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«Ich habe eine Kurtisane geheiratet«, schrie er auf, verzweifelt, wie ein tödlich verwundetes Tier, riß sich von seiner Frau los, die ihm angsterfüllt in ihrem wehenden Schleier bis zum Portal nachlief, und ra

«Es lebe der Hahnrei der Stadt!»

«Nieder mit ihm!»

«Reißt ihm die Kleider vom Leib!»

Pfiffe gellten an sein Ohr, Schmährufe, Steine wurden nach ihm geworfen, Straßenjungen ra

Stundenlang kauerte er nun unter der Treppe, frierend, leise schluchzend, während es im ungeheizten Korridor des Mietshauses immer dunkler und dunkler wurde. Mit allen habe sie geschlafen, mit allen, mit dem Staatspräsidenten, mit Passap und Maître Dutour, mit allen, wimmerte er. Das ganze Riesengewicht seines moralischen Weltgebäudes war zusammengebrochen und hatte ihn zermalmt. Da

«Schon der dritte diese Woche«, krächzte die Stimme eines Bettlers.»Los, spring rein!»

«Unsi

Gelächter.

«Häng dich, häng dich«, bellten die Bettler im Takt:»Das ist am angenehmsten, das ist am angenehmsten.»

Er entfernte sich vom Strom, irrte durch die Altstadt, planlos. Irgendwo klimperte die Heilsarmee, er geriet in die Rue Funèbre, wo Passap wohnte, bega

Es war Fahrcks, noch im Frack wie bei der Hochzeit, einen pelzgefütterten Mantel übergeworfen, das massige Gesicht unbeweglich, riesenhaft über dem Kreml-Orden, das struppige Haar eine böse Flamme. Zwei Mä

«Nun, Herr Archilochos«, bega

«Auch Sie haben mit Chloé geschlafen«, zischte Archilochos vom Tisch herunter.

«Natürlich«, antwortete Fahrcks,»das ist schließlich der Beruf der schönen Dame.»

«Gehen Sie!»

Der Revolutionär regte sich nicht.»Von jedem ihrer Liebhaber haben Sie ein Hochzeitspräsent bekommen«, sagte er.»Nun ist es an mir: Luginbühl, übergib ihm mein Geschenk.»

Der Riese in der Chauffeuruniform trat kauend an den Tisch und legte einen runden, eiähnlichen eisernen Gegenstand zwischen Arnolphs Füße.

«Was ist das für ein Ding?»

«Die Gerechtigkeit.»

«Eine Handgranate?»

Fahrcks lachte:»Eben.»

Archilochos nahm den Kopf aus der Schlinge, kletterte vorsichtig vom wackligen Tisch herunter und nahm die Bombe zögernd in die Hände. Sie war kalt und schimmerte im Licht.

«Was soll ich damit?»

Der Alte antwortete nicht sofort. Unbeweglich, lauernd saß er auf dem Stuhl, die mächtigen Hände über die Knie gespreizt.

«Sie wollten sich das Leben nehmen«, sagte er.»Wieso?»

Archilochos schwieg.

«Es gibt zwei Möglichkeiten dieser Welt gegenüber«, sagte Fahrcks langsam und trocken:»Man geht an ihr zu Grunde oder ändert sie.»

«Schweigen Sie«, schrie Archilochos.

«Bitte. Hängen Sie sich eben auf.»

«Reden Sie.»

Fahrcks lachte.»Gib mir eine Zigarette, Schubert«, wandte er sich zu Petit-Paysans Sekretär. Luginbühl gab ihm aus einem klobigen Apparat Feuer, und so saß er da, rauchte gemächlich, große bläuliche Wolken paffend.

«Was soll ich tun?«schrie Archilochos.

«A

«Wozu?»

«Die Gesellschaftsordnung muß gestürzt werden, die Sie zu einem Narren machte.»

«Das ist unmöglich.»

«Nichts ist einfacher«, antwortete Fahrcks.»Sie sollen den Staatspräsidenten ermorden. Das weitere besorge ich selber«, und er tippte auf den Kreml-Orden.

Archilochos taumelte.

«Lassen Sie die Bombe nicht fallen«, mahnte ihn der alte Brandstifter,»sie explodiert sonst.»

«Ich soll ein Mörder werden?»

«Nun, was ist dabei? Schubert, zeig ihm den Plan.»

Der Sekretär Petit-Paysans trat zum Tisch und entfaltete ein Papier.

«Sie sind mit Petit-Paysan im Bunde«, rief Archilochos entsetzt.

«Unsi

Dies sei der Plan des Staatspräsidentenpalais, bega

Ob diese Leiter immer da sei, wollte Archilochos wissen.

«Sie befindet sich in der heutigen Nacht da, das mag Ihnen genügen«, antwortete der Sekretär.»Wir führen Sie mit dem Wagen bis zum Quai. Sie erklettern die Mauer, ziehen die Leiter nach und steigen an ihr hinunter. Jenseits befinden Sie sich im Schatten einer Ta

«Und da

«Das Schlafzimmer des Präsidenten befindet sich im ersten Stock, den Sie von der kleinen Türe über die Haupttreppe erreichen, und liegt hinten. Werfen Sie die Handgranate auf sein Bett.»

Der Sekretär schwieg.

«Und we

«Gehen Sie den gleichen Weg zurück«, sagte der Sekretär.»Die Wache wird durch das Hauptportal ins Palais dringen, und Sie haben Zeit, sich über den Hof des Wirtschaftsministeriums zu entfernen, vor dem Sie unser Wagen erwartet.»

Es war still in der Mansarde und kalt. Sogar das Brausen der Wasserspülungen hatte aufgehört. An der schmutzigen Tapete hing einsam Bruder Bibi mit seinen Kinderchen.

«Nun?«unterbrach Fahrcks das Schweigen.»Was sagen Sie zu diesen Ausführungen?»

«Nein«, schrie Archilochos, bleich, geschüttelt von Entsetzen,»nein!»

Der Alte ließ die Zigarette auf den Boden fallen, der primitiv war (sprießiges Holz mit großen Astlöchern), wo sie weiterqualmte.

«So schreien sie alle zuerst«, sagte er.»Als ob die Welt ohne Mord zu ändern wäre.»

Nebenan, durch Arnolphs Schreien erwacht, polterte ein Dienstmädchen an die Wand der Mansarde. Archilochos sah sich im Geiste, Chloé am Arm, durch die winterliche Stadt gehen. Nebel über dem Strom, mit großen schattenhaften Schiffen und Lichtern. Er sah die Leute grüßen von den Tramwagen herab, aus Autos heraus, junge, schöne, elegante Mä