Страница 50 из 61
Der Rum hatte sich daher zum unangefochtenen König aller westindischen Schenken aufgeschwungen. So kehrte die Wirtin trotz ihrer Proteste und Flüche de
»Noch etwas?«
Der Portugiese nickte:
»Wir brauchen Mä
»Mä
»Schwindelfreie Toppsgaste mit Mumm in den Knochen und erfahrene Kanoniere, die gutes Geld verdienen wollen.«
»We
»Eine Dublone pro Kopf.«
Die zottelige Hexe nickte zustimmend.
»Ich werde sehen, was sich machen läßt.«
Tiradentes richtete drohend den Finger auf sie.
»Aber bring mir keinen Abschaum. Ich will erfahrene Leute.«
Die Frau lachte nur und zeigte dabei ihr lückenhaftes Gebiß.
»Auf Tortuga haben sie alle Erfahrung. Aber Abschaum sind sie auch alle.«
In der gleichen Nacht zeigte sie, daß sie sehr gut wußte, wovon sie sprach. Von den hundert Vagabunden, die sich in der Schenke beim Kapitän der Botafumeiro vorstellten, hatten die meisten mehr als genug Erfahrung, aber sie waren auch echter Abschaum.
Rum, Hunger, Skorbut, Syphilis und einige berauschende Pilze, die einen halb verrückt machten, hatte diese herrenlose Bande in ein Panoptikum menschlichen Abfalls verwandelt, der aber allen Enthusiasmus zeigte, die geringste Gelegenheit beim Schopf zu packen und einen kahlen Felsen zu verlassen, von dem sie sich nichts mehr erhoffen ko
»Die Bezahlung ist gut«, ermahnte der Portugiese einen nach dem anderen, der vor ihm Platz nahm. »Aber we
Sebastián Heredia nahm wieder die nicht uneige
»Hast du dir meinen Vorschlag von gestern nacht noch einmal durch den Kopf gehen lassen?« wollte die Hure wissen, während sie die Millionen Sterne betrachtete, die über ihren Köpfen funkelten. »Die Sache mit Mombars?«
»Hör mal, meine Liebe…«, entgegnete der Margariteno, als wolle er sich in Geduld üben, um sich den angenehmen Augenblick nicht verderben zu lassen. »Ich habe dir schon gesagt, daß ich eine gute Arbeit an Bord eines guten Schiffs habe. Warum soll ich mir das Leben komplizieren?«
»Was ist das de
»Die Jacare.«
»Die Jacare?« fragte Astrid überrascht und stützte sich auf einen Ellenbogen, um ihn besser betrachten zu kö
»Das beste.«
»Daß ich nicht lache! Diese Nußschale versenkt die la de Dios doch mit einer Breitseite.«
»Das muß sich erst mal zeigen!« gab Kapitän Jacare Jack herausfordernd zurück und sah ihr direkt in die Augen. »Was die Jacare ausmacht, sind nicht ihre Kanonen, sondern etwas, was kein anderes Schiff hat.«
»Und das wäre?«
»Sicherheit.« Er wies auf die Bucht hinter ihrem Rücken hinaus. »Die Jacare ist das einzige Schiff, das schon über zwanzig Jahre lang auf Jagd geht, ohne daß ihr je auch nur das Geringste passiert wäre. Hundert Kanonen an Bord helfen dir gar nichts, we
»Und warum nicht? Sie ist doch nicht unsinkbar.«
»Das nicht, Kleine. Unsinkbar ist sie nicht, aber der Alte besitzt die beste Sammlung Routenbücher der Antillen. Mit dem, was er in seiner Kajüte aufbewahrt, kö
»Wie ist er in deren Besitz gelangt?«
»Reiner Zufall! Eines Nachts hat er einen getarnten Pott geentert, auf dem man das Archiv von Sevilla dem Hafenkommandanten von San Juan schickte. Was wie eine große Kiste mit alten Büchern aussah, war in Wahrheit der größte Schatz, von dem ein Pirat nur träumen ka
»Verdammte Hure, die mich geboren hat!« rief die schamlose Rothaarige aus. »We
»Natürlich, mein Schatz! Natürlich! Aber der Alte sitzt in seiner Kajüte wie eine Glucke über den Büchern. Beim geringsten Anzeichen von Gefahr läßt er sie ins Meer fallen, de
Astrid schüttelte ihre flammende Mähne.
»Er wird sie verkaufen.«
»Das bezweifle ich«, entgegnete Sebastián ungerührt. »Er weiß, we
»Warum nicht?«
»Du liebe Zeit! Stell dir mal vor, dein Freund Mombars kreuzt durch die Karibik ohne Angst, irgendwo aufzulaufen? Der würde solche Schlachtfeste veranstalten, bis die Krone sich schließlich gezwungen sähe, eine richtige Flotte in die Antillen zu schicken. Nein, der Alte hat schon recht. Dieser Schatz muß in guten Händen bleiben.«
Er bega
Kurze Zeit danach sprang Sebastian auf.
»Ich muß gehen! Halt mir Samstag abend frei.«
Er kehrte zum Strand zurück, wo ihn bereits Justo Figueroa erwartete. Neben ihm stand eine kleine Kutsche mit zwei ungeduldigen Pferden. Kurze Zeit darauf tauchte ein Boot aus der Finsternis auf, aus dem Celeste Heredia und ihr Vater stiegen.
Er küßte sie zärtlich und überreichte ihnen einen Schlüsselbund.
»Ihr kö
»Wa
»Sobald ich ka
»Wie ist es letzte Nacht gelaufen?«
»Ich habe den Köder ausgelegt. Jetzt muß sie den nächsten Schritt machen. Ich denke, wir werden bald wissen, ob sie wirklich mit Mombars in Kontakt steht oder nicht.«
»Paß gut auf dich auf!« empfahl ihm Miguel Heredia.
Sebastián tätschelte den dichten, bereits weißen Bart, den sich sein Vater in letzter Zeit hatte wachsen lassen und der ihm das Aussehen eines strengen Patriarchen verlieh.
»Mach dir keine Sorgen!« entgegnete er mit Humor. »Der einzige, der sich Gedanken machen muß, ist der alte Kapitän Jacare Jack, der das ganze Archiv im Kopf hat. Und we