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Madame Sommer.
Die Unglückliche!
Postmeisterin.
Es läßt sich von der Sache viel reden.
Madame Sommer.
Wie meinen Sie?
Postmeisterin.
Man sagt's nicht gern.
Madame Sommer.
Ich bitte Sie!
Postmeisterin.
We
Lucie.
Da wär sie jetzt nicht über vierundzwanzig?
Postmeisterin.
Sie hat für ihr Alter Betrübnis genug erfahren. Sie hatte ein Kind; es starb ihr bald; im Garten ist sein Grab, nur von Rasen, und seit der Herr weg ist, hat sie eine Einsiedelei dabei angelegt und ihr Grab dazu bestellen lassen. Mein Ma
Madame Sommer.
Mein Herz bewegt sich nach ihr.
Postmeisterin.
Aber wie's geht. Man sagte, der Herr hätte kuriose Principia gehabt; wenigstens kam er nicht in die Kirche; und die Leute, die keine Religion haben, haben keinen Gott und halten sich an keine Ordnung. Auf einmal hieß es: Der gnädige Herr ist fort. Er war verreist und kam eben nicht wieder.
Madame Sommer vor sich.
Ein Bild meines ganzen Schicksals!
Postmeisterin.
Da waren alle Mäuler davon voll. Eben zur Zeit, da ich als eine junge Frau hierher zog, auf Michael sind's eben drei Jahre. Und da wußt jedes was anders, sogar zischelte man einander in die Ohren, sie seien niemals getraut gewesen; aber verraten Sie mich nicht. Er soll wohl ein vornehmer Herr sein, soll sie entführt haben, und was man alles sagt. Ja, we
A
A
Die gnädige Frau läßt Sie sehr bitten, doch gleich hinüberzukommen; sie will Sie nur einen Augenblick sprechen, nur sehen.
Lucie.
Es schickt sich nicht in diesen Kleidern.
Postmeisterin.
Gehn Sie nur, ich geb Ihnen mein Wort, daß Sie darauf nicht achtet.
Lucie.
Will Sie mich begleiten, Kleine?
A
Von Herzen gern!
Madame Sommer.
Lucie, ein Wort!
Die Postmeisterin entfernt sich.
Daß du nichts verrätst! nicht unsern Stand, nicht unser Schicksal. Begegne ihr ehrerbietig.
Lucie.
Lassen Sie mich nur! Mein Vater war ein Kaufma
Laut.
Wollten Sie nicht ein bißchen ruhen? Sie haben's not. Die Frau Wirtin weist Ihnen wohl ein Zimmerchen mit einem Bett an.
Postmeisterin.
Ich hab eben ein hübsches, stilles Zimmerchen im Garten.
Zu Lucien.
Ich wünsche, daß Ihnen die gnädige Frau gefallen möge.
Lucie mit A
Madame Sommer.
Meine Tochter ist noch ein bißchen obenaus.
Postmeisterin.
Das tut die Jugend. Werden sich schon legen, die stolzen Wellen.
Madame Sommer.
Desto schlimmer.
Postmeisterin.
Kommen Sie, Madame, we
Beide ab.
Man hört einen Postillion.
Fernando, in Offizierstracht. Ein Bedienter.
Bedienter.
Soll ich gleich wieder einspa
Fernando.
Du sollst's hereinbringen, sag ich dir; herein. Wir gehen nicht weiter, hörst du.
Bedienter.
Nicht weiter? Sie sagten ja —
Fernando.
Ich sage, laß dir ein Zimmer anweisen und bring meine Sachen dorthin.
Bedientet ab.
Fernando , ans Fenster tretend.
So seh ich dich wieder? Himmlischer Anblick! So seh ich dich wieder? Den Schauplatz all meiner Glückseligkeit! Wie still das ganze Haus ist! Kein Fenster offen! Die Galerie wie öde, auf der wir so oft zusammen saßen! Merk dir's, Fernando, das klösterliche Ansehn ihrer Wohnung, wie schmeichelt es deinen Hoffnungen! Und sollte, in ihrer Einsamkeit, Fernando ihr Gedanke, ihre Beschäftigung sein? Und hat er's um sie verdient? O! mir ist, als we
Postmeisterin kommt.
Postmeisterin.
Verlangen der gnädige Herr zu speisen?
Fernando.
Sind Sie versehen?
Postmeisterin.
O ja! wir warten nur auf ein Frauenzimmer, das hinüber zur gnädigen Frau ist.
Fernando.
Wie geht's Ihrer gnädigen Frau?
Postmeisterin.
Ke
Fernando.
Vor Jahren war ich wohl manchmal da. Was macht ihr Gemahl?
Postmeisterin.
Weiß Gott. Er ist in die weite Welt.
Fernando.
Fort?
Postmeisterin.
Freilich! Verläßt die liebe Seele! Gott verzeih's ihm!
Fernando.
Sie wird sich schon zu trösten wissen.
Postmeisterin.
Meinen Sie doch? Da müssen Sie sie wenig ke
Fernando.
Ich will sie doch besuchen.
Postmeisterin.
Das tun Sie. Manchmal läßt sie uns invitieren, die Frau Amtmä
Fernando vor sich.
Das hast du um sie verdient! —
Laut.
Ist meinem Bedienten ein Zimmer angewiesen?
Postmeisterin.
Eine Treppe hoch. Karl, zeig dem gnädigen Herrn das Zimmer!
Fernando mit dem Jungen ab.
Lucie, A
Postmeisterin.
Nun, wie ist's?
Lucie.
Ein liebes Weibchen, mit der ich mich vertragen werde. Sie haben nicht zuviel von ihr gesagt. Sie wollt mich nicht lassen. Ich mußte ihr heilig versprechen, gleich nach Tisch mit meiner Mutter und dem Gepäck zu kommen.
Postmeisterin.
Das dacht ich wohl! Ist's jetzt gefällig zu essen? Noch ein schöner langer Offizier ist angefahren, we
Lucie.
Nicht im geringsten. Mit Soldaten hab ich lieber zu tun als mit andern. Sie verstellen sich wenigstens nicht, daß man die Guten und Bösen gleich das erste Mal ke
Postmeisterin.
Ich weiß nicht.
Lucie.
Ich muß doch nach ihr sehn.
Ab.
Postmeisterin.
Karl! Da ist wieder das Salzfaß vergessen. Heißt das geschwenkt? Sieh nur die Gläser! Ich sollt dir sie am Kopf entzwei schmeißen, we
Fernando kommt.
Postmeisterin.
Das Frauenzimmer ist wieder da. Sie wird gleich zu Tisch kommen.
Fernando.
Wer ist sie?