernt, im Geiste war er in Margarita geblieben, unfähig zu begreifen, was ihm eigentlich zugestoßen war.
Hätte der Tod seine ganze Familie hinweggerafft, hätte sich Miguel Heredia vielleicht mit seinem Schicksal abfinden kö
Auf die Planken des Decks hatte er den Namen »Celeste« eingeschnitzt, und we
Wäre Sebastián allein gewesen, er hätte über die tägliche Arbeit seinen Schmerz vergessen kö