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»Deswegen hätte sie ihn aber doch heiraten kö

»Zufällig ist Alaina verrückt danach, Kinder zu kriegen. Und Bjoot muß, so blöd er auch aussieht, der Träger geradezu phantastischer Gene sein. Mit ihm hat sie die Konzession für zwei Kinder gekriegt.« Gham’bia seufzte. »Jedenfalls hoffe ich, daß sie ihn wenigstens aus diesem Grund geheiratet hat und nicht, weil sie an galoppierender Geschmacksverirrung erkrankt ist.« Sie sah ihn keck von der Seite an. »Und du bist also der Tonak, der die ganzen alten Bücher liest.«

»Jeder scheint hier über mich Bescheid zu wissen«, wunderte sich Tonak. Er wußte nicht so recht, ob er sich geschmeichelt oder unwohl fühlen sollte.

»Ich glaube, meine Mutter und deine Mutter telephonieren ziemlich viel miteinander. Und am Eßtisch verkündet sie da

»Bei uns im Wohnbereichszentrum gibt es eine Bibliothek; dorthin gehe ich immer zum Lesen«, erzählte Tonak.

»Und dort gibt es so alte Bücher? Dreihundert Jahre alt?«

»Ja. Manche sind sogar über vierhundert Jahre alt. Man darf sie nur in einem speziellen Lesesaal lesen, weil sie unerhört wertvoll sind.«

»Ist ja witzig. Ich muß mich glatt mal erkundigen, ob es sowas bei uns nicht auch gibt.«

»Bestimmt.«

»Und was für Bücher liest du da? Abenteuerromane, sagt meine Mutter, aber ich ka

Tonak holte tief Luft. »Das sind spa

»Merkwürdig. Und das gefällt dir?«

»Ja, es ist einfach aufregend. Ich versuche immer, mir vorzustellen, was das für Zeiten gewesen sein müssen, als jemand zu einem anderen Erdteil aufbrechen ko

»Das muß ziemlich gefährlich gewesen sein, oder?«

»Ja natürlich, das ist ja das Abenteuerliche daran: daß sie sich in Gefahr begaben und sie doch bewältigten, mit ihrer eigenen Kraft und Klugheit. Heutzutage ist das überhaupt nicht mehr möglich. Heute sieht es überall auf der Welt gleich aus, die ganze Erde ist eine Art Parklandschaft geworden, sauber, gepflegt und ungefährlich. Das ganze Leben läuft in seinen geregelten Bahnen.«

»Ich glaube, du bist ein ganz schöner Träumer, Cousin«, meinte Gham’bia. »Das war doch klar: we

Tonak nickte betrübt. »Ja, sicher. Das weiß ich alles auch. Aber ist das de

»Das ist doch schon eine ganze Menge«, meinte Gham’bia. »Was willst du de

»Ich weiß nicht«, gab Tonak zu. »Ich habe nur irgendwie das Gefühl, daß das nicht genug ist.«

Gham’bia schüttelte den Kopf in einer Art, die etwas Mütterliches an sich hatte, trotz ihrer Jugend. »Ich glaube, du bist gerade in einer Umbruchsphase. Die Schule geht zu Ende, und du weißt noch nicht so recht, was kommt. We

Eine Umbruchsphase? Tonak seufzte i

Wahrscheinlich stimmte irgendwas mit ihm nicht.

»Liest du eigentlich nur solche alten Abenteuerromane?« fragte Gham’bia. »Sonst nichts? Das ist vielleicht ein bißchen einseitige Kost.«

Tonak dachte nach. Plagte ihn diese Sehnsucht, weil er so viele dieser Bücher las, oder las er so viele dieser Bücher, weil ihn diese Sehnsucht plagte – woher auch immer sie kommen mochte?

»Ich lese ziemlich viel, das stimmt«, gab er zu. »Und meistens Abenteuerromane. Manchmal auch Zukunftsromane.«

»Zukunftsromane?« wunderte sich Gham’bia. »Was ist de

»Das sind Erzählungen, wie sich die Leute früher ihre Zukunft vorstellten – also unsere Zeit heute. Fast alle waren davon überzeugt, daß wir über eine weitentwickelte Raumfahrt verfügen würden. Ich habe viele Romane gelesen, die beschreiben, wie Menschen der Zukunft mit Raumschiffen in die Tiefen des Weltraums vorstoßen, ferne Planeten erkunden und fremden Lebewesen begegnen.«

»So ein Unsi

»Muß man de

»Raumfahrt würde die Atmosphäre verschmutzen, und irgendwelche Raketen, die durchs All fliegen, ka

»Aber wozu sind wir de

»Wir sind nicht geschaffen, wir sind entstanden. Und zufällig sind auch die Ringe des Saturn entstanden. Das eine hat nichts mit dem anderen zu tun. Und we

Tonak wußte nicht, was er darauf sagen sollte. Alles, was er gelernt und erfahren hatte, bestätigte ihm, daß Gham’bia recht hatte.

Sie hatten den Rundgang über den Parkweg gerade vollendet. »Komm«, forderte Gham’bia ihn auf, »setzt dich ein wenig zu uns an den Tisch.«

An dem Tisch herrschte eine ausgelassene Stimmung. Den Löwenanteil der Unterhaltung bestritt eine hochgewachsene blonde Frau mit dem Erzählen von Anekdoten. Das mußte Tante Vataia sein. Tonak wußte, daß sie seit einiger Zeit der Regierung von Südbrasilien angehörte und in allerlei wichtigen Gremien mitwirkte.

»…Die Bolivianer waren harte Burschen, wirklich hart. Da war harter Widerstand. Aber da

»Bolivien!« warf eine untersetzte ältere Frau ein. »Ich weiß noch, wie entsetzt ich auf meiner ersten Reise dorthin war. Die klotzen ihre Häuser einfach in die Landschaft, und manchmal ihre Fabriken gleich daneben. Schrecklich. Wirklich tiefstes zwanzigstes Jahrhundert, möchte man meinen.«

Eine kleine Weckuhr, die Tante Vataia an einer silbernen Kette um den Hals trug, gab einen melodischen Ton von sich. Sie sah auf das Zifferblatt, da

Ein großes und lautstarkes Tischerücken, Stühleschleifen und Schüsseltragen brach los. Unter Gekicher und Geschnatter wurden Türen geöffnet, Vorhänge aufgezogen, Tischdecken zusammengefaltet und Anrichteplatten leergescharrt. Tonak überließ die klirrenden Getränkekisten den anderen und half den Frauen, die Kerzen von den Tischen einzusammeln und nach dri