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»Ich bin relativ lange dort gewesen«, fuhr Swetlana fort. »Also… ich habe etwas verstanden. Im Moment spielt es keine Rolle, auf welche Weise. »
»Und?«
»Was in diesem Hexenbuch steht, stimmt alles, Anton. Wir sind keine richtigen Magier. Wir verfügen über keine größeren Fähigkeiten als die Menschen. Wir sind genau wie das blaue Moos aus der ersten Schicht. Eri
Wie aus der Pistole geschossen antwortete ich. Darüber habe ich nämlich schon nachgedacht, als ich das Buch gelesen hatte. »Ja und, Sweta? Was folgt daraus? Die Menschen kö
»Der Unterschied besteht darin, dass die Menschen sich damit niemals zufrieden geben würden. Selbst anständige, selbst gute Menschen schielen immer ein wenig neidisch auf diejenigen, denen mehr gegeben ist. Auf Sportler, schöne Mä
»Abgrenzen und schützen…«, flüsterte ich die Hauptlosung der Nachtwache.
»Richtig. Abgrenzen und schützen. Und zwar nicht Menschen vor Dunklen, sondern Menschen vor Anderen überhaupt.«
Ich lachte. Sah in den Nachthimmel hinauf und lachte, eri
»Wie oft haben wir darüber gesprochen, wodurch wir uns von den Dunklen unterscheiden…«, sagte Swetlana leise. »Einmal bin ich auch auf folgende Formulierung gestoßen: Wir sind die guten Hirten. Wir kümmern uns um die Herde. Das ist vermutlich nicht mal wenig. Nur sollten wir weder uns selbst noch andern etwas vormachen. Niemals werden alle Menschen Andere werden. Niemals werden wir uns den Menschen zu erke
Ich sah in den Himmel - und streichelte Swetlanas Hand auf meinen Knien. Nur ihre Hand, diese warme und schlaffe Hand - die vor kurzem Blitz und Do
Die hilflose Hand einer Großen Zauberin, in der nur halb so viel Magie steckte wie in mir.
»Und wir kö
»Was, we
»Die Dunklen schert das nicht. Die Lichten würden sich damit abfinden. Ich habe etwas erfahren, was ich nie erfahren wollte, Anton - und mich damit abgefunden. Vielleicht sollte ich dir nichts davon erzählen? Aber das wäre nicht fair. Es würde dich quasi zu einem Teil der Herde machen.«
»Sweta…«Ich sah zu dem schwachen Schein des Nachtlichts im Fenster hinüber. »Sweta, welche magische Temperatur hat unsere Nadjuschka?«Sie zögerte, bevor sie antwortete. »Null. »
»Die Größte der Großen…«, sagte ich.
»Absolut frei von jeder Magie…«, versicherte Swetlana noch einmal. »Was sollen wir jetzt tun?«
»Leben«, sagte Swetlana bloß. »Ich bin eine Andere… und es ist zu spät, die Unschuldige zu mimen. Ich kriege meine Kraft von den Menschen, ziehe sie aus dem Zwielicht, doch auch das ist fremde Kraft. Aber das ist nicht meine Schuld. »
»Ich gehe zu Geser, Sweta. Gleich jetzt. Ich verlasse die Wache. »
»Ich weiß. Fahr.«
Ich erhob mich, hielt die schaukelnde Hängematte an. Es war dunkel, nicht einmal Swetlanas Gesicht ko
»Fahr, Anton«, wiederholte sie. »Es wird uns schwer fallen, einander in die Augen zu sehen. Wir werden Zeit brauchen, um uns daran zu gewöhnen. »
»Was ist dort? In der fünften Schicht?«, fragte ich. »Das solltest du besser nicht wissen. »
»Gut. Da
»Soll er dir antworten… we
Ich beugte mich vor und berührte ihre Wange - die tränenfeucht war.
»Es ist widerwärtig…«, flüsterte sie. »Widerwärtig… ein Parasit zu sein. »
»Halte durch…»
»Das tu ich.«
Als ich in den Schuppen ging, fiel eine Tür zu. Swetlana war ins Haus gegangen. Ohne Licht anzuschalten, setzte ich mich ins Auto und schlug die Tür hinter mir zu.
Was hatte Onkel Kolja hier wohl angestellt? Ob ich losfahren ko
Ich schaltete die Scheinwerfer an und fuhr aus dem Schuppen. Die Regeln der Maskierung?
Scheiß drauf. Was soll sich ein Hirte vor seinem Schaf verstecken!
Mit leichten Passes öffnete ich das Tor, ohne aus dem Auto zu steigen. Ich fuhr auf die Straße und gab Gas. Das Dorf wirkte leer und tot. Man hatte den Schafen Schlafmittel ins Futter geschüttet…
Das Auto ließ den Ort hinter sich. Ich schaltete das Fernlicht ein, drückte weiter aufs Gas. Durch das offene Fenster schlug der Wind herein. Ich tastete auf dem Armaturenbrett nach der Fernbedienung, stellte den MD-Player ein.