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Nachher sagte er zu ihm: »Ich ermahne und bitte dich, diese Buße nicht leicht zu nehmen. Ich weiß nicht, ob du den Text der Messe noch genau ke

Ob es nun ein schöner Zufall war oder ob des Abtes Seelenkunde so weit reichte, es ergab sich aus dieser Beichte und Buße für Goldmund eine Zeit der Erfülltheit und des Friedens, die ihn tief beglückte. Inmitten seiner an Spa

Es gelang nicht immer. Manchmal fand er am Abend nach glühenden Arbeitsstunden die Ruhe und Sammlung nicht, einige Male vergaß er die Übungen, und mehrmals, we

»Fahre fort«, sagte Narziß, »du hast es versprochen und mußt es halten. Du hast nicht darüber nachzudenken, ob Gott dein Gebet hört oder ob es den Gott, den du dir vorstellen magst, überhaupt gebe. Du hast auch nicht darüber nachzudenken, ob deine Bemühungen kindisch seien. Im Vergleich mit dem, an den unsere Gebete sich wenden, ist all unser Tun kindisch. Du sollst dir diese törichten Kleinkindergedanken während der Übung ganz und gar verbieten. Du sollst dein Paternoster und dein Marienlied sprechen und sollst dich ihren Worten hingeben und dich mit ihnen erfüllen, so, wie du etwa beim Singen oder Lautespielen auch nicht irgendwelchen klugen Gedanken und Spekulationen nachjagst, sondern einen Ton und einen Fingergriff um den andern so rein und vollkommen wie möglich ausführst. Während man singt, denkt man nicht darüber nach, ob das Singen etwa nützlich sei oder nicht, sondern man singt. Ebenso sollst du beten.«

Und wieder gelang es. Wieder erlosch sein gespa

Mit großer Befriedigung sah der Abt, daß Goldmund nach dem Ablauf seiner Bußzeit und dem Empfang des Sakramentes die täglichen Übungen weiter vollzog, wochen- und monatelang.

Währenddessen rückte sein Werk voran. Aus der dicken Treppenspindel wuchs eine kleine quellende Welt von Gestaltungen, von Pflanzen, Tieren und Menschen empor, in ihrer Mitte ein Vater Noah zwischen Weinlaub und Trauben, ein Bilderbuch und Lobpreis der Schöpfung und ihrer Schönheit, frei spielend, aber von einer geheimen Ordnung und Zucht geleitet. Während all der Monate sah niemand das Werk außer Erich, der dabei Handreichung tun durfte und keinen andern Gedanken mehr hatte, als ein Künstler werden zu dürfen. An manchen Tagen durfte auch er die Werkstatt nicht betreten. An andern Tagen nahm Goldmund sich seiner an, unterwies ihn und ließ ihn probieren, froh daran, einen Gläubigen und Schüler zu haben. War das Werk fertig und geglückt, so dachte er ihn von seinem Vater loszubitten und zum ständigen Gehilfen zu erziehen. An den Figuren der Evangelisten arbeitete er an seinen besten Tagen, we

Als der Abt Daniel fertig war, hieß er Erich die Werkstatt säubern. Er verhängte das übrige Werk mit Tüchern und stellte nur diese eine Figur ans Licht. Da

Narziß stand und schaute. Er stand und ließ sich Zeit, mit der Aufmerksamkeit und Sorgfalt des Gelehrten betrachtete er die Gestalt. Goldmund stand hinter ihm, schweigend, und suchte den Sturm in seinem Herzen zu bändigen. »Oh«, dachte er, »we

Die Minuten schienen ihm Stunden, er dachte an die Stunde, da Meister Niklaus seine erste Zeichnung m den Händen gehalten hatte, er preßte die heißfeuchten Hände ineinander vor Spa

Narziß wendete sich zu ihm um, und alsbald fühlte er sich erlöst. Er sah in des Freundes schmalem Gesicht etwas blühen, das ihm seit den Knabenjahren nicht mehr geblüht hatte: ein Lächeln, ein beinah schüchternes Lächeln in diesem Gesicht voll Geist und Willen, ein Lächeln der Liebe und Hingabe, einen Schimmer, als sei die Einsamkeit und der Stolz dieses Gesichts für einen Augenblick durchbrochen und es schiene nichts daraus hervor als ein Herz voll Liebe.

»Goldmund«, sagte Narziß ganz leise, auch jetzt die Worte wägend, »du erwartest nicht von mir, daß ich plötzlich ein Kunstke

Es war still in dem großen Raum. Goldmund sah, daß sein Freund im Herzen bewegt war. Eine Verlegenheit engte ihm den Atem.

»Ja«, sagte er kurz, »ich bin froh darüber. Aber es ist nun wohl Zeit, daß du zu Tische gehst.«