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Mit beinahe jugendlichem Elan warf er die Perücke auf seinen kahlen Schädel, schlüpfte in den blauen Rock, ergriff den Leuchter, der auf dem Schreibtischstand, und verließ das Arbeitszimmer. Er hatte gerade die Kerze am Talglicht des Treppenhauses angezündet, um sich den Weg hinauf zur Wohnung zu beleuchten, als er es unten im Erdgeschoss klingeln hörte. Es war nicht das schöne persische Geläute der Ladentür, sondern die scheppernde Klingel des Dienstboteneingangs, ein ekelhaftes Geräusch, das ihn schon immer gestört hatte. Oft wollte er das Ding entfernen und durch eine angenehmere Glocke ersetzen lassen, aber da
Wieder schepperte die Klingel. Er lauschte nach unten. Offenbar hatte Chenier den Laden schon verlassen. Auch das Dienstmädchen machte keine Anstalten zu kommen. So stieg Baldini selbst hinab, um zu öffnen.
Er riss den Riegel zurück, schwenkte die schwere Tür auf – und sah nichts. Die Dunkelheit verschluckte den Schein der Kerze vollständig. Da
»Was willst du?«
»Ich komme von Maitre Grimal, ich bringe das Ziegenleder«, sagte die Gestalt und trat näher und hielt Baldini den abgewinkelten Arm mit einigen übereinandergehängten Häuten entgegen. Im Lichtschein erka
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Das Ziegenleder für die spanische Haut! Baldini eri
»Komm herein!«
Er ließ den Jungen eintreten, und sie gingen in den Laden hinüber, Baldini mit dem Leuchter voran, Grenouille mit seinen Häuten hinterdrein. Es war das erste Mal, dass Grenouille eine Parfumerie betrat, einen Ort, wo Gerüche nicht Beiwerk waren, sondern ganz unverblümt im Mittelpunkt des Interesses standen. Natürlich ka
Und nun stand er in Baldinis Laden, an dem Ort von Paris, an dem die größte Anzahl professioneller Düfte auf engstem Raum versammelt war. Viel sah er nicht im vorüberfliegenden Kerzenlicht, nur kurz den Schatten des Kontors mit der Waage, die beiden Reiher über dem Becken, einen Sessel für die Kunden, die dunklen Regale an den Wänden, das kurze Aufblinken von Messinggerät und weißen Etiketten auf Gläsern und Tiegeln; und er roch auch nicht mehr, als er schon von der Straße her gerochen hatte. Aber er spürte sofort den Ernst, der in diesen Räumen herrschte, fast möchte man sagen, den heiligen Ernst, we
Dieser Gedanke war natürlich von geradezu grotesker Unbescheidenheit. Es gab nichts, aber schon wirklich rein gar nichts, was einen dahergelaufenen Gerbereihilfsarbeiter dubioser Abkunft, ohne Verbindung oder Protektion, ohne die geringste ständische Position, zu der Hoffnung berechtigte, in der renommiertesten Duftstoffhandlung von Paris Fuß zu fassen; um so weniger, als, wie wir wissen, die Auflösung des Geschäfts bereits beschlossene Sache war. Aber es handelte sich ja auch nicht um eine Hoffnung, die sich in Grenouilles unbescheidenen Gedanken ausdrückte, sondern um eine Gewissheit. Diesen Laden, so wusste er, würde er nur noch verlassen, um seine Kleider bei Grimal abzuholen, und da
Sie hatten den Laden durchquert. Baldini öffnete den nach der Flussseite gelegenen Hinterraum, der teils als Lager, teils als Werkstatt und Labor diente, wo die Seifen gekocht und die Pomaden gerührt und die Riechwässer in bauchigen Flaschen gemischt wurden. »Da!« sagte er und wies auf einen großen Tisch, der vor dem Fenster stand, »da leg sie hin!«
Grenouille trat aus Baldinis Schatten heraus, legte die Leder auf den Tisch, sprang da
Er zog seine Hand zurück. Rührend sah der Arbeitstisch aus: wie alles bereit lag; die Glaswa
Er drehte sich um, um zu gehen. Da stand dieser kleine verwachsene Mensch in der Tür, den hatte er fast schon vergessen. »Es ist gut«, sagte Baldini. »Richte dem Meister aus, das Leder ist gut. Ich werde in den nächsten Tagen vorbeikommen, um zu bezahlen.«
»Jawohl«, sagte Grenouille und blieb stehen und verstellte Baldini, der sich anschickte, seine Werkstatt zu verlassen, den Weg. Baldini stutzte ein wenig, hielt aber in seiner Ahnungslosigkeit das Verhalten des Jungen nicht für Chuzpe, sondern für Schüchternheit.
»Was ist?« fragte er. »Hast du mir noch etwas zu bestellen? Nun? Sag es nur!« Grenouille stand geduckt und schaute Baldini mit jenem Blick an, der scheinbar Ängstlichkeit verriet, in Wirklichkeit aber einer lauernden Gespa
»Ich will bei Ihnen arbeiten, Maitre Baldini. Bei Ihnen, in Ihrem Geschäft will ich arbeiten.«
Das war nicht bittend gesagt, sondern fordernd, und es war auch nicht eigentlich gesagt, sondern herausgepresst, hervorgezischelt, schlangenhaft. Und wieder verka
»Sie wollen diese Ziegenleder riechen machen, Maitre Baldini? Diese Leder, die ich Ihnen gebracht habe, die wollen Sie doch riechen machen?« zischelte Grenouille, als habe er Baldinis Antwort gar nicht zur Ke
»In der Tat«, sagte Baldini.
»Mit >Amor und Psyche< von Pelissier?« fragte Grenouille und duckte sich noch tiefer zusammen. Jetzt zuckte ein milder Schrecken durch Baldinis Körper. Nicht weil er sich fragte, woher der Bursche so genau Bescheid wusste, sondern einfach wegen der Namensne
»Wie kommst du auf die absurde Idee, ich würde ein fremdes Parfum benutzen, um…«
»Sie riechen danach!« zischelte Grenouille. »Sie tragen es auf der Stirn, und in der rechten Rocktasche haben Sie ein Tuch, das ist getränkt davon. Es ist nicht gut, dieses >Amor und Psyche<, es ist schlecht, es ist zu viel Bergamotte darin und zu viel Rosmarin und zu wenig Rosenöl.«
»Aha«, sagte Baldini, der von der Wendung des Gesprächs ins Exakte völlig überrascht war, »was noch?«