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»Alle Kanonen nach Backbord«, befahl der Glatzkopf, während er mit absoluter Gelassenheit den Rotz hochzog. »Hundert Mal haben wir das schon geübt, doch vergeßt mir keinen Augenblick lang, daß wir ihnen nur eine einzige Breitseite verpassen kö
»Schwarze Segel?« wollte sofort der Hauptgast wissen.
»Später«, entgegnete der Kapitän. »Jetzt müssen wir erst mal schnelle Fahrt machen, und mit den weißen Segeln geht das besser.«
Vier Stunden später holte man Groß- und Besansegel ein, um Teersegel zu setzen, ohne daß die Jacare entscheidend an Fahrt einbüßte. Sie steuerte einen Kurs parallel zu dem, den die Vendaval ursprünglich verfolgt hatte, mit dem Ziel, den Gegner zu überholen. Schließlich war das Piratenschiff vom Kiel bis zum Mastkorb auf Schnelligkeit getrimmt.
Im Schutz der Dunkelheit, die über die Karibische See hereingebrochen war, war der blaue Rumpf der Jacare, auf der kein Licht bra
Gleichzeitig hatte man fast alle Steuerbordkanonen um 180 Grad gedreht und ihre Lafetten so weit erhöht, daß man einen guten Meter über Deck, zwischen Tauen und Masten hindurch, über die Backbordreling feuern ko
Doch der erfahrene Kapitän Jack wußte genau, was er tat.
Nach Mitternacht hatte man den Berechnungen des Kapitäns zufolge genügend Vorsprung vor der Galeone erreicht. Nun änderte er den Kurs um 90 Grad. Sein Ziel war es, dem Gegner den Weg abzuschneiden und dessen Ankunft abzuwarten.
Um drei Uhr morgens betrachtete er den Himmel, schien die Luft zu prüfen und befahl da
»Wie ein lauerndes Krokodil.«
Mit wachen Augen und gespitzten Ohren, die auf jedes kleinste Geräusch achteten, das nicht von Meer und Wind verursacht wurde, legten sich alle bis zum philippinischen Koch und seinen jungen Küchengehilfen auf die Lauer. Ihr erfahrener Kapitän, darauf vertraute die gesamte Ma
Verblüfft stellte Sebastián fest, daß seine Gefährten kaum Nervosität zeigten, sondern fröhlich und voller Zuversicht waren, als wäre die Tatsache, daß sie es in wenigen Augenblicken mit einem Schiff aufnehmen würden, das sie in eine Falle hatte locken wollen und ihnen an Feuerkraft weit überlegen war, nur eine nette Anekdote, die sie eines Tages ihren Enkeln erzählen würden.
Die schwarze Nacht, in der nur eine schmale Mondsichel den Sternen Gesellschaft leisten wollte, jagte ihnen ebenfalls keine Angst ein. Trotz des ausdrücklichen Befehls, sich absolut ruhig zu verhalten, war der eine oder andere geflüsterte Witz zu hören, und ein Pirat leistete sich sogar den Luxus, laut zu schnarchen.
Da
Der Feind kam,
»Besan- und Focksegel anziehen! Steuer zwei Grad Steuerbord!«
Lediglich die schweren Teersegel blähten sich im Wind, und trotzdem wurde die Jacare immer schneller. Sie hielt genau auf die weißen Segel zu, die sich kaum von der verschwommenen Linie am Horizont abzeichneten. Jeder Ma
»Kurze Lunten!« hatte der Kapitän ausdrücklich angeordnet. We
Arrogant und schweigsam setzte die völlig ahnungslose Vendaval ihren Kurs fort. Der Küstensegler steuerte auf sie zu, um sie im Windschatten zu überholen.
Eine Frage von Minuten.
Nicht einmal eine Viertelmeile tre
Doch an Bord der Galeone hatte niemand auch nur den Hauch einer Chance, die Gefahr zu erke
Kein Schiff.
Nur ein Schatten in der Dunkelheit.
Schote lockern, gab man im Flüsterton weiter. Darauf drosselte der Segler seine Fahrt etwas und fiel in die horizontale Lage zurück. In diesem Augenblick drückte Lucas Castano Sebastián etwas Werg in die Hand und flüsterte:
»Stopf dir die Ohren zu.«
Der Junge gehorchte sofort, de
»Feuer!!!«
Man nahm die Hauben von den Laternen, zündete die Lunten, und während sie vor der Backbordseite der Vendaval kreuzten, spuckten die Kanonen eine nach der anderen ihre tödliche Ladung aus und ließen alle Spanten und Planken erzittern.
Der beißende Rauch vernebelte einige Augenblicke lang den Blick auf das feindliche Schiff, doch als er sich allmählich verzog, ko
In aller Eile entfernte sich die Jacare vom Schlachtort, doch die Besatzung stieß sofort Jubelschreie aus, als sie sah, wie die Flammen die umfangreiche Takelage der Vendaval ergriffen, die sofort beigedreht hatte, während die verstörte Besatzung allerorts versuchte, Schäden zu reparieren und Brände zu löschen.
»We
Im sicheren Abstand von zwei Meilen kreiste die Jacare um Ihre Beute, die jeden Augenblick in die Luft fliegen ko
»Was nun?« wollte Sebastián wissen.
»Abwarten.«
Bis zum Morgengrauen war noch eine Stunde Zeit, daher begab sich Sebastian unter Deck, wo sein Vater fast die ganze Nacht über verbracht hatte. Abwesend wie üblich hatte er die Schlacht nicht zur Ke
»Wir haben gewo
»Jemand hat verloren«, lautete die lakonische Antwort seines Vaters.
»Sie haben uns angegriffen.«
»Die Piraten sind wir.«
»Und we
»Wäre schade um dich gewesen.«
Mit der Jacare unterzugehen hätte für Miguel Heredia Ximénez ganz offensichtlich nur das Ende seiner Leiden bedeutet. In Wahrheit war es ihm völlig gleichgültig, ob eine Schlacht, von der er ohnehin wußte, daß sie ihm seine Familie nicht zurückbrachte, gewo
Schweigend blieb Sebastián neben seinem Vater sitzen, bis dieser den Kopf wieder auf das Kissen legte, die Augen schloß und bald gleichmäßige Atemzüge vernehmen ließ. Als der Junge an Deck zurückkehrte, war Backbord das erste Tageslicht zu erke
Grau und ruhig war das Meer, sanfter Nieselregen fiel von einem bedeckten Himmel, und in der Ferne trieb eine schmutzige Galeone wie ein rauchgeschwärzter Korken manövrierunfähig auf dem Wasser.
Die Masten schienen verbra
Noch einmal umkreiste die Jacare wie ein Raubvogel ihre todgeweihte Beute, da