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Es war immer mein Schicksal, daß ich vom Leben und von meinen Freunden viel mehr empfing als ich geben ko
Alle die kleinen Laster, mit denen wir uns das schöne, kurze Leben versalzen und verderben, der Zorn, die Ungeduld, das Mißtrauen, die Lüge – all diese leidigen, schmierigen Schwären, die uns entstellen, hatte ein langes und gründliches Leiden in diesem Menschen unter Schmerzen ausgebra
Einmal fragte ich ihn, wie es ihm gelänge, sich immer mit seinem schmerzenden und kraftlosen Leibe abzufinden.
»Das ist sehr einfach«, lachte er freundlich. »Es ist eben ein ewiger Krieg zwischen mir und der Krankheit. Bald gewi
Bis dahin hatte ich stets geglaubt, ein sicheres Auge zu haben und ein guter Beobachter zu sein. Boppi wurde aber auch darin mein bewunderter Lehrmeister. Da er an der Natur und namentlich an Tieren eine große Freude hatte, führte ich ihn häufig in den Zoologischen Garten. Dort hatten wir ganz köstliche Stunden. Boppi ka
Mit einem Wärter kam ich überein, daß ich Boppi in seinem Fahrstuhl im Garten stehenlassen durfte, we
Es war einer der schönsten Tage jenes Herbstes, als ich Boppi meine beiden Liebesgeschichten erzählte. Wir waren miteinander so vertraut geworden, daß ich ihm auch diese weder erfreulichen noch rühmlichen Erlebnisse nicht mehr verschweigen ko
Da das sich nie ereignen wollte und die Tage kühl zu werden bega
Inzwischen hatte Boppi den »Grünen Heinrich« und die Seldwyler gelesen und war in der Welt dieser einzigen Bücher so heimisch geworden, daß wir am Schmoller Pankraz, am Albertus Zwiehan und an den gerechten Kammachern gemeinsame liebe Freunde besaßen. Eine Weile schwankte ich, ob ich ihm auch etwas von Conrad Ferdinand Meyers Büchern geben solle, doch schien es mir wahrscheinlich, daß er die fast lateinische Prägnanz seiner allzu gepreßten Sprache nicht schätzen würde, auch trug ich Bedenken, den Abgrund der Geschichte vor diesem heiter stillen Auge zu öffnen. Statt dessen erzählte ich ihm vom heiligen Franz und gab ihm Mörikes Erzählungen zu lesen. Merkwürdig war mir sein Geständnis, daß er die Geschichte von der schönen Lau großenteils nicht hätte genießen kö
Lustig war es, wie wir so allmählich in die Duzbrüderschaft hineingerieten. Ich hatte sie ihm nie angeboten, er hätte sie auch nicht angenommen; so aber kam es ganz von selber, daß wir einander immer häufiger duzten, und als wir es eines Tages merkten, mußten wir lachen und ließen es nun für immer dabei.
Als der anbrechende Vorwinter unsre Ausfahrten unmöglich machte und ich nun wieder abendelang in der Wohnstube von Boppis Schwager saß, merkte ich nachträglich, daß mir meine neue Freundschaft doch nicht so ganz ohne Opfer in den Schoß gefallen war. Der Schreiner nämlich war fortwährend mürrisch, unfreundlich und wortkarg. Auf die Dauer verdroß ihn nicht nur die lästige Gegenwart des u
Mehrmals versuchte ich, ihn versöhnlicher zu stimmen oder ihm neue Vorschläge zu machen, doch war nichts mit ihm anzufangen. Er bega
Die wachsende Unbehaglichkeit dieser unklaren Verhältnisse trieb mich wieder häufiger in die Kneipen. Eines Abends, nachdem die leidige Geschichte mich wieder besonders geärgert hatte, verfügte ich mich in eine kleine Waadtländer Weinschenke und rückte dem Übel mit mehreren Litern zu Leibe. Zum erstenmal seit zwei Jahren hatte ich wieder einmal Mühe, aufrecht nach Hause zu gehen. Tags darauf war ich, wie stets nadi einer starken Zeche, bei wohlig kühler Laune, faßte Mut und suchte den Schreiner auf, um die Komödie endlich zum Abschluß zu bringen. Ich schlug ihm vor, er möge mir Boppi ganz überlassen, und er zeigte sich nicht abgeneigt, sagte auch nach mehrtägiger Bedenkzeit wirklich zu.
Bald darauf bezog ich mit meinem armen Buckligen eine neugemietete Wohnung. Ich kam mir vor, als hätte ich geheiratet, da ich nun statt der gewohnten Junggesellenbude einen ordentlichen kleinen Haushalt zu zweien begi