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»Du kriegst eine Tafel Schokolade von mir«, versprach ich. »Du hast alles sehr schön erzählt.«Oxana zierte sich nicht, sondern sagte bloß»danke«. Und schien das Interesse an unserem Gespräch völlig verloren zu haben.

Offenbar hatte die Hexe ihr als der Älteren das Gedächtnis gründlicher gereinigt. Nur an die Bücher, die das Mädchen gesehen hatte, hatte sie nicht gedacht. Und das beruhigte mich ein wenig.

Zwei

Geser hörte mir mit ungeteilter Aufmerksamkeit zu. An manchen Stellen hakte er nach, schwieg da

»Gute Arbeit, Anton«, meinte Geser schließlich. »Wirklich gut. Du hast dich da nicht auf die faule Haut gelegt. »

»Was soll ich jetzt tun?«, fragte ich.

»Du musst die Hexe finden«, erwiderte Geser. »Sie hat zwar nichts Böses angerichtet, muss sich aber registrieren lassen. Na ja… die übliche Prozedur, du weißt Bescheid. »

»Und die Werwölfe?«, wollte ich wissen.

»Vermutlich Moskauer, die auf Tournee im Umland sind«, kommentierte Geser gelassen. »Ich werde den Befehl geben, alle Werwölfe zu überprüfen, die mehr als drei Kinder mit Anlagen zum Tiermenschen haben. »

»Es gab insgesamt nur drei Junge«, eri

»Der Werwolf kö

»Nein«, bedauerte ich. »Daran haben Sweta und ich sofort gedacht… Nur A

»Von der demographischen Situation ist mir auch schon etwas zu Ohren gekommen«, unterbrach mich Geser amüsiert. »Was ist mit den Dorfbewohnern?«

»Es gibt große Familien, aber Swetlana ke

»Also müssen es Leute von auswärts sein«, schlussfolgerte Geser. »Soweit ich es verstanden habe, ist im Dorf niemand verschwunden. Gibt es in der Nähe vielleicht Pensionen oder Hotels?«

»Ja«, entgegnete ich. »Auf der andern Seite des Flusses, rund fünf Kilometer entfernt, ist ein Pionierlager… oder wie die Dinger jetzt heißen. Ich habe schon herausgekriegt, dass dort alles in Ordnung ist und kein Kind vermisst wird. Man lässt sie auch gar nicht zum Fluss hinunter, das ist ein Lager mit militärischer Disziplin, ziemlich streng. Schlafengehen, Aufstehen, fünf Minuten zum Anziehen. Machen Sie sich deswegen keine Sorgen.«

Geser krächzte missmutig. »Brauchst du Hilfe, Anton?«, fragte er.

Ich dachte nach. Das war die entscheidende Frage, auf die ich bislang noch keine Antwort hatte finden kö

»Ich weiß es nicht. Die Hexe ist anscheinend stärker als ich. Aber ich will sie ja nicht ermorden… und das sollte sie spüren.«

Weit, weit weg, in Moskau, versank Geser tief in Gedanken. »Swetlana soll die Wahrscheinlichkeitslinien überprüfen«, stieß er da

Ich lächelte. Dein Plan sieht anders aus, Geser. Ganz anders. Du hoffst, dass mich im Notfall Swetlana rettet. Und da

»Außerdem hast du noch Swetlana«, meinte Geser abschließend. »Du überblickst das Ganze. Also mach dich an die Arbeit und gib mir im Notfall Bescheid.«

»Zu Befehl, mon général«, konterte ich. De

»Militärisch gesprochen, Oberstleutnant«, fuhr mich Geser prompt an, »läge mein Dienstgrad nicht unter dem eines Generalissimus. Genug, mach dich an die Arbeit.«

Nachdem ich das Telefon weggesteckt hatte, verglich ich kurz die Kraftstufen mit den Armeerängen. Siebter Grad einfacher Soldat, sechster Sergeant, fünfter Leutnant, vierter Hauptma

Gut, we

Die Pforte klapperte, und Ljudmila Iwanowna trat ein. Meine Schwiegermutter. Die unermüdliche Nadjuschka wirbelte um sie herum. Kaum war sie in den Garten gekommen, warf sie sich johlend in die Hängematte.

Ja, meine Tochter war noch nicht initiiert. Doch sie spürte ihre Eltern. Und ihren Alltag prägte noch vieles mehr, was normale zweijährige Mädchen nicht ke

»Papka«, meinte Nadja, während sie auf mich kraxelte. »Wir sind spazieren gewesen.«

»Guten Tag, Ljudmila Iwanowna«, begrüßte ich meine Schwiegermutter. Für alle Fälle: De

»Du ruhst dich aus?«, fragte meine Schwiegermutter ungläubig. Nein, mein Verhältnis zu ihr war gut. Kein sprichwörtliches. Trotzdem hatte ich den Eindruck, sie wolle mir ständig irgendetwas vorwerfen. Dass ich ein Anderer war, zum Beispiel - we

»Ein bisschen«, antwortete ich munter. »Seid ihr weit weg gewesen, Nadja? »

»Ja.«

»Bist du jetzt müde? »

»Ja«, bestätigte Nadka, »aber Oma ist noch mehr müde.«

Ljudmila Iwanowna blieb kurz stehen, als überlege sie, ob sie einem Nichtsnutz wie mir seine eigene Tochter anvertrauen ko

»Und wohin gehst du?«, fragte Nadjuschka, wobei sie meine Hand kräftig drückte.

»Habe ich de

»Nein…«, räumte Nadka ein und zerzottelte sich mit ihrem kleinen Händchen das Haar. »Aber du gehst doch? »

»Ja«, gab ich zu.

Eben. We

»La, la, la…«, fing Nadja an zu singen und guckte zum Zaun hinüber. »Der Zaun muss gestrichen werden! »

»Hat Oma das gesagt?«, wollte ich wissen.

»Ja. We

Zum Teufel mit diesen Datschenfanatikern! Warum müssen Menschen auf ihre alten Tage unbedingt in sich die Leidenschaft entdecken, in der Erde zu buddeln? Ob sie sich schon mal an sie gewöhnen wollen?

»Oma hat einen Spaß gemacht«, sagte ich und klopfte mir auf die Brust. »Hier gibt es einen richtigen Ma

»Ein richtiger Ma

Ich vergrub das Gesicht in ihrem Haar und pustete. Nadjuschka fing gleichzeitig zu kichern und zu strampeln an. Ich blinzelte Swetlana zu, die gerade aus dem Haus kam, und setzte meine Tochter auf der Erde ab. »Lauf zu Mama.«

»Nein, lieber zu Oma«, meinte Swetlana, als sie Nadja auffing. »Milch trinken. »

»Ich will keine Milch! »

»Du brauchst sie«, entgegnete Swetlana.

Darauf widersprach Nadjuschka nicht, sondern steuerte widerspruchslos auf die Küche zu. Selbst bei Menschen gibt es ein seltsames wortloses Verstehen zwischen Mutter und Kind. Was wollte man da erst über uns sagen? Nadja spürte genau, wa