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»Ich habe überhaupt nichts verstanden.«

»Ach komm, das ist doch offensichtlich!«

Endlich erreichten wir das Erdgeschoss und stiegen aus.

In der Eingangshalle waren viele Leute, aber niemand beachtete uns. Lion fasste mich an den Schultern und flüsterte mir ins Ohr: »Von ihnen gibt es hier doch sicherlich einen ganzen Haufen! Jungs, die zu Phagen erzogen werden. Da ist es doch logisch, dass sie auch mal ein Abenteuer erleben wollen… Und da

»Es war nicht richtig, dass du ihn geärgert hast«, murmelte ich. »Er hätte dich an der Wand breit schmieren kö

»Er sieht aber doch ganz schwindsüchtig aus!«

»Na und? Er ist doch ein Phag. Vielleicht lernt er von Geburt an sich zu schlagen.«

»O Gott! Ich bekomme Gänsehaut vor Angst!«, giftete Lion. Da

»Mir gefällt das nach wie vor nicht«, meinte ich.

»Vielleicht sollten wir es Ramon sagen?«

Ich überlegte und schüttelte den Kopf:

»Nein! Besser Stasj. Aber vielleicht lohnt es sich nicht, darüber zu sprechen.« Wir hätten im Café der Phagen essen kö

Ein paar Straßen von der Zentrale der Phagen entfernt war der Supermarkt »Marks Spencer« mit einem großen Dachrestaurant. Dorthin gingen wir. Fast alle Tische waren besetzt, doch wir fanden ein kleines Tischchen an der Glaswand. Die Wand war transparent und uneben, so als ob sie das Dachgeschoss wie eine Kuppel mit einer Vielzahl von Ausbuchtungen umgab, unter denen die Tische standen. Das war sehr interessant, sogar der Boden unter den Füßen war transparent. Weit unter uns fuhren Autos, leuchteten Scheinwerfer und bewegten sich winzige Menschen auf den Fußgängerwegen. Es war noch nicht allzu spät, aber es schneite und bega

»Mir gefällt es hier«, meinte Lion.

»Hm.«

»Ich meine nicht das Restaurant«, erläuterte Lion. »Ich spreche vom Planeten allgemein. Was glaubst du, werden meine Eltern die Genehmigung erhalten, hierherzukommen?«

»We

Lion nickte und schaute verzaubert nach unten. »Das ist sicherlich wegen des Schnees. Ich habe immer gern über den Winter gelesen. Wirst du mich auch nicht auslachen?«

»Wieso? Bestimmt nicht!«

»Bei uns, auf der Station, habe ich einmal ein Gesuch an die Administration gerichtet. Dass sie Winter machen.«

»Ja und?«

»Alles vergebens. Ich bekam eine offizielle Antwort, dass es nicht möglich wäre. Erstens wäre die Klimaanlage dazu nicht ausgelegt. Und da

Er verstummte. Ich dachte an unsere Kuppel und wurde ebenfalls traurig.

»Das ist wie im Altertum«, meinte ich. »Als die Leute glaubten, dass der Planet flach sei und einer Scheibe ähneln würde.«

»Geht das de

»Damals sind sie noch nicht in den Weltraum geflogen. Und auf dem Planeten merkt man ja nicht, dass er eine Kugel ist.«

Lion dachte nach und war einverstanden, dass es wirklich nicht offenkundig ist.

Wir bekamen unser Essen. Lion hatte sich Tortillas mit Fleisch und scharfen Gewürzen, sie hießen Enchiladas, ausgesucht. Ich hatte keinen großen Appetit und mir deshalb nur einen Salat und ein heißes Sandwich bestellt. Der Salat schmeckte gut. Er war in einer großen Kristallschale angerichtet, mit Huhn und Gemüse. Das Sandwich war auch akzeptabel.

»Und morgen werden wir schon im Zeitkanal fliegen…«, flüsterte Lion. »Ka

»Lion…«

»Ich spreche doch ganz leise…«

Tief über dem transparenten Dach flog ein Flyer. Er setzte auf dem Landeplatz auf und wurde sofort von einem Kraftfeld gegen den Schnee abgeschirmt. Eine Frau mit einem kleinen Mädchen stieg aus und sie gingen zum Fahrstuhl. Sicherlich wollten sie einkaufen. Und es interessierte sie überhaupt nicht, dass zwei Jungs sich darauf vorbereiteten, auf den Planeten Neu-Kuweit zu fliegen. Und überhaupt interessierte das auch niemanden im Restaurant. Weil die Leute hierherkamen, um einzukaufen, ein Bier zu trinken und gut zu essen und da

Wer brauchte de

Sie waren ja nicht in Gefahr! Es gab ja den Imperator, die Armee, die Phagen! Und massenhaft unterentwickelte Planeten, wo man nicht einmal frei atmen ko

»Tikkirej…«, fragte Lion leise. »Was ist mit dir?«

Ich schwieg, wandte jedoch meine Augen vom Saal und wischte mit dem Ärmel meine dummen Tränen ab.

»Tikkirej, ich werde nicht mehr angeben«, versprach Lion schuldbewusst. »Das habe ich gemacht, ohne nachzudenken, sicher, weil ich Angst habe. Und deshalb das alles… Auch mit diesem kleinen Phagen, und überhaupt…«

»Das ist nicht der Grund«, flüsterte ich. »Ich finde es nur gemein…«

Er verstand.

»Ich auch, Tikkirej.«

»Ich glaube nämlich… mir scheint, ich ka

»Was heißt hier aus Mitleid!«, schnaubte Lion. »Mir vielleicht — aus Mitleid. Aber du hast Stasj geholfen! We

Er hatte Recht, aber trotzdem…

»Ich möchte etwas beweisen«, sagte ich. »Etwas wirklich Wichtiges vollbringen.«

»Bist du etwa verpflichtet, irgendjemandem irgendetwas zu beweisen?«, fragte Lion. »Das ist dumm! Das ist Kinderkram. So!«

Er verzog das Gesicht und streckte mir die Zunge heraus.

»Warum verstehst du das de

Ich verstummte und Lion kam mir zu Hilfe:

»Sie sind gestorben, das hast du gesagt. Das tut mir sehr leid, aber musst du deshalb etwa dein Leben riskieren?«

»Du weißt nicht alles. Sie sind nicht einfach gestorben, Lion. Bei uns ist das so… Jeder Mensch bekommt ein bestimmtes Guthaben für die Nutzung der Lebenserhaltungssysteme. Für gefilterte Luft, Wasser und Schutz gegen die Radioaktivität. Das Guthaben ist für ein ganzes Leben bestimmt, deckt aber nur einen Teil der Ausgaben. Den Rest muss man erarbeiten. Meine Eltern hatten ihre Arbeit verloren… und ihre gesamte Sozialration verbraucht. Als ihnen klar wurde, dass sie nie wieder Arbeit finden würden…«

»Sie… wurden ermordet?« Lion bekam große Augen.

»Nein. Man hätte uns aus den Kuppeln vertrieben. Die Eltern und mich. Und außerhalb der Kuppeln lebt man nicht lange. Deshalb gingen meine Eltern ins Euthanasie-Zentrum, es ne