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Während Knecht dies alles von seinem Freunde allmählich erfuhr, in manchen Besuchen und Begegnungen, hatte er ihm im Austausch auch von seinen eigenen Erfahrungen und Problemen vieles mitgeteilt, er ließ den andern nie in die Lage dessen kommen, der gebeichtet hat und mit dem Wechsel der Stunde und Stimmung dies wieder bereut und zurückzunehmen wünscht, sondern erhielt und stärkte das Vertrauen Plinios durch seine eigene Offenheit und Hingabe. Allmählich tat sich sein Leben vor dem Freunde auf, ein anscheinend einfaches, gradliniges, musterhaftes, geregeltes Leben i
Warum Knecht die nicht leichte Aufgabe auf sich nahm, seinen melancholischen Jugendfreund wieder lächeln und lachen zu lehren, und ob dabei die Erwägung, daß jener ihm durch Gegendienste nützlich werden kö
So hat Designori sich geäußert, und er hatte wohl Grund für seine bewundernde Dankbarkeit. Mag es bei Knaben und Jünglingen nicht allzu schwer sein, sie mit Hilfe unsrer altbewährten Methoden zum Lebensstil des Ordens zu erziehen, bei einem Ma
Es war im achten Jahre seines Magisteramtes, daß er zum erstenmal den so oft wiederholten Einladungen seines Freundes folgte und ihn in seinem Hause in der Hauptstadt besuchte. Mit Erlaubnis der Ordensleitung, deren Vorsteher Alexander seinem Herzen nahe stand, benutzte er einen Feiertag für diesen Besuch, von dem er sich viel versprach und den er doch seit einem Jahre immer wieder hinausgezögert hatte, teils weil er seines Freundes erst sicher sein wollte, teils wohl auch aus einer natürlichen Bangigkeit, es war ja sein erster Schritt in jene Welt hinüber, aus welcher sein Kamerad Plinio diese starre Traurigkeit mitgebracht und die für ihn so viele wichtige Geheimnisse hatte. Er fand das moderne Haus, das sein Freund gegen das alte Stadthaus der Designori eingetauscht hatte, von einer stattlichen, sehr klugen, zurückhaltenden Dame regiert, die Dame aber von ihrem hübschen, vorlauten und eher unartigen Söhnchen beherrscht, um dessen Person sich hier alles zu drehen schien und das von seiner Mutter die rechthaberisch präpotente, etwas demütigende Haltung gegen den Vater gelernt zu haben schien. Übrigens war man hier kühl und mißtrauisch gegen alles Kastalische, doch widerstanden Mutter und Sohn der Persönlichkeit des Magisters, dessen Amt für sie außerdem etwas von Geheimnis, Weihe und Legendenhaftigkeit hatte, nicht sehr lange. Immerhin ging es beim ersten Besuche äußerst steif und gezwungen zu. Knecht verhielt sich beobachtend, abwartend und schweigsam, die Dame empfing ihn mit kühler formeller Höflichkeit und i