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»Nehmen Sie sie. Ich bin kein Sklavenhändler. Nehmen Sie sie und gehen Sie, we
Ich sah ihn beschämt an.»Sie verstehen mich falsch. Ich habe Zeit. Alle Zeit der Welt.«
Schwarz antwortete nicht. Er wartete. Ich nahm die beiden Hefte und steckte sie ein.
»Ich richtete es so ein, daß ich einen Zug fand, der am frühen Abend in Osnabrück ankam«, fuhr Schwarz fort, als wäre nichts passiert.»Mir war plötzlich, als überschritte ich jetzt erst die Grenze. Alles vorher war noch Fremde gewesen, selbst Deutschland; jetzt aber bega
Mein Abscheu war bis dahin ein konformer, abstrakter Block gewesen. Das, was geschehen war, hatte alles in mir paralysiert und versteinert. Ich hatte nie das Bedürfnis, ja eher sogar Angst davor gehabt, es zu analysieren oder zu detaillieren. Jetzt, plötzlich, bega
Die Landschaft hatte sich nicht geändert. Sie war dieselbe geblieben. Die Kirchtürme standen wie früher im gleichen sanften Grün ihrer Patina vor dem herabsinkenden Abend; der Fluß spiegelte den Himmel wie immer. Er eri
Sie wurde auch durch nichts gestört. Ich sah wenige Menschen und keine Uniformen vom Zuge aus. Ich sah nur den Abend, der die Landschaft langsam erfüllte. Es gab schon Rosen und Dahlien und Lilien in den winzigen Gärten der Bahnwärterhäuschen, sie waren da wie immer, der Aussatz hatte sie nicht angefressen, sie hingen über die hölzernen Zäune, so wie sie in Frankreich hingen, und auf den Wiesen standen die Kühe, so wie sie in den Wiesen der Schweiz standen, braun und schwarz und weiß – ohne Hakenkreuze -, mit denselben geduldigen Augen wie stets. Ich sah auch einen Storch auf einem Bauernhause klappern, und die Schwalben flogen, wie sie immer und überall fliegen. Nur die Menschen waren anders geworden, das wußte ich, aber ich ko
Der Zug hielt. Ich schob mich im Knäuel der anderen durch die Sperre. Die Bahnhofshalle hatte sich nicht verändert, seit ich sie zuletzt gesehen hatte; sie schien nur kleiner und staubiger zu sein, als ich sie im Gedächtnis hatte.
Als ich auf den Bahnhofsplatz trat, fiel alles, was ich vorher gedacht hatte, von mir ab. Es war dämmerig und feucht wie nach einem Regen, ich sah keine Landschaft mehr, alles in mir bebte auf einmal, und ich wußte, daß ich von jetzt an in großer Gefahr war. Gleichzeitig hatte ich das Gefühl, mir kö
Ich ging zum Schalter in der Halle zurück, um mir ein Retourbillett nach Münster zu kaufen; ich ko
›Einer um zweiundzwanzig Uhr zwanzig, einer um dreiundzwanzig Uhr zwölf.‹
Ich ging zu einem Automaten und zog eine Bahnsteigkarte. Ich wollte sie zur Hand haben, falls ich schnell verschwinden mußte, zu einer Zeit, we
Ich hatte beschlossen, einen Freund aus früheren Jahren, von dem ich wußte, daß er kein Anhänger des Regimes gewesen war, anzurufen. Am Telefon würde ich herausfinden, ob er mir helfen kö
Ich stand in der kleinen Glaskabine mit dem Telefonbuch und dem Apparat vor mir. Das Herz schlug mir so stark, als ich die Seiten mit den beschmutzten und geknickten Ecken umblätterte, daß ich glaubte es zu hören; ich glaubte sogar, daß andere es hören kö
Im Augenblick, als ich die Adresse sah, schien es mir, als würde die trübe Birne in der Kabine hundertfach verstärkt. Ich blickte auf, so sehr hatte ich das Gefühl, ich stünde in tiefer Nacht in einem grell erleuchteten Glaskasten – oder aber ein Scheinwerfer sei von außen auf mich gerichtet. Der ganze Irrsi
Ich verließ die Kabine und ging durch die halbdunkle Halle. Die Schilder für ›Kraft durch Freude‹ und die Reklamen für deutsche Kurorte drohten mit ihren blauen Himmeln und fröhlichen Menschen auf mich herab. Ein paar Züge mußten angekommen sein; ein Schwarm von Reisenden kam die Treppen herauf. Aus einer Gruppe löste sich ein SS-Ma
Ich lief nicht weg. Es ko
›Verzeihen Sie, haben Sie Feuer?‹ fragte er.
›Feuer?‹ wiederholte ich, und da
Ich griff in die Tasche und suchte.
›Wozu ein Streichholz?‹ sagte der SS-Ma
Ich hatte gar nicht gewußt, daß ich geraucht hatte. Jetzt hielt ich ihm meine Zigarette hin. Er hielt seine eigene an das glühende Ende und zog. ›Was ist de
Es war eine französische Gauloise. Ich hatte einige Päckchen davon mitgenommen, als ich die Grenze überschritt. ›Geschenk von einem Freunde‹, erwiderte ich. ›Französisches Kraut. Schwarzer Tabak. Er hat sie von der Reise mitgebracht. Mir sind sie auch zu stark.‹
Der SS-Ma
Schwarz lächelte schwach.»Als ich noch ein Mensch war, der das Recht hatte, seine Füße irgendwohin zu stellen, habe ich oft gezweifelt, we