Страница 11 из 20
Es war ein unermeßlicher Estrich, in welchem er sich nun befand, eine Te
«Wer sind Sie?«fragte Passap.
Archilochos stellte sich vor, etwas verwundert über die Frage, hatte ihn doch am So
«Was wollen Sie?»
«Sie haben meine Braut Chloé gemalt, nackt«, würgte der Grieche hervor.
«Sie meinen das Bild: >Venus,11. Juli<, das jetzt in der Galerie Nadelör hängt.»
«Eben.»
«Zieh dich an«, herrschte Passap das Modell an, das hinter einem Wandschirm verschwand, betrachtete da
«Und?»
«Mein Herr«, entgegnete Archilochos aufs würdigste,»ich bin ein Verehrer Ihrer Kunst. Ich habe Ihre Tätigkeit mit Begeisterung verfolgt, ja Sie sogar zu Nummer vier meiner Weltordnung erhoben.»
«Weltordnung? Was ist de
«Ich habe eine Liste der würdigsten Vertreter unserer Zeit verfaßt, eine Liste meiner sittlichen Vorbilder.»
«Nun?»
«Mein Herr, trotz der Begeisterung, die ich für Sie empfinde, trotz meiner Verehrung, muß ich Sie bitten, eine Erklärung abzugeben. Es ist sicher nicht alltäglich, daß ein Bräutigam seine Braut nackt als Venus abgebildet sieht. Auch we
«Allerhand«, sagte Passap,»dazu sind meine Kritiker nicht fähig.»
Da
«Ziehen Sie sich aus«, sagte er da
«Aber…«versuchte Arnolph zu protestieren.
«Kein aber«, herrschte ihn Passap an, mit so bösen kleinen, schwarzen, stechenden Augen, daß Archilochos verstummte.»Ich will Sie als Ares malen.»
«Ares?»
«Der Kriegsgott der Griechen«, erklärte Passap.»Ich habe jahrelang nach dem geeigneten Modell gesucht, nach dem Pendant zu meiner Venus: Sie sind es. Der typische Wüterich, der Liebhaber des Schlachtgetümmels, der Veranstalter von Blutbädern. Sie sind Grieche?»
«Gewiß, aber…»
«Sehen Sie.»
«Herr Passap«, bega
«Unsi
«Generaldirektor der Atomkanonenabteilung und der…»
«Da haben wir's«, unterbrach ihn Passap.»Doch ein Kriegsgott. Und ein Wüterich. Sie sind nur gehemmt und noch nie auf die Lebensform gekommen, die Ihnen liegt. Sie sind auch der geborene Säufer und Erotiker, der herrlichste Ares, der mir je vorgekommen ist. Ziehen Sie sich de
«Nicht, we
«Fort mit dir, Catherine. Er schämt sich«, schrie der Maler.»Ich brauche dich erst morgen wieder, meine Fette!»
Das dicke Mädchen mit den blonden Haaren, nun angekleidet, verabschiedete sich. Als sie die Türe öffnete, stand Nadelör vor ihr, schlotternd vor Kälte und vereist.
«Ich muß protestieren«, rief der Kunsthändler heiser.»Ich muß protestieren, Herr Passap, wir haben doch abgemacht…»
«Scheren Sie sich zum Teufel!»
«Ich schlottere vor Kälte«, rief der Kunsthändler verzweifelt aus,»wir haben abgemacht…»
«Erfrieren Sie.»
Das Mädchen schloß die Türe, man hörte sie draußen die Treppe hinuntersteigen.
«Nun«, fragte der Maler Archilochos unwillig,»noch nicht aus den Hosen?»
«Bitte«, antwortete der Generaldirektor und entkleidete sich.»Auch das Hemd?»
«Alles.»
«Die Blumen? Sie sind nämlich für meine Braut.»
«Legen Sie sie auf den Boden.»
Der Weltkirchenrat legte die Kleider säuberlich über einen Stuhl, klopfte sie aus (so verstaubt waren sie durch das mühsame Treppensteigen) und stand endlich nackt da.
Er fror.
«Rücken Sie den Stuhl an den Ofen.»
«Aber…»
«Stehen Sie auf den Stuhl und nehmen Sie eine Boxerstellung ein, die Arme im Winkel von 60°«, befahl Passap.»Gerade so habe ich mir einen Kriegsgott immer vorgestellt.»
Der Stuhl wackelte sehr, doch Archilochos gehorchte.
«Sind stark fett«, brummte der Maler ärgerlich, sich aufs neue Whisky einschenkend,»habe dies nur manchmal bei Weibern gern, doch das läßt sich eliminieren. Die Hauptsache ist die Visage und der Brustkasten. Die vielen Haare darauf sind gut, besonders martialisch. Auch die Schenkel sind noch in Ordnung. Legen Sie aber auch die Brille ab, die zerstört mir sonst die ganze Illusion.»
Da
«Mein Herr«, bega
«Schweigen Sie«, do
«Mein Herr…»
«Und ihre Schenkel, ihren Nabel.»
«Ich muß doch…»
«Nehmen Sie wieder eine anständige Boxerstellung ein, zum Teufel«, fauchte der Maler, Ocker in dicken Bergen auftragend und da
«Sie treten auf meine Blumen. Weiße Rosen.»
«Na we
Er wies auf ein wirres Drahtgebilde.
«Aber…»
«Boxerstellung ei
«So«, befahl er,»jetzt gehen Sie in die Knie. Ares nach dem Schlachtgetümmel. Neigen Sie sich mehr vor, ich habe Sie schließlich nicht alle Tage zur Verfügung.»
Archilochos, verwirrt und vom Ofen halb geröstet, wehrte sich nur noch schwach.
«Ich möchte Sie doch wirklich bitten«, sagte er, wurde jedoch von Nadelör unterbrochen, der in den Estrich hereinschlotterte, ein wandelnder, klirrender Eisklumpen, voll Mißtrauen, ein Bild werde verkauft.
Passap wurde wild.
«Hinaus mit Ihnen!«schrie er, und der Kunsthändler verzog sich aufs neue in die arktische Kälte des Treppenhauses.
«Die Kunst ist meine Erklärung«, sagte da
«Es ist Viertel nach acht«, rief Archilochos erschrocken aus, gleichzeitig durch die Erklärung des Malers erleichtert.
«Nun?»
«Um acht habe ich mit Chloé abgemacht«, erklärte Arnolph ängstlich und wollte, nun von Katzen umschnurrt, von seinem Stuhle steigen.»Sie wartet im Boulevard Saint-Père auf mich.»
«Da soll sie eben weiter warten. Bleiben Sie in Ihrer Stellung«, schrie Passap,»die Kunst ist wichtiger als Ihre Liebesaffäre!«und malte weiter.
Archilochos stöhnte auf. Der Kater, grau mit weißen Pfoten, war nun auf seine Schulter geklettert, und seine Krallen schmerzten ihn.
«Ruhe«, befahl Passap,»bewegen Sie sich nicht.»
«Die Katze.»
«Der Kater ist in Ordnung, nicht Sie«, ärgerte sich der Maler,»wie ka
In der Estrichtüre kam Nadelör aufs neue zum Vorschein (eisüberzogen, erstarrt). Er sei durchfroren, klagte er, mit einer so heiseren Stimme, daß sie fast nicht zu vernehmen war.
«Kein Mensch befiehlt Ihnen, vor meiner Türe auszuharren, und in meinem Atelier will ich Sie nicht haben«, antwortete Passap grob.
«Sie machen mit mir Geschäfte«, krächzte der Kunsthändler und mußte niesen, brachte jedoch die Hand nicht aus der Tasche, da die Ärmel an der Hose festgefroren waren.
«Im Gegenteil, Sie machen mit mir Geschäfte«, do