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II Die Avenger
Bolitho und Dancer traten durch die Vordertür ein und stampften Schnee und Schlamm von den Stiefeln. Ihre Gesichter und Hände prickelten vor Kälte nach dem scharfen Ritt über das Vorland. Es hatte fast aufgehört zu schneien; hier und da ragte Ginster oder sonstiges Gestrüpp aus dem Schnee wie Seegras aus einer zerrissenen Matratze.
Bolitho bemerkte leise:»Wir haben Besuch, Martyn. «Schon im Hof hatte er die Kutsche gesehen und die beiden prächtigen Pferde, die von Corler und dem Stallknecht betreut wurden. Das Wappen am Wagenschlag hatte er als das Sir Henry Vyvyans erka
Sir Henry stand vor dem prasselnden Kaminfeuer und sah Mrs. Tremayne zu, die einen Krug Punsch bereitete. Sie hatte hierfür ihr eigenes Rezept mit sorgfältig abgestimmten Zugaben von Zucker, Gewürzen und geschlagenem Dotter. Vyvyan war eine eindrucksvolle Erscheinung: groß, breitschultrig, mit einer mächtigen Hake
Das unversehrte Auge fixierte jetzt die beiden Fähnriche, da
Bolitho wußte, daß Vyvyan seine Zeit nicht mit zwecklosen Besuchen vertrödelte. Er galt bei vielen als rätselhaft, obgleich seine schnelle Ahndung von Wegelagerei und Straßenraub auf seinen Ländereien beka
Seltsam, wie unwirklich ihnen bereits der Tod des Zollbeamten erschien, während sie über die ausgefahrene Küstenstraße galoppiert waren. Es war jetzt zwei Nächte her, seit sie mit dem Schwachsi
Bolitho beobachtete seine Mutter, sah die Erleichterung in ihrem ebenmäßigen Gesicht. Sie war froh darüber, daß Sir Henry gekommen war, um Recht und Ordnung wiederherzustellen, den umlaufenden Gerüchten den Boden zu entziehen. Bolitho hatte während seines zweitägigen Urlaubs schon eine Menge gehört — Erzählungen über Schmuggler, Gruselgeschichten über Hexerei in einigen der kleinen Fischerdörfer. Offensichtlich war sie auch darüber erleichtert, daß Vyvyan und nicht ihr jüngster Sohn die Verantwortung tragen mußte.
Sir Henry nahm jetzt den Krug kochendheißen Punsch von Mrs. Tremayne entgegen und sagte anerke
Dancer räusperte sich.»Was sind Ihre Absichten, Sir?«»Alles schon erledigt, mein Sohn. «Er sprach fröhlich und beiläufig wie jemand, der gewohnt ist, Entschlüsse zu fassen und sofort auszuführen.»Sobald ich von der Sache hörte, schickte ich einen Boten nach Plymouth. Der kommandierende Admiral dort ist ein Freund von mir. «Sein eines Auge blinzelte Dancer zu.»Ich habe gehört, daß Ihre Leute kürzlich gegen das Schmugglerpack vorgegangen sind.»
Bolitho stellte sich den großen Zweidecker Gorgon vor, der jetzt in Plymouth mit wahrscheinlich schneebedeckten Decks im Dock lag. Deshalb würden die Reparaturen sicherlich länger dauern als vorgesehen, so daß Kapitän Conway möglicherweise seinen jüngeren Offizieren Urlaubsverlängerung gewähren würde. Schließlich ko
Vyvyan fügte hinzu:»Der Admiral wird ein Schiff schicken, das sich mit der Angelegenheit befassen soll. Ich will nicht, daß hier ein Mörder sein Unwesen treibt, nicht an meiner Küste!»
Bolitho fiel ein, daß ein Teil von Vyvyans Ländereien bis an die See reichte, vom gefürchteten Kap Lizard bis in die Nähe der Manacles: eine gefährliche, grausame Küste. Ein Schmuggler, der dort seine Ware anlanden und Vyvyans rauher Justiz trotzen wollte, mußte wirklich viel Mut besitzen. Er wandte sich seiner Mutter zu, als diese jetzt leise sagte:»Ich bin Ihnen dankbar, daß Sie diese Mühe auf sich nehmen, Sir Henry. «Sie wirkte blaß, wohl weil das von draußen reflektierte Schneelicht auf ihr Gesicht fiel.
Vyvyan betrachtete sie liebevoll.»Wäre nicht Ihr Ma
Sie lachte.»Das werde ich ihm erzählen, we
«Danke, nein, ich muß weiter. Sagen Sie bitte diesem Tölpel von Kutscher, er soll sich fertigmachen!«Da
Sie lächelte beiden freundlich zu:»Gleich gibt es etwas. Sir Henrys Besuch kam dazwischen.»
Zwei weitere Tage voll interessanter Erlebnisse verstrichen, und nichts störte ihren Urlaub von Disziplin und täglicher Bordroutine.
Da
Der Wind hatte beträchtlich gedreht, deshalb mußte es mindestens eine Stunde dauern, bis das einlaufende Schiff seinen Ankerplatz erreicht hatte.
Bolitho fragte den Postboten, was für ein Schiff es sei, und dieser erwiderte mit einer Grimasse:»Ein Schiff des Königs, Sir, dem Aussehen nach ein Kutter.»
Ein Kutter. Vielleicht einer, wie der Zoll sie benutzte, oder, noch besser, unter Marinekommando.
Rasch fragte er:»Wollen wir gehen und ihn uns anschauen?«Dancer suchte bereits nach seinem Überrock.»Ich bin fertig. «Bolithos Mutter hob abwehrend die Hände.»Kaum von See zurück, und schon willst du dir wieder Schiffe ansehen! Genau wie dein Vater!»
Die Luft war schneidend kalt wie Eis, aber als sie die Stadt durchquert und den Hafen erreicht hatten, glühten sie vor Eifer und Anstrengung. Gutes und reichliches Essen, regelmäßiger Schlaf und viel Bewegung hatten bei beiden Wunder bewirkt. Zusammen standen sie auf dem Anlegesteg und beobachteten das langsam zum Ankerplatz kreuzende Schiff. Es war etwa 75 Fuß[4] lang, bei der stattlichen Breite von über 20 Fuß,[5] und hatte einen einzigen Mast, einen plumpen, runden Bug und ein recht schwerfälliges Aussehen. Bolitho wußte jedoch, daß gut geführte Kutter dank ihrer großen Segelfläche bis zu fünf Strich an den Wind gehen ko
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ca. 25 m
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ca.7 m