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Wir befanden uns immerhin unter Feinden. Auf dem Territorium des Inej.

Weitere drei Autos fuhren an uns vorbei. Aber nicht eines davon hielt an, obwohl wir nach Kräften Zeichen gaben. Sie versuchten nicht einmal uns zu mustern.

»Als ob sie über uns Bescheid wissen würden«, argwöhnte Lion.

»Genau! Vielleicht sollten wir die Straße verlassen?«

»Ka

Das schafften wir aber nicht.

Der Flyer flog so hoch, dass wir ihn erst bemerkten, als er zur Landung ansetzte. Direkt auf der Straße, ungefähr zehn Meter vor uns. Der Pilot benutzte sogar die Motorbremse und wir wurden spürbar von einer Luftwelle getroffen.

»Wir sind auf dem Weg in die Stadt«, flüsterte ich. »Nur ruhig…«

Vier Gestalten, drei Mä

»Grüßt euch, Jungs«, sagte die Frau und tastete uns dabei mit ihren Augen ab, vorsichtig und unwillig.

»Guten Tag«, antwortete ich, Lion murmelte auch irgendetwas.

»Warum seid ihr nicht in der Schule?«, fragte die Frau.

Alle vier kamen auf uns zu. Sie schienen zwar keinen Verdacht geschöpft zu haben, hielten sich aber gleichzeitig in einiger Entfernung. Was war de

»Tja…«, ich warf einen Blick auf Lion. »Wir durften schon nach Hause gehen, der Unterricht war zu Ende.«

Sie sahen sich dermaßen erstaunt an, als ob ich eine unglaubliche Dummheit geäußert hätte.

»Irgendetwas stimmt hier nicht«, überlegte die Frau laut. »Seltsam! Steigt in den Flyer ein!«

Einer ihrer Begleiter trat vor und hob seine Hand, in der er ein Gerät hielt. Er richtete es erst auf mich, danach auf Lion.

Das Gerät bega

»Hinlegen! Hände in den Nacken!«, schrie die Frau.

Die Mä

»Keine Bewegung!« Blitzschnell hatte Lion sich hingekniet und seine Pistole auf sie gerichtet. Die Frau sprang ihn an und versuchte ihn umzustoßen. Ich schaffte es mit Müh und Not, meine Hand nach vorne zu strecken — und die Schlange, die als flexibles, silbernes Band herausschnellte, schlug sich der Frau als Schlinge um den Hals. Sie stürzte.

Einer der Mä

Und vom Himmel näherte sich lärmend im Sturzflug noch ein Flyer!

»Nichts wie weg, Lion!«, schrie ich und fasste ihn an der Schulter. »Schnell!«

Lion schoss mehrmals nach oben, als ob er versuchen wollte, den Flyer mit einer Schockpistole zum Absturz zu bringen. Und wir flüchteten.

So schnell wir ko

Etwas Schweres und Heißes fiel mir in den Rücken. In meinem Magen blubberte es und mir schnürte es die Kehle zu. Meine Beine trugen mich nicht mehr, ich stürzte, stieß mir schmerzhaft die Knie auf und streckte mich auf dem heißen Beton aus. Meine Wange streifte über die raue Oberfläche des Betons und Schmerz flammte auf. Mein Herz klopfte wie wild. Mein Hemd wurde schnell von Blut durchtränkt. Mit letzten Kräften wandte ich den Kopf und sah in den Händen der Frau einen Blaster, dessen Lauf noch dampfte.

Da

»Na, und?«, fragte Ramon.

Zuerst schaute ich auf meinen Bauch. Da

Im Nebensessel rutschte Lion hin und her. Er schaute mich betrübt an und sagte: »Mir haben sie die Beine gebrochen…«

Wir befanden uns in einem kleinen Zimmer, dem virtuellen Klassenraum. Sicher wurden auch die Phagen hier unterrichtet. Vor den Fenstern hingen Vorhänge, gedämpfte Lampen beleuchteten den Raum. Es gab weitere fünf Sessel mit virtuellen Terminals, aber sie standen leer.

Im Raum befanden sich nur Lion und ich sowie Ramon im Sessel des Lehrers. Ich hatte keine Ahnung, ob er in die Rolle eines unserer Feinde geschlüpft war oder wir mit einem Programm zu kämpfen hatten. Fragen wollte ich jedoch nicht.

»Was habt ihr falsch gemacht?«, fragte Ramon.

»Es war ein Fehler, auf die Straße zu gehen«, antwortete Lion.

Ramon zuckte mit den Schultern. »Ist es nicht egal, wo sie euch erwischt hätten?«

»Es war falsch, dass wir Waffen mitgenommen haben«, gab ich kleinlaut zu. »Es ist unmöglich, zu zweit gegen eine Armee zu kämpfen.«

Ramon nickte. »Das kommt der Wahrheit schon näher! Jungs, denkt daran, die Variante einer totalitären Kontrolle ist recht unwahrscheinlich, aber am gefährlichsten.«

»Aber mir hat die Anarchie noch weniger gefallen«, widersprach Lion.

»Die ist auch unangenehm«, stimmte Ramon zu. »Die Konsequenz ist die gleiche — keine Gewaltakte! Sie bewirken nichts! Ihr seid keine Phagen. Und keine Spezialtruppen des Imperiums. Ihr seid Beobachter! Zwei Jugendliche, auf die das Codierungsprogramm nicht gewirkt hatte. Ihr wart erschrocken, seid in den Wald geflüchtet und habt euch dort über einen Monat aufgehalten. Ihr habt euch verirrt, seid im Kreis gelaufen und habt endlich den Weg zur Stadt gefunden. Ihr dürft keine Angst vor Polizisten haben, ganz im Gegenteil — ihr müsst ihnen entgegenlaufen, euch dem ersten Menschen, den ihr seht, um den Hals werfen, weinen und um Essen betteln!«

Lion blies sich auf. Dieser Rat gefiel ihm überhaupt nicht.

»We

Lion stöhnte und meinte unwillig: »Ja. Und wie werden wir aussehen nach einem Monat im Wald?«

Ramon lächelte: »Gleich werdet ihr es sehen!«

Er gab den Befehl über den Radioshunt. Über seinem Schreibtisch bildete sich ein Bildschirm. Auf dem Bildschirm erschienen Lion und ich — genau so, wie wir gerade erst in der virtuellen Realität ausgesehen hatten. Lion in einem neuen Jeansanzug und Turnschuhen. Ich in hellen Hosen, einem Hemd und einer Baseballkappe mit einem Schild, das wie ein Chamäleon seine Farbe der Umgebung anpasste.

»Das sieht gar nicht nach unfreiwilligen Scouts aus«, stimmte Ramon zu. »Und jetzt versuchen wir Folgendes…«

I

Es sah ganz so aus, als würde ich die gleichen Hosen tragen, nur waren die jetzt abgetragen, grau von Schmutz und unter dem Knie abgerissen. Die Baseballkappe fehlte und an Stelle des Hemdes erschien ein zerrissenes T-Shirt. Lion verblieb die Jeansjacke, jedoch abgetragen und an den Ärmeln eingerissen, das Hemd verschwand ganz. Die Jeanshosen waren voller Flecke und durchgescheuert. An meinen Füßen sah ich ausgelatschte Sandalen, Lion ging barfuß. Beide waren wir so