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Alexander Kent
Bruderkampf
Richard Bolitho, Kapitän in Ketten
«Gewiß, die Früchte der Erde werde ich nicht ernten. Doch sammle ich dafür den Blumenflor der See.»
I Die Phalarope
Das Jahr 1782 war erst drei Tage alt. Stetiger Nieselregen, von auffrischendem südlichem Wind getrieben, fegte durch die engen Straßen von Portsmouth Point und ließ die dicken Mauern der alten Festungsanlagen wie poliertes Metall glänzen. Eine dichte, bleifarbene Wolkendecke zog drohend über die zusammengedrängten Gebäude, so daß das Licht, obwohl es erst gegen Mittag war, fahl und bedrückend wirkte.
Wirklich lebendig war nur die See. Der Meeresarm des Solent wurde von heftigen Böen aufgewühlt; im Gegensatz zu dem stumpfen Grau der Höhenzüge der Insel Wight und des regenverschleierten Kanals zeigten die Wellenkämme in dem entstellenden Licht eine sonderbar gelbe Tönung.
Kapitän Richard Bolitho stieß die Tür des King George I
In einem anderen Zimmer saßen Offiziere schweigend um mehrere kleine Tische und studierten ihre Spielkarten und die Gesichter ihrer Gegner. Nur wenige sahen auf, als Bolitho eintrat. Nach all den Jahren des Krieges und der Unruhe hätte in Portsmouth höchstens ein Ma
Bolitho seufzte und betrachtete sich flüchtig im Wandspiegel. Er war groß, und der blaue Rock mit den Goldtressen kleidete ihn gut. Das weiße Hemd und die weiße Weste unterstrichen die ungewöhnliche Bräune seines Gesichtes. Obwohl die Rückreise von Westindien lange gedauert hatte, war sein Körper noch immer nicht auf den englischen Winter eingestellt. Deshalb blieb er noch ein wenig länger stehen, um sich aufzuwärmen.
Ein Diener hüstelte höflich neben ihm.»Verzeihung, Sir, aber der Admiral erwartet Sie in seinem Zimmer. «Mit kaum angedeuteter Geste wies er auf die Treppe.
«Danke. «Bolitho warf einen letzten Blick in den Spiegel.
Doch der Blick verriet weder Eitelkeit noch persönliches Interesse. Eher lag etwas von der kalten Prüfung darin, mit der Bolitho einen Untergebenen gemustert hätte.
Bolitho war sechsundzwanzig Jahre alt, aber seine unbewegten Züge und die tiefen Falten im Gesicht ließen ihn älter erscheinen. Fast heftig schob er das schwarze Haar aus der Stirn.
Knapp einen Zoll über dem Auge bega
Vizeadmiral Sir Henry Langford stand, die Füße leicht gespreizt, dicht vor dem höchsten Holzfeuer, das Bolitho je gesehen hatte. Seine betreßte Uniform glitzerte im Schein der tanzenden Flammen, und sein mächtiger Schatten fiel quer durch das geräumige Zimmer.
Die beiden Mä
Da
Als kö
Bolitho wartete geduldig. Das eine hatten ihn seine vierzehn Dienstjahre zumindest gelehrt: ältere Vorgesetzte hatten ihre eigene Art, zur Sache zu kommen. Und gewöhnlich dauerte es eine Weile.
Der Admiral ging schwerfällig zum Tisch und schenkte zwei große Gläser Bra
Bolitho trank vorsichtig, wobei er seinen Vorgesetzten über den Rand des Glases hinweg studierte. Er war erst vor drei Tagen, gerade zum Jahreswechsel, aus Westindien zurückgekehrt. Sein Schiff, seine geliebte Sparrow, war zur Überholung auf die Werft gekommen, während ihre weniger glückliche Besatzung über die ewig hungrige Flotte verteilt worden war, um die klaffenden Lücken aufzufüllen, die Tod oder Verstümmelung gerissen hatten. Die meisten Leute der Korvette waren seit sechs Jahren nicht mehr in der Heimat gewesen. Sie hatten gehofft, mit ihrem kleinen, aber wohlverdienten Prisengeld ihre Angehörigen besuchen zu kö
Die blassen Augen hefteten sich plötzlich auf Bolithos Gesicht.»Ich gebe Ihnen die Phalarope, Bolitho. «Der Admiral beobachtete, wie es in dem Gesicht des jungen Kapitäns arbeitete.»Sie liegt draußen vor Spithead, bereit zum Auslaufen. Eine schönere Fregatte hat es nie gegeben.»
Bolitho stellte das Glas langsam auf den Tisch, um Zeit zu gewi
Ruhig sagte er:»Sie erweisen mir eine große Ehre, Sir.»
«Unsi
«Ich hatte einen ausgezeichneten Lehrer, Sir.»
Der Admiral nickte.»Ja, das waren große Tage, wie? Große Tage. «Er schüttelte sich und goß sich noch einen Bra
Bolitho spitzte die Ohren. Blockadedienst, das war nichts Neues. Bei dem Bemühen, französische Schiffe am Auslaufen aus den Kanalhäfen zu hindern, wurden die Fregatten gebraucht wie das liebe Brot. Fregatten waren Mädchen für alles. Sie besaßen genügend Feuerkraft, um es im offenen Kampf mit jedem Schiff aufzunehmen, außer mit Linienschiffen. Und sie waren schnell genug, ein Linienschiff auszumanövrieren. Daher waren sie ständig gefragt. Was die Aufmerksamkeit Bolithos sogleich erregte, war die Betonung, die der Admiral auf» bisher «legte. Also lagen neue Befehle vor. Vielleicht sollte das Schiff nach Süden, um die belagerte Festung Gibraltar zu entlasten.
Der Admiral fuhr rauh fort:»Die meisten Schiffe verfaulen von außen. Wind und See sind grausame Herren, sie spielen selbst dem besten Holz übel mit. «Sein Blick haftete an den Fenstern, gegen die der Regen schlug.»Aber die Phalarope verfaulte von i