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Zwei Jahre zuvor hatte der schmierige Joáo de Oliveira – wie unzählige Söldnerkapitäne vor ihm – einen krassen Fehler begangen und zu einem sicherlich überhöhten Preis eine angeblich echte Seekarte erworben, auf der die Antillen exakt verzeichnet waren. Doch bald mußte er feststellen, daß er sich eine plumpe Fälschung eingehandelt hatte, oder, was noch schlimmer war, eine »spanische Fälschung«, die ihn geradewegs ins Verderben schicken ko

Schon seit langer Zeit hatte die Casa de Contratación nämlich die üble Angewohnheit, von Zeit zu Zeit falsche Seekarten und Routenbücher auf den »Markt« zu werfen, die in die Hände von Piraten und Korsaren fallen sollten. We

Nur die besten spanischen Navigatoren ko

Kapitän Tiradentes hatte zwar eine Karte, auf der die genaue Lage von Hispaniola und Puerto Rico verzeichnet war, doch hätte er niemals seine Hand dafür ins Feuer gelegt, daß besagte Inseln tatsächlich i

Als ihm also Don Hernando Pedrárias mit absoluter Sicherheit bestätigte, daß zwischen der Punta de Penas und dem im Nordwesten liegenden Puerto Rico nur tiefe See lag, befahl er diesen Kurs und hoffte geduldig, daß vor seinem Bug schließlich eine ferne Küste auftauchen würde.

Trotzdem ließ er den Ausguck im Mastkorb und am Davit nie unbema

In der vierten Nacht, in der absolute Stille und Finsternis herrschten, erhellten plötzlich immer mehr Sterne den Horizont. Schnell mußte Kapitän Oliveira verblüfft feststellen, daß es sich dabei keinesfalls um Sterne handelte, sondern um Hunderte von besorgniserregenden Lichtern, die mit bemerkenswerter Geschwindigkeit auf seine Steuerbordseite zukamen.

»Sáo Bento, hilf!« rief er entgeistert aus. »Die Flotte!«

In der Tat ko

Die Flotte!

Die komplette Ma

Schließlich wandte er sich an den Portugiesen, der in kurzen Abständen Flüche ausstieß, ohne dabei auch nur einen Augenblick darauf zu verzichten, seine Kokablätter weiterzukauen, und fragte ihn:

»Was gedenkt Ihr zu tun?«

»Zwischen ihnen zu kreuzen«, tönte es entschlossen zurück.

»Zwischen dieser Unmenge von Schiffen zu kreuzen?« rief er aus. »Seid Ihr verrückt geworden? Sie werden uns entern.«

»Nicht, we

So brisant die Situation auch war und so sehr ihn schon seit der ersten Begegnung der Ma

»Drei Ma

Der erfahrene Kapitän Joáo de Oliveira wußte, daß die schwere Flotte wie gewöhnlich mit allen Segeln fuhr, um die Rückenwinde zu nutzen. In ihrem Windschatten würde er praktisch nicht mehr von der Stelle kommen. Daher beschloß er, mehr Fahrt zu machen, solange er noch genügend Wind dazu hatte, um sich selbst auf die ankommenden Schiffe zu stürzen, nicht frontal, sondern im Winkel von etwa 40 Grad im Verhältnis zu den Positionslichtern der ersten Linie.

Auf diese Weise wurde einerseits zwar das Risiko eines Zusammenstoßes beträchtlich größer, we

Die Davitwachen eines so großen Flottenverbands waren logischerweise vor allem damit beschäftigt, den vorgeschriebenen Abstand zu den Positionslichtern der übrigen Schiffe zu halten und den Steuermä

Daß da plötzlich eine Brigg aus der Finsternis auftauchte, traf die Wachen daher völlig unvorbereitet. So sehr sich das Schiff auch bemühen ko

Während die Minuten verstrichen und die Entfernung zur Flotte schrumpfte, gewa

Nur eine knappe halbe Meile lag zwischen den Bordseiten der Flottenschiffe, ebenso groß war der Abstand zwischen den Linien: nicht gerade berauschend viel Platz, um auf offener See zu manövrieren, besonders da

»Ein Grad Backbord!« befahl der Lissaboner schließlich. »Die Taue fest anziehen!«

Im letzten Augenblick öffnete Joáo de Oliveira den Winkel etwas weiter und ließ ein großes, über acht Meter hohes Schiff in seinem Kielwasser passieren, wobei der Klüverbaum des Spaniers fast den Achtersteven der Botafumeiro streifte. Nun steuerte er die Botafumeiro direkt auf die mittleren Positionslichter des zweiten Schiffs zu. Bis er es erreicht hätte, würde dieses ihn überholt haben. Als er den schwachen Schein der großen Achterlaternen ausmachen ko

»Steuer geradeaus!«

Hastig ließen die vier Mä

»Nach zwei Minuten volle Wende Steuerbord! Paßt auf die Mastbäume auf!«

Der Befehl ging von Mund zu Mund.

Alle an Bord, der kränkliche schwarze Koch eingeschlossen, beeilten sich, den Befehl auszuführen. Sie wußten, daß es um ihr Leben ging, und so drehte sich die Brigg bald wie eine elegante Ballerina um sich selbst.