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»Wißt Ihr eigentlich, Senor, was Ihr da verlangt?« protestierte der andere, den der Tonfall sichtlich mehr beeindruckt hatte als die Worte selbst.
»Natürlich weiß ich das!« tönte es brüsk zurück. »Ich bitte dich, mir dabei zu helfen, meinen Kopf zu retten und übrigens auch den deinen, de
Lautario Espinosa nickte und schluckte heftig.
»Völlig klar, Senor!«
»Da
Zwei Tage später betrat er das Herrenhaus auf Margarita und stieg eilends in den Weinkeller hinab, in den er Emiliana Matamoros hatte einsperren lassen. Als er vor der inzwischen schmutzigen, zerzausten und angetrunkenen Frau stand, für die er früher soviel Leidenschaft empfunden hatte, ko
»Du stinkst wie ein toter Hund, und heute ka
Sein Gegenüber musterte ihn mit geröteten Augen, berauscht von den Litern Sherry, mit dem sie versucht hatte, ihren Hunger zu betäuben, und nachdem sie ewig lang darüber nachgedacht hatte, grunzte sie schließlich:
»Ich hab verdammt noch mal keine Ahnung, wovon du redest.«
Als Antwort verpaßte ihr der Ex-Gesandte der Casa de Contratación von Sevilla eine schallende Ohrfeige. Ihre Unterlippe riß auf, und eine Blutspur lief über ihr Ki
»So redest du nicht mit mir!« drohte er. »Und spiel mir nicht die Betrunkene vor. Das alles war viel zu gut geplant. Sie haben die Perlen mitgenommen und in der gleichen Nacht die Kutsche angezündet, um sich in Manzanillo einzuschiffen. Wie erklärst du dir das?«
»Ich habe wirklich keine Ahnung!« beharrte sie erschreckt. »Ich schwör’s dir. Ich wußte ja nicht einmal, daß die Perlen im Keller waren. Woher sollte ich es auch wissen?«
»Vielleicht hat es dir ja Celeste verraten.«
»Glaubst du nicht, daß ich da
Don Hernando Pedrárias schwieg, de
»Ich versteh’s nicht!« rief er schließlich aus und genehmigte sich ein großes Glas Riojawein aus seinem Lieblingsfaß. »Ich versteh’s nicht! Seit Jahren überfällt dieser Pirat unsere Frachtschiffe, um deren Waren zu verschleudern. Da
Er erhielt keine Antwort, de
»Verschwinde! Mach dich aus dem Staub und komm nicht wieder!«
»Wohin soll ich de
»Was kümmert mich das?« lautete die brutale Antwort. »Von mir aus ka
Emiliana Matamoros sagte kein einziges Wort mehr. Sie wußte, daß es keinen Si
»Hinaus mit dir!« knirschte einer zwischen den Zähnen. »Hinaus mit dir, du verdammte Schlampe! Davon habe ich immer geträumt!«
Sie hatte das große Tor noch nicht erreicht, da erschien Don Hernando Pedrárias am oberen Ende der Treppe und befahl kurz angebunden:
»Schickt nach Kommandant Arismendi und dem Wucherer Don Samuel! Noch heute nachmittag will ich sie hier sehen!«
Anschließend stieg er in sein riesiges Schlafzimmer hinauf, ließ sich auf das Bett fallen und betrachtete den schweren Baldachin und die gedrechselten Säulen, an die sich Emiliana Matamoros während ihres leidenschaftlichen Liebesspiels vor Jahren so oft geklammert hatte, und dachte an die alten Zeiten, in denen er sich als Herr der reichsten Insel und der schönsten ihrer Frauen fühlen ko
Was war sein größter Fehler gewesen, und wa
Die Austern hatten sich entschlossen, keine Perlen mehr zu produzieren, die Perlentaucher hatten ihm den Gehorsam verweigert, die Piraten hatten sich an seinen Schiffen gemästet, und sogar die baumstarken und unterwürfigen Sklaven hatten sich entschlossen, einfach krank zu werden oder offen zu rebellieren.
Was ko
Stundenlang blieb er in seinem Schlafzimmer, bis zur Erschöpfung in seine Grübelei versunken, bis man ihm die Ankunft von Oberst Arcadio Arismendi ankündigte, dem Militärkommandanten der Insel. Ihn hatte er als einen seiner besten Freunde betrachtet, bis man ihn als Sklavenhändler angeklagt hatte.
Er empfing ihn in der Bibliothek. Der schnurrbärtige Offizier blickte so abweisend drein, daß Don Hernando im letzten Augenblick verzichtete, die Hand auszustrecken.
»Ich bin dir dankbar, daß du gekommen bist. Ich brauche deine Hilfe.«
»Ehrlich gesagt habe ich lange gezögert, überhaupt zu kommen, doch Mariana hat mich überredet, die Angelegenheit lieber früher als später zu bereinigen. Es ist nicht meine Art, Menschen, die am Boden liegen, noch zu treten, doch du mußt einsehen, daß unsere Beziehung nicht mehr so sein ka
Der Ex-Gesandte der Casa nickte und lud seinen Gast ein, im Lehnstuhl Platz zu nehmen, in den er sich gewöhnlich selbst zu setzen pflegte, füllte zwei große Gläser mit Rum und bot ihm eines an:
»Ich verstehe. Die Anschuldigungen gegen mich wiegen sehr schwer, und ich will gar nicht erst versuchen, sie zurückzuweisen. Was ich dir sagen will, ist folgendes: Seine Exzellenz hat mir die Chance geboten, mich zu rehabilitieren, und ich werde alles daransetzen, auch we
»Nicht mehr als alle anderen«, tönte es verdrossen zurück. »Daß er ein schottischer Dickwanst und Trunkenbold ist, der harmlos aussieht, aber gelegentlich auch ganz andere Seiten aufzieht, wie man hört. Außerdem soll er die Piratengesetze respektieren.«