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Ich drehte mich um - obwohl ich bereits wusste, was ich sehen würde. Kniff die Augen zusammen und fing mit den Pupillen den Schatten meiner Wimpern auf. Ich betrachtete Lass durchs Zwielicht.
Die Aura eines nicht initiierten Anderen war absolut klar zu erke
»So funktioniert es bei Menschen«, sagte Kostja. Auf seiner Stirn standen jetzt zwar Schweißtropfen, de
»Was hast du jetzt vor?«, fragte ich.
»Ich möchte ein Anderer unter Anderen sein«, sagte Kostja. »Ich möchte, dass das alles aufhört… Lichte und Dunkle, Menschen und Andere, Magier und Vampire. Alle sollen zu Anderen werden, begreifst du das? Alle Menschen auf der Welt.«
Ich lachte. »Kostja… du brauchst zwei oder drei Minuten pro Mensch. Wie steht's mit deinen Ke
»Hier hätten auch zweihundert Menschen stehen kö
»Trotzdem…«
»In anderthalb Stunden startet vom Kosmodrom Baikonur die nächste Rakete zur Internationalen Raumstation«, sagte Kostja. »Ich glaube, der deutsche Weltraumtourist wird mir seinen Platz überlassen müssen.«Einen Moment lang schwieg ich und wog seine Worte ab.
»Ich werde ganz ruhig am Fenster sitzen und auf die Erde glotzen«, verkündete Kostja. »Wie es sich für einen Weltraumtouristen gehört. Ich werde auf die Erde schauen, etwas Blut aus der Flasche auf den Seiten verschmieren und den Zauberspruch flüstern. Und weit unter mir werden die Menschen zu Anderen. Alle Menschen, verstehst du? Vom Säugling in der Wiege bis zum Greis im Rollstuhl.«
Jetzt wirkte er fast wie ein Lebender. Durch und durch. In seinen Augen loderte etwas, das nicht der Vampirkraft entsprang, sondern normalem menschlichen Eifer.
»Anton, du hast doch selbst auch schon davon geträumt, oder? Dass es keine Menschen mehr gibt! Dass alle gleich sind!«
»Ich habe davon geträumt, dass alle zu Anderen werden«, sagte ich. »Aber nicht davon, dass es keine Menschen mehr gibt.«
Kostja verzog das Gesicht. »Hör doch auf! Das sind Wortklaubereien… Wir haben die Chance, die Welt zum Guten zu verändern, Anton. Fuaran ko
»Glück für alle, und umsonst?«, fragte ich. »Und dass niemand gekränkt fortgeht?«Er verstand mich nicht.
»Ja, Glück für alle! Die Erde den Anderen! Und keine Kränkungen! Ich will, dass du mit mir kommst, Anton. Dass du dich auf meine Seite stellst.«
»Das ist eine vorzügliche Idee«, rief ich und sah ihm in die Augen. »Kostja, du bist einfach fabelhaft!«
Lügen ko
In dem Moment hob ich die Hand und schlug mit der»grauen Andacht«zu.
Das hatte nichts mehr mit dem Schlag zu tun, den ich ihm im Zug versetzt hatte. Die Kraft brodelte in mir, strömte aus meinen Fingerspitzen heraus! Ohne Ende! Wer ka
Der Zauber ließ sich sogar in der Menschenwelt erke
Kostja fiel auf ein Knie. Er hielt sich, versuchte zu entkommen, aber die»graue Andacht«saugte die Kraft schneller aus ihm heraus, als er dem Zauber entgehen ko
Mit der Welt um mich herum geschah etwas Seltsames. Das Flugzeug auf der Startbahn verlor seine Farbe, verwandelte sich in einen grauen steinernen Klotz. Der Himmel bleichte aus, wurde fahl und hing jetzt tief. Die Ohren schienen mit Watte zugestopft. Anscheinend drängte das Zwielicht in unsere Welt…
Aber ich ko
Er hob den Kopf. Sah mich an. Nicht böse, sondern eher verletzt und ungläubig. Ganz langsam breitete er die Arme aus… Sollte er tatsächlich noch Kraftreserven haben?
Um Kostja herum zeichnete sich ein hellblaues, durchscheinendes Prisma in der Luft ab. Es zerschnitt die grauen Fäden des Zaubers, kreiste und schrumpfte zu einem Punkt zusammen. Da
Nach wie vor brandete die Kraft in mir. Die Kraft von Tausenden von Anderen, die Geser und Sebulon mir zugeleitet hatten, eine überbordende, unkontrollierte Kraft, die nach Anwendung verlangte. Menschenkraft, die durch dritte Hand zu mir gelangt war… Es reichte…
Ich führte meine Hände zusammen und ballte die grauen Fäden zu einem festen Knäuel. Es reichte…
Der Feind stand nicht mehr vor mir. Es reichte…
Ein Duell der Magier - das bedeutet zu fechten, nicht mit einem Knüppel zuzuhauen. Es reichte. Kostja hatte sich als der Raffiniertere erwiesen.
Ein leichtes Zittern schüttelte mich, trotzdem hörte ich auf. Der Himmel gewa
Nein, er war einfach weg. Noch nie hatte ich von Vampiren gehört, die imstande sind, ein direktes Portal zu öffnen. Und die Großen hatten offenbar ebenfalls nicht erwartet, dass Kostja uns mit einer solchen Finte täuschen würde.
Als er zum Flughafen gekommen war, hatte er damit gerechnet, dass alle nur an Flugzeuge und Hubschrauber denken würden. Sich entspa
Kostja hatte sich jedoch von Anfang an auf einen Sprung in ein direktes Portal vorbereitet. Anderthalb Stunden vor dem Start der Rakete… Niemals hätte er es geschafft, mit einem Flugzeug pünktlich in Baikonur einzutreffen! Außerdem flog da sowieso keins hin, schließlich gab es in dem Gebiet - wozu auch immer es jetzt erklärt sein mochte - noch eine Luftabwehr. Und nur deshalb hatte er den Sprung selbst unter dem Druck der»grauen Andacht«geschafft: Der Zauber für das Portal war bereits gewirkt, bereits»aufgehangen«- genau wie die Kampfzauber bei uns Fahndern.
Also hatte er doch nicht geglaubt, dass ich zu ihm überlaufen würde. Oder zumindest ernsthafte Zweifel daran gehabt. Trotzdem war es für ihn wichtig - sehr wichtig -, mich zu besiegen. Und zwar nicht durch reine Kraft. Was bedeutet schon Kraft, we
Letzten Endes bin ich doch ein Dummkopf. Ich hatte ihn für einen Freund oder einen Feind gehalten. Doch er war keins von beiden. Er gedachte lediglich seine Wahrheit zu beweisen. Und wie es der Zufall so wollte, sollte ich als Mittel der Beweisführung dienen. Schon kein Freund mehr, aber noch kein Feind. Sondern nur der Träger einer alternativen Wahrheit. »Hat er sich mit Teleportation davongemacht?«, fragte Lass.