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Es war eine Krähe.
Der Richter beruhigte sich allmählich und brachte sogar ein zittriges Lächeln zustande.
Nur eine Krähe.
Sie saß draußen im Regen auf dem Fenstersims, die nassen, schwarzglänzenden Federn auf komische Weise zusammengeklebt, und betrachtete mit ihren kleinen Augen durch die tropfnasse Scheibe einen sehr alten Juristen und ältesten Amateurspion der Welt, der in Unterhose mit der Aufschrift LOS ANGELES LAKERS in Purpur und Gold und einem schweren juristischen Buch auf dem Bauch über einem Motelbett im westlichen Idaho lag. Die Krähe schien bei diesem Anblick zu grinsen. Der Richter entspa
Tack, tack, tack.
Die Krähe klopfte mit dem Schnabel an die Scheibe. Klopfte, wie sie vorher geklopft hatte.
Der Richter lächelte nicht mehr so sehr. Irgendwie gefiel ihm nicht, wie die Krähe ihn anstarrte. Sie schien immer noch fast zu grinsen, aber er hätte schwören kö
Tack, tack, tack.
Wie der Rabe, der sich auf der Büste der Pallas niedergelassen hatte. Wa
Werde ich heil zurückkommen?
Nimmermehr.
Tack, tack, tack.
Die Krähe sah ihn an, schien zu grinsen.
Eine traumgleiche Gewißheit, die seine Hoden zusammenzog, erfüllte ihn, dies warder dunkle Ma
Er betrachtete sie fasziniert.
Die Augen der Krähe schienen größer zu werden. Er bemerkte, dass sie rotgerändert waren, in der dunklen Farbe von Rubinen. Regenwasser tropfte. Die Krähe beugte sich vor und klopfte mit voller Absicht ans Glas.
Der Richter dachte: Ich glaube, sie will mich hypnotisieren. Vielleicht versucht sie es tatsächlich. Aber vielleicht bin ich für so etwas zu alt. Und angenommen ...es ist natürlich albern, aber angenommen, er ist es. Und angenommen, ich reiße das Gewehr mit einer raschen Bewegung hoch? Es ist vier Jahre her, daß ich zuletzt auf Tontauben geschossen habe, aber 1976 und 1979 war ich immerhin Klubmeister, und auch 1986 war ich noch ganz gut. Nicht toll, kein Band in diesem Jahr, darum habe ich aufgehört, mein Stolz war besser als meine Augen, aber immer noch Platz fünf von zweiundzwanzig. Und dieses Fenster ist näher als die Entfernung beim Tontaubenschießen. We
Die Krähe grinste ihn an. Jetzt war er ganz sicher, daß sie grinste. Mit einem plötzlichen Ruck setzte sich der Richter auf und riß mit sicherem Griff den Gewehrkolben an die Schulter - es ging besser, als er sich hätte träumen lassen. Die Krähe schien plötzlich von einer Art Entsetzen gepackt. Sie flatterte mit den rege
» NIMM DAS!« do
Aber der Abzug ließ sich nicht bewegen, de
Der Richter ließ die Garand auf den Schoß sinken und kam sich dumm und albern vor. Er sagte sich, daß es doch nur eine Krähe gewesen war, eine vorübergehende Ablenkung an diesem trüben Abend. We
Aber in dieser Nacht schlief er schlecht, schrak mehrere Male hoch und sah in der Überzeugung zum Fenster, daß er dort ein gespenstisches Klopfen gehört hatte. We
Aber die Krähe kam nicht wieder.
Am nächsten Morgen war er weiter nach Westen gefahren; seine Arthritis war nicht schlimmer geworden, aber auch nicht besser, und kurz nach elf Uhr machte er Pause in einem kleinen Cafe. Während er sein Sandwich verzehrte und aus seiner Thermosflasche Kaffee trank, sah er eine große Krähe einen halben Block entfernt auf einem Telefondraht landen. Der Richter beobachtete sie fasziniert, die rote Thermosflasche auf halbem Weg zwischen Tisch und Mund. Es war natürlich nicht dieselbe Krähe. Es mußte inzwischen Millionen Krähen geben, alle fett und unverschämt. Dies war jetzt eine Krähenwelt. Aber er wurde trotzdem das Gefühl nicht los, daß es dieselbe Krähe war, und er verspürte eine Vorahnung von Unheil, eine schleichende, resignierte Erke
Er fuhr weiter. Und ein paar Tage später, Viertel nach zwölf Uhr mittags, mittlerweile in Oregon und auf dem Highway 86 nach Westen unterwegs, fuhr er durch die Stadt Copperfield, ohne das Five -and-Dime, wo Bobby Terry ihn mit vor Fassungslosigkeit offenem Mund sah, auch nur eines Blickes zu würdigen. Die Garand lag neben ihm auf dem Sitz, entsichert, eine Schachtel Munition daneben. Der Richter hatte beschlossen, jede Krähe zu erschießen, die er sah.
Nur aus Prinzip.
»Schneller! Ka
»Geh mir nicht auf den Wecker, Bobby Terry. Nur weil du geschlafen hast, mußt du mir nicht auf den Wecker gehen.«
Dave Roberts saß am Steuer des Willys International, der mit der Schnauze zur Straße neben dem Five and Dirne geparkt hatte. Bis Bobby Terry Dave geweckt und dieser sich angezogen hatte, hatte der alte Kerl mit seinem Scout schon einen Vorsprung von zehn Minuten gehabt. Es regnete in Strömen, die Sicht war schlecht. Bobby Terry hielt eine Winchester auf dem Schoß. In seinem Gürtel steckte ein 45er Colt.
Dave, der Cowboystiefel, Jeans, einen gelben Regenmantel und sonst nichts trug, sah ihn an.
»Du mußt ihn nur einholen«, sagte Bobby Terry. Er murmelte vor sich hin: »In den Bauch. Ich muß ihn in den Bauch treffen. Da
»Hör auf mit deinen Selbstgesprächen. Wer Selbstgespräche führt, spielt auch an sich selbst rum. Das ist meine Meinung.«
»Wo ister?« fragte Bobby Terry.
»Wir kriegen ihn. We
»Ich habe es nicht geträumt. Das war der Scout. Aber we
»Wo abbiegt? Bis zur Interstate gibt es nur Feldwege. Auf denen kommt er keine zehn Meter weit, ohne bis zu den Stoßstangen im Schlamm steckenzubleiben, mit oder ohne Allradantrieb. Nur die Ruhe, Bobby Terry.«
Bobby Terry sagte kläglich: »Ich ka
»Laß das! Sieh dort! Siehst'n? Wir schnuppern ihm schon am Arsch!«
Vor ihnen war es - wahrscheinlich vor Minuten - zu einem Frontalzusammenstoß zwischen einem Chevy und einem schweren Buick gekommen, die im Regen die Straße versperrten wie die Knochen unbegrabener Mastodons.
Rechts waren frische Reifenspuren auf der Böschung zu sehen.
»Das ist er«, sagte Dave. »Die Spuren sind keine fünf Minuten alt.«