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»Erledigt«, lachte Gustav. »Den nächsten nehme ich.«

Schon kam wieder ein Wagen gera

»Ein Fordwagen«, sagte Gustav. »Wir müssen hinunter und die Straße wieder frei machen.«

Wir stiegen hinab und sahen uns den bre

»Sehr witzig«, sagte Gustav. »Es ist aber in der Tat gleichgültig, wie die Leute heißen, die wir da umbringen. Sie sind arme Teufel wie wir, auf die Namen kommt es nicht an. Diese Welt muß kaputtgehen und wir mit. Sie zehn Minuten unter Wasser zu setzen wäre die schmerzloseste Lösung, an die Arbeit!«

Wir warfen die Toten dem Wagen nach. Schon tutete ein neues Auto heran. Das schossen wir gleich von der Straße aus zusammen. Es kreiselte toll betrunken ein Strecke weiter, stürzte da

»Na, sehen wir erst mal nach dem alten Herrn«, sagte gustav und wandte sich dem Passagier zu, der noch immer hinter dem toten Chauffeur im Sitz hing. Es war ein Herr mit kurzen grauen Haaren, er hatte die klugen, hellgrauen Augen offen, schien aber tüchtig verletzt zu sein, wenigstens floß Blut aus dem Munde, und den Hals hielt er unheimlich schief und steif.

»Erlauben Sie, alter Herr, mein Name ist Gustav. Wir haben uns gestattet, Ihren Chauffeur zu erschießen. Dürfen wir fragen, mit wem wir die Ehre haben?«

Der Alte blickte kühl und traurig aus den kleinen Grauaugen.

»Ich bin der Oberstaatsanwalt Loering«, sagte er langsam. »Sie haben nicht bloß meinen armen Chauffeur umgebracht, sondern auch mich, ich spüre, es geht zu Ende. Warum haben Sie de

»Wegen zu schnellen Fahrens.«

»Wir sind mit normaler Geschwindigkeit gefahren.«

»Was gestern normal war, ist es heute nicht mehr, Herr Oberstaatsanwalt. Wir sind heute der Meinung, es sei jegliche Geschwindigkeit, mit welcher ein Auto fahren möge, zu groß. Wir machen die Autos jetzt kaputt, alle, und die ändern Maschinen auch.«

»Auch Ihre Flinten?«

»Auch sie sollen an die Reihe kommen, falls wir noch Zeit dazu finden. Vermutlich werden wir morgen oder übermorgen alle erledigt sein. Sie wissen ja, unser Erdteil war scheußlich übervölkert. Na, jetzt soll es Luft geben.«

»Schießen Sie de

»Gewiß. Für manche mag es ja ohne Zweifel schade sein. Zum Beispiel um die junge hübsche Dame hätte es mir leid getan – sie ist wohl Ihre Tochter?«

»Nein, es ist meine Stenographin.«

»Desto besser. Und nun steigen Sie bitte aus, oder lassen Sie sich von uns aus dem Wagen ziehen, de

»Ich ziehe es vor, mit vernichtet zu werden.«

»Wie Sie wünschen. Erlauben Sie noch eine Frage! Sie sind Staatsanwalt. Es war mir immer unbegreiflich, wie  ein Mensch Staatsanwalt sein ka

»Es ist so. Ich tat meine Pflicht. Es war mein Amt. Ebenso wie es das Amt des Henkers ist, die von mir Verurteilten zu töten. Sie selbst haben ja das gleiche Amt übernommen, Sie töten ja auch.«

»Richtig. Nur töten wir nicht aus Pflicht, sondern zum Vergnügen, oder vielmehr: aus Mißvergnügen, aus Verzweiflung an der Welt. Darum macht das Töten uns einen gewissen Spaß. Hat Ihnen das Töten nie Spaß gemacht?«

»Sie langweilen mich. Haben Sie die Güte, Ihre Arbeit zu Ende zu führen. We

Er schwieg und verzog die Lippen, als wolle er ausspucken. Es kam aber nur ein wenig Blut, das an seinem Ki

»Warten Sie!« sagte Gustav höflich. »Den Begriff der Pflicht allerdings ke

Der Staatsanwalt strengte sich sehr an, um mit seinen blutverklebten Lippen ein wenig zu lächeln. Es gelang ihm nicht glänzend, doch war die gute Absicht erke

»Es ist gut«, sagte er. »Wir sind also Kollegen. Tun Sie nun bitte Ihre Pflicht, Herr Kollege.«

Das hübsche Mädchen hatte sich inzwischen am Straßenrand niedergelassen und war ohnmächtig.

In diesem Augenblick tutete wieder ein Wagen und kam in voller Fahrt dahergera

»Aussteigen!« kommandierte Gustav. »Hände hoch!«

Es waren drei Mä

»Da

Bald war der alte Herr im ändern Wagen gebettet, Gustav kommandierte, und alle fuhren los.

Inzwischen war unsre Stenographin wieder zu sich gekommen und hatte den Vorgängen zugesehen. Es gefiel mir, daß wir diese hübsche Beute gemacht hatten.

»Fräulein«, sagte Gustav, »Sie haben Ihren Arbeitgeber verloren. Hoffentlich stand der alte Herr Ihnen sonst nicht nahe. Sie sind von mir engagiert, seien Sie uns ein guter Kamerad! So, und nun pressiert es ein wenig. In Bälde wird es hier ungemütlich werden. Kö

Nun kletterten wir alle drei, so rasch es gehen wollte, in unsre Baumhütte hinauf. Dem Fräulein wurde oben schlecht, aber sie bekam einen Kognak, und bald war sie so weit erholt, daß sie die prachtvolle Aussicht auf See und Gebirge anerke

»Drückeberger!« lachte Gustav und schoß den Lenker ab. Der Wagen tanzte ein wenig, machte einen Satz gegen die Mauer, drückte sie ein und blieb schräg überm Abgrund hängen.

»Dora«, sagte ich, »kö

Sie ko

»Aber was soll aus uns werden?« fragte sie da

»Ich weiß nicht«, sagte Gustav. »Mein Freund Harry hat hübsche Frauen gern, er wird Ihr Freund sein.«

»Aber sie werden mit Polizei und Soldaten kommen und uns totmachen.«

»Polizei und dergleichen gibt es nicht mehr. Wir haben die Wahl, Dora. Entweder bleiben wir ruhig hier oben und schießen alle Wagen zusammen, die vorbei wollen. Oder wir nehmen selber einen Wagen, fahren davon und lassen andre auf uns schießen. Es ist einerlei, welche Partei wir ergreifen. Ich bin fürs Hierbleiben.«

Unten war wieder ein Wagen, hell tönte seine Hupe herauf. Er war bald erledigt und blieb, die Räder zuoberst, liegen.

»Komisch«, sagte ich, »daß das Schießen so viel Spaß machen ka

Gustav lächelte. »Ja, es sind eben gar zu viele Menschen auf der Welt. Früher merkte man es nicht so. Aber jetzt, wo jeder nicht bloß Luft atmen, sondern auch ein Auto haben will, jetzt merkt man es eben. Natürlich ist das, was wir da tun, nicht vernünftig, es ist eine Kinderei, wie auch der Krieg eine riesige Kinderei war. Später einmal wird die Menschheit lernen müssen, ihre Vermehrung durch vernünftige Mittel im Zaum zu halten. Vorderhand reagieren wir auf die unerträglichen Zustände ziemlich unvernünftig, tun aber im Grunde doch das Richtige: wir reduzieren.«

»Ja«, sagte ich, »was wir tun, ist wahrscheinlich verrückt, und wahrscheinlich ist es de