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Also lief ich weg. Weil ich schon sechzehn war, haben sie sich wahrscheinlich keine besondere Mühe gegeben, mich zu suchen. Ich dachte mir, we

Gestern morgen war Baker um halb acht ins Büro gekommen, als Nick gerade Abfallkörbe ausleerte. Der Sheriff sah besser aus.

»Wie geht es Ihnen?« schrieb Nick.

»Ganz gut. Bis Mitternacht war ich heiß wie ein Ofen. Das schlimmste Fieber, das ich seit meiner Kindheit gehabt habe. Aspirin hat nicht geholfen. Jane wollte den Doc rufen, aber gegen halb eins war das Fieber plötzlich weg. Danach habe ich geschlafen wie ein Murmeltier. Und wie geht es dir?«

Nick machte mit Daumen und Zeigefinger einen Kreis.

»Wie geht es unseren Gästen?«

Nick machte den Mund ein paarmal auf und zu, um schnelles Sprechen anzudeuten. Machte ein wütendes Gesicht. Rüttelte an unsichtbaren Gitterstäben.

Baker warf den Kopf zurück und lachte, da

»Du solltest im Fernsehen auftreten«, sagte er. »Hast du deine Lebensgeschichte aufgeschrieben, wie du versuchen wolltest?«

Nick nickte und gab ihm die beiden handbeschriebenen Blätter. Der Sheriff setzte sich und las sie aufmerksam durch. Als er fertig war, sah er Nick so lange und durchdringend an, daß Nick einen Augenblick verlegen und verwirrt auf seine Füße starrte. Als er wieder aufsah, sagte Baker: »Du lebst, seit du sechzehn warst, allein? Sechs Jahre?«

Nick nickte.

»Und du hast wirklich diese ganzen High-School -Kurse gemacht?«

Nick schrieb eine Weile auf den Block. »Ich lag zurück, weil ich so spät lesen & schreiben lernte. Als das Waisenhaus zumachte, fing ich gerade an aufzuholen. Von dort bekam ich sechs Anrechnungspunkte für die High School und anschließend sechs weitere von La Salle in Chicago. Ich hatte auf einem Streichholzbriefchen davon gelesen. Jetzt brauche ich noch vier.«

»Was für Kurse brauchst du noch?« fragte Baker, da

Nick schrieb: »Geometrie, höhere Mathematik. Zwei Jahre Fremdsprache. Das verlangt das College.«

»Eine Fremdsprache. Du meinst wie Französisch? Deutsch? Spanisch?«

Nick nickte.

Baker lachte und schüttelte den Kopf. »Das schlägt doch alles. Ein Taubstummer lernt eine Fremdsprache sprechen. Nichts gegen dich, Junge. Aber das mußt du verstehen.«

Nick lächelte und nickte.

»Und warum hast du dich so viel herumgetrieben?«

»Als Minderjähriger wagte ich nirgends lange zu bleiben«, schrieb Nick. »Ich hatte Angst, sie würden mich wieder ins Waisenhaus stecken oder so. Als ich alt genug war, mir einen festen Job zu suchen, waren die Zeiten schlechter geworden. Sie haben gesagt, der Aktienmarkt wäre zusammengekracht oder so was, aber weil ich taub bin, habe ich es nicht gehört (ha-ha).«

»Man hätte dich wahrscheinlich fast überall weiterziehen lassen«, sagte Baker. »We

Nick nickte, um zu zeigen, daß er verstanden hatte.

»Wie geht es deinen Zähnen? Hast ja ordentlich eins aufs Maul bekommen.«

Nick zuckte die Achseln.

»Hast du eine Schmerztablette genommen?«

Nick hielt zwei Finger hoch.

»Hör zu, ich muß noch den Papierkram für die drei Jungs erledigen. Geh du an deine Arbeit. Wir reden später weiter.«

Dr. Soames, der Ma

»Big John hat mir erzählt, du ka

Nick knöpfte das blaue Arbeitshemd auf und zog es aus.

»Großer Gott, sieh sich einer das an«, sagte Baker.

»Die Kerle haben ganze Arbeit geleistet.« Soames sah Nick an und sagte trocken: »Junge, du hättest fast die linke Brustwarze verloren.«

Er deutete auf ein halbmondförmiges Stück Schorf über der Brustwarze. Nicks Bauch und sein Brustkorb sahen aus wie ein kanadischer So

»Das muß saumäßig weh tun«, sagte Soames, und Nick nickte kläglich. »Du wirst sie verlieren«, fuhr Somaes fort. »Du...« Er nieste dreimal in rascher Folge. »Entschuldigung.«

Er packte seine Utensilien wieder in die schwarze Tasche. »Die Prognose ist günstig, junger Ma

Nick schrieb: »Physiologisch. Geburtsfehler.«

Soames nickte. »Eine Schande. Aber denk positiv und danke Gott, daß er nicht auch noch dein Gehirn angetickt hat, wo er schon mal dabei war. Zieh das Hemd wieder an.«

Nick gehorchte. Er mochte Soames; in gewisser Weise eri

Soames sagte: »Ich werde in der Apotheke Bescheid sagen, daß sie dir noch Schmerztabletten geben sollen. Sag dem Geldsack hier, er soll sie bezahlen.«

»Ho-ho«, sagte John Baker.

»Er hat mehr Geld in Marmeladegläsern versteckt, als ein Schwein Warzen hat«, fuhr Soames fort. Er nieste wieder, putzte sich die Nase, wühlte in der Tasche und holte ein Stethoskop heraus.

»Vorsicht, Opa, sonst sperre ich dich wegen Trunkenheit und ungebührlichen Benehmens ein«, sagte Baker lächelnd.

»Ja, ja, ja«, sagte Soames. »Eines Tages wirst du das Maul so weit aufreißen, daß du selber reinfällst. Zieh das Hemd aus, John. Mal sehen, ob deine Titten noch so groß sind wie früher.«

»Mein Hemd ausziehen? Warum?«

»Weil deine Frau will, daß ich mal 'nen Blick auf dich werfe, deshalb. Sie glaubt, daß du ein kranker Ma

»Es war nur 'ne Erkältung«, sagte Baker und knöpfte widerwillig das Hemd auf. »Heute morgen geht's mir schon wieder besser. Um ehrlich zu sein, Ambrose, du hörst dich schlimmer an als ich.«

»Du stellst dem Arzt keine Diagnose, sondern er dir«, sagte Soames. Als Baker das Hemd auszog, wandte sich Soames an Nick und sagte: »Weißt du, es ist komisch, wie sich eine Erkältung verbreitet. Mrs. Lathrop liegt krank im Bett, die ganze Familie Richie, und die Armen an der Barker Road husten sich die Lungen aus dem Hals. Sogar Billy Warner da drin hustet sich einen ab.«