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8.
Die Baracken im Heidelager ke
Den Dienst mache ich mechanisch. Abends bin ich fast stets im Soldatenheim, da liegen Zeitschriften aus, die ich aber nicht lese; es steht jedoch ein Klavier da, auf dem ich gern ‘ spiele. Zwei Mädchen bedienen, eins davon ist jung. Das Lager ist von hohen Drahtzäunen umgeben. We
Zwischen Wacholderbüschen und Birkenwäldern üben wir jeden Tag Kompanieexerzieren in der Heide. Es ist zu ertragen, we
Ich verliere mich oft an dieses Spiel zartester Lichter und durchsichtiger Schatten, so sehr, daß ich fast die Kommandos überhöre; – we
Sie schleichen um unsere Baracken und revidieren die Abfallto
Trotzdem wird natürlich alles gegessen. We
Dieses dü
Es ist sonderbar, diese unsere Feinde so nahe zu sehen. Sie haben Gesichter, die nachdenklich machen, gute Bauerngesichter, breite Stirnen, breite Nasen, breite Lippen, breite Hände, wolliges Haar. Man müßte sie zum Pflügen und Mähen und Apfelpflücken verwenden. Sie sehen noch gutmütiger aus als unsere Bauern in Friesland.
Es ist traurig, ihre Bewegungen, ihr Betteln um etwas Essen zu sehen. Sie sind alle ziemlich schwach, de
Es gibt Leute, die ihnen einen Tritt geben, daß sie umfallen; – aber das sind nur wenig. Die meisten tun ihnen nichts, sie gehen an ihnen vorbei. Mitunter, we
Abends kommen sie in die Baracken und handeln. Sie tauschen alles, was sie haben, gegen Brot ein. Es gelingt ihnen manchmal, de
Aber fast alle Russen haben längst ihre Sachen abgegeben, die sie hatten. Sie tragen nur noch erbärmliches Zeug und versuchen kleine Schnitzereien und Gegenstände, die sie aus Granatsplittern und Stücken von kupfernen Führungsringen gemacht haben, zu tauschen. Diese Sachen bringen natürlich nicht viel ein, we
Ich bin öfter auf Wache bei den Russen. In der Dunkelheit sieht man ihre Gestalten sich bewegen, wie kranke Störche, wie große Vögel. Sie kommen dicht an das Gitter heran und legen ihre Gesichter dagegen, die Finger sind in die Maschen gekrallt. Oft stehen viele nebeneinander. So atmen sie den Wind, der von der Heide und den Wäldern herkommt.
Selten sprechen sie, und da
Die Landsturmleute, die sie bewachen, erzählen, daß sie anfangs lebhafter waren. Sie hatten, wie das immer ist, Verhältnisse untereinander, und es soll oft mit Fäusten und Messern dabei zugegangen sein. Jetzt sind sie schon ganz stumpf und gleichgültig, die meisten onanieren nicht einmal mehr, so schwach sind sie, obschon es doch damit sonst oft so schlimm ist, daß sie es sogar barackenweise tun.
Sie stehen am Gitter; manchmal schwankt einer fort, da
Ich sehe ihre dunklen Gestalten. Ihre Barte wehen im Winde. Ich weiß nichts von ihnen, als daß sie Gefangene sind, und gerade das erschüttert mich. Ihr Leben ist namenlos und ohne Schuld; – wüßte ich mehr von ihnen, wie sie heißen, wie sie leben, was sie erwarten, was sie bedrückt, so hätte meine Erschütterung ein Ziel und kö
Ein Befehl hat diese stillen Gestalten zu unsern Feinden gemacht; ein Befehl kö
Ich erschrecke; hier darf ich nicht weiterdenken. Dieser Weg geht in den Abgrund. Es ist noch nicht die Zeit dazu; aber ich will den Gedanken nicht verlieren, ich will ihn bewahren, ihn fortschließen, bis der Krieg zu Ende ist. Mein Herz klopft: ist hier das Ziel, das Große, das Einmalige, an das ich im Graben gedacht habe, das ich suchte als Daseinsmöglichkeit nach dieser Katastrophe aller Menschlichkeit, ist es eine Aufgabe für das Leben nachher, würdig der Jahre des Grauens?
Ich nehme meine Zigaretten heraus, breche jede in zwei Teile und gebe sie den Russen. Sie verneigen sich und zünden sie an. Nun glimmen in einigen Gesichtern rote Punkte. Sie trösten mich; es sieht aus, als wären es kleine Fensterchen in dunklen Dorfhäusern, die verraten, daß dahinter Zimmer voll Zuflucht sind.
Die Tage gehen hin. An einem nebeligen Morgen wird wieder ein Russe begraben; es sterben ja jetzt fast täglich welche. Ich bin gerade auf Wache, als er beerdigt wird. Die Gefangenen singen einen Choral, sie singen vielstimmig, und es klingt, als wären es kaum noch Stimmen, als wäre es eine
Orgel, die fern in der Heide steht.
Die Beerdigung geht schnell.
Abends stehen sie wieder am Gitter, und der Wind kommt von den Birkenwäldern zu ihnen. Die Sterne sind kalt. Ich ke
Er spielt wohl Volkslieder; de
Es sind dunkle Hügel, die tief unterirdisch summen. Die Geigenstimme steht wie ein schlankes Mädchen darüber und ist hell und allein. Die Stimmen hören auf, und die Geige bleibt – sie ist dü
Ich bekomme keinen Urlaub über So