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Nun wandte sich Sebastian dem bleichen Mädchen zu, das keinen Mucks gemacht hatte, als hoffte es dadurch unsichtbar zu werden. Die gelbe Pfütze zu ihren Füßen verriet jedoch nur zu deutlich, wie wenig sie ihr Entsetzen hatte beherrschen kö

»Wie alt bist du?« wollte der Margariteno wissen.

Erst nach einer Ewigkeit schien die einfache Frage das Hirn des schreckensstarren Geschöpfs erreicht zu haben, das schließlich stotterte:

»Vierzehn.«

»Woher kommst du?«

»Aus Cuenca.«

»Und wohin fährst du?«

»Nach Puerto Rico.«

»Mein Vater hat ein Gasthaus in San Juan. Ich fahre zu ihm, weil meine Mutter gestorben ist.«

Der Junge betrachtete das magere Mädchen, das so blaß geworden war, als wolle es gleich in Ohnmacht fallen, und plötzlich ging ihm der Gedanke durch den Kopf, ob seine Schwester wohl ähnlich aussehen mochte. Bald jedoch war ihm klar, daß bei aller Zeit, die vergangen war, die rebellische Celeste sich nicht in ein so verletzliches und zerbrechliches Wesen verwandelt haben ko

Mit einem Stein in der Hand nahm es Celeste mit jedem Jungen auf, und eines war dem Margariteno klar: Unter keinen Umständen hätte sie sich in die Hose gemacht.

Celeste hatte Mumm.

Verdammt viel Mumm.

Das schreckensbleiche Mädchen hier war nicht gerade schön und wohl noch nicht einmal eine Frau, doch gab es da etwas in ihrer Hilflosigkeit – vielleicht ihre riesigen und angsterfüllten grauen Augen –, das einen brutalen Seewolf dazu verleiten ko

Als die So

»Wer nicht in fünf Minuten an Bord ist, landet in San Juan de Puerto Rico!« Er machte eine kleine Pause: »Oder am Galgen!«

Auf der Galeone gab es nichts mehr, was nur einen Heller wert gewesen wäre. Als sich die beiden Schiffe endlich tre

Die Mä

Kurze Zeit später wurde der Kapitän »madig«: im wahrsten Si

Niemand wußte genau, warum, doch brach bei ihm eine eiternde Wunde nach der anderen auf, und obwohl man ihn mit unzähligen Tinkturen und Salben einrieb, ko

»Das muß diese verdammte Marquesa gewesen sein!« knirschte er ein ums andere Mal mit den Zähnen, während der geschickte Portugiese Manoel Cintra, der bisweilen an Bord den Arzt spielte, seine schmerzhaften und nutzlosen Salben auftrug. »Die verdammte Hure muß verfault gewesen sein!«

Ob es nun eine Geschlechtskrankheit oder ein unbeka

»Daß sie mich mal beim Entern umbringen, damit habe ich stets gerechnet«, sagte er. »Selbst daß sie mich aufhängen, we

Als Sebastian wissen wollte, was an einem Tod am Galgen »glorreich« sein kö

»Ohne die Gefahr, am Galgen zu enden, würde sich jeder Hungerleider zum Piraten aufschwingen, und in der Karibik würde es vor Feiglingen wimmeln. Wer bereit ist zu töten, sollte vor allem auch bereit sein zu sterben…« Er deutete auf seine Wunden: »Aber so nun auch wieder nicht.«

Ein gequälter Ma

»Ich werde dir eine schwierige Mission anvertrauen.«

»Wie Ihr befehlt, Kapitän.«

»Manoel Cintra sagt, daß mich nur ein Mensch auf der Welt heilen ka

»Und wie überrede ich ihn dazu?«

»Wie man alle Welt überredet: mit Geld.« Er nahm die Hand des Jungen und drückte sie fest. »Biete ihm, was er verlangt, aber bring ihn her zu mir, de

Der Junge musterte sein abgemagertes, welkes Gegenüber, in dem sein alter Kapitän nicht wiederzuerke

»Warum habt Ihr mich ausgewählt? Warum schickt Ihr nicht Lucas Castano? Nach allem, was man mir erzählt hat, ke

»Weil ich ihn hier brauche, um die Disziplin an Bord aufrechtzuerhalten.« Er schnitt eine bittere Grimasse. »Und weil du der Schlaueste bist.«

»Danke!«

»Keine Ursache!« Wie ein Haken zeigte sein Finger auf ihn. »Denk dran, ich habe aber auch noch einen dritten Grund, dich auszuwählen.«

»Und der wäre?«

»Dein Vater«, entgegnete der Schotte mit größter Selbstverständlichkeit. »Er bleibt an Bord, und we

»Solche Drohungen sind u

»Die Friedhöfe sind voller Leute, die auf fremden Dank vertrauten. Manche halten einen guten Faustschlag für den besten Dank.«

»Ich nicht.«

»Das will ich hoffen, doch nur für den Fall, daß du deine Meinung änderst, bleibt dein Vater, wo er ist.« Er tätschelte ihm freundlich den Unterarm. »Und jetzt sag Lucas, daß er Kurs auf Cartagena nehmen und dir erklären soll, so gut er ka

Sechs Tage später gingen sie zwischen den Islas del Rosario vor Anker, einem wunderschönen Archipel mit kristallklarem Wasser, traumhaften Stränden und winzigen paradiesischen Inseln. Nachdem er eine Schaluppe zu Wasser gelassen und diese bis zum Bordrand mit verschiedenen Fischen gefüllt hatte, wies der Panamese nach Westen.

»We

Sebastian Heredia Matamoros befolgte alle Ratschläge der Nummer Zwei an Bord aufs Genaueste, we