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Ich eri
Eine Frau setzte sich neben mich. Ich wußte nicht, was sie wollte, und es war mir unbeka
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»Das Wartezimmer war leer. Pflanzen mit langen, ledrigen Blättern standen auf einer Etagere am Fenster. Auf dem Tisch lagen Magazine, deren Titelblätter Bonzen des Regimes, Soldaten und eine Abteilung Hitlerjugend beim Marsch zeigten. Da
›Ich bin es, Rudolf‹, sagte ich.
›Josef.‹
Er hob die Hand, ich solle schweigen. ›Wo kommst du her?‹ flüsterte er.
Ich hob die Schultern. Wozu war das wichtig? ›Ich bin hier‹, sagte ich. ›Du mußt mir helfen.‹
Er blickte mich an. Seine kurzsichtigen Augen in dem schwachen Licht wirkten wie die eines Fisches hinter einem dicken Aquariumglas. ›Hast du Erlaubnis, hier zu sein?‹
›Nur von mir selbst.‹
›Wie bist du über die Grenze gekommen?‹
›Das ist doch gleichgültig. Ich bin hierhergekommen, um Helen zu sehen.‹
Er starrte mich an. ›Dazu bist du gekommen?‹
›Ja‹, sagte ich.
Ich fühlte mich plötzlich ruhig. Ich war es nicht gewesen, solange ich allein war. Jetzt war auf einmal alle Erregung geschwunden, weil ich überlegte, wie ich den überraschten Menschen vor mir beruhigen ko
›Dazu?‹ fragte er noch einmal.
›Ja, dazu. Und du mußt mir helfen.‹
›Mein Gott!‹ sagte er.
›Ist sie tot?‹ fragte ich.
›Nein, sie ist nicht tot.‹
›Ist sie hier?‹
›Ja. Sie war hier. Wenigstens noch vor einer Woche.‹
›Kö
Martens nickte. ›Ich habe die Empfangsschwester weggeschickt. We
Ich verstand. Man ko
›Meine Frau gehört nicht zur Partei‹, sagte Martens hastig. ›Aber wir haben nie über einen Fall -‹ er blickte mich verwirrt an ›- gesprochen, wie diesen jetzt hier. Ich weiß nicht genau, wie sie darüber denken würde. Komm hier herein.‹
Er öffnete die Tür zu seinem Sprechzimmer und verschloß sie hinter uns. ›Laß sie offen‹, sagte ich. ›Ein verschlossenes Sprechzimmer ist verdächtiger, als we
Er drehte den Schlüssel zurück und sah mich an. ›Josef, um Gottes willen, was machst du hier? Bist du heimlich gekommen?‹
›Ja. Und du brauchst mich nicht zu verbergen. Ich wohne in einem Hotel außerhalb der Stadt. Ich bin nur zu dir gekommen, weil ich niemand andern wußte, um Helen zu benachrichtigen, daß ich hier bin. Ich habe seit fünf Jahren nichts von ihr gehört. Ich weiß nicht, was mit ihr geschehen ist. Ich weiß nicht, ob sie wieder verheiratet ist. We
›Und deshalb kommst du hierher?‹
›Ja‹, erwiderte ich erstaunt. ›Warum sonst?‹
›Wir müssen dich verstecken‹, sagte er. ›Du ka
›Ist sie verheiratet?‹ fragte ich.
›Helen?‹ Er schüttelte den Kopf. ›Ich glaube nicht einmal, daß sie von dir geschieden ist.‹
›Wo wohnt sie? In der alten Wohnung?‹
›Ich glaube schon.‹
›Wohnt jemand bei ihr?‹
›Ja.‹
›Wer? Ihre Mutter. Ihre Schwester. Ihr Bruder. Oder irgendein anderer Verwandter?‹
›Das weiß ich nicht genau.‹
›Du mußt es herausfinden.‹ sagte ich. ›Und du mußt ihr sagen, daß ich da bin.‹
›Warum sagst du es nicht selbst?‹ fragte Martens. ›Da ist das Telefon.‹
›Und we
›Du hast recht. Sie würde wahrscheinlich ebenso fassungslos sein wie ich. Das kö
›Ich weiß nicht einmal, wie sie zu mir steht, Rudolf. Es ist fünf Jahre her, und vorher waren wir nur vier Jahre verheiratet. Fünf Jahre sind mehr als vier – und Abwesenheit ist zehnmal länger als Zusammensein.‹ Er nickte. ›Ich begreife dich nicht‹, sagte er.
›Das mag sein. Ich mich auch nicht. Wir führen verschiedene Leben.‹
›Warum hast du ihr nicht geschrieben?‹
›Das ka
›Wa
›Sofort‹, sagte ich erstaunt. ›Wa
Er sah sich um. ›Wo bleibst du in der Zwischenzeit? Hier ist es unsicher. Das Dienstmädchen ka
›Ich will nicht eingeschlossen werden‹, erklärte ich.
›Ka
›Ich werde ihr das nachher sagen. Das ist einfacher.‹ Ich sah einen Schein in seinen Augen und mir war, als kniffe er das linke für eine Sekunde etwas zu. Es eri
›In einer Stunde. Ruf an als Otto Sturm. Wie ka
›Wo ein Telefon ist, ist Gefahr.‹
›Ja, vielleicht.‹ Er stand einen Augenblick unentschlossen. ›Ja, vielleicht hast du recht. We
›Gut.‹
Ich nahm meinen Hut. ›Josef‹, sagte er.
Ich wandte mich um.
›Wie ist es draußen?‹ fragte er. ›So – ohne alles -‹
›Ohne alles?‹ erwiderte ich. ›Ungefähr so: ohne alles. Nicht ganz. Und wie ist es hier? Mit allem und ohne das eine?‹
›Nicht gut‹, sagte er. ›Nicht gut Josef. Aber es sieht glänzend aus.‹
Ich ging durch die am wenigsten belebten Straßen zum Dom. Es war nicht weit. In der Krahnstraße kam eine Kompanie marschierender Soldaten an mir vorbei. Sie sangen ein Lied, das ich nicht ka