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Die Lehre vom besten Stile.  — Die Lehre vom Stil ka

Auf den Gang acht geben.  — Der Gang der Sätze zeigt, ob der Autor ermüdet ist; der einzelne Ausdruck ka

Schon und noch.  —

A: Die deutsche Prosa ist noch sehr jung: Goethe meint, daß Wieland ihr Vater sei.

B: So jung und schon so häßlich!

C: Aber — soviel mir beka

B: So alt und noch so häßlich!

Original-deutsch.  — Die deutsche Prosa, welche in der Tat nicht nach einem Muster gebildet ist und wohl als originales Erzeugnis des deutschen Geschmacks zu gelten hat, dürfte den eifrigen Anwälten einer zukünftigen, originalen, deutschen Kultur einen Fingerzeig geben, wie etwa, ohne Nachahmung von Mustern, eine wirklich deutsche Tracht, eine deutsche Geselligkeit, eine deutsche Zimmereinrichtung, ein deutsches Mittagsessen aussehen werde. — Jemand, der längere Zeit über diese Aussichten nachgedacht hatte, rief endlich in vollem Schrecken aus:»Aber, um des Himmels willen, vielleicht haben wir schon diese originale Kultur — man spricht nur nicht gerne davon!»

Verbotene Bücher.  — Nie etwas lesen, was jene arroganten Vielwisser und Wirrköpfe schreiben, welche die abscheulichste Unart, die der logischen Paradoxie haben: sie wenden die logischen Formen gerade dort an, wo alles im Grunde frech improvisiert und in die Luft gebaut ist. (»Also «soll bei ihnen heißen» du Esel von Leser, für dich gib es dies `also' nicht — wohl aber für mich«— worauf die Antwort lautet:»du Esel von Schreiber, wozu schreibst du de

Geist zeigen.  — Jeder, der seinen Geist zeigen will, läßt merken, daß er auch reichlich vom Gegenteil hat. Jene Unart geistreicher Franzosen, ihren besten Einfällen einen Zug von dédain beizugeben, hat ihren Ursprung in der Absicht, für reicher zu gelten, als sie sind: sie wollen lässig schenken, gleichsam ermüdet vom beständigen Spenden aus übervollen Schatzhäusern.

Deutsche und französische Literatur.  — Das Unglück der deutschen und französischen Literatur der letzten hundert Jahre liegt darin, daß die Deutschen zu zeitig aus der Schule der Franzosen gelaufen sind — und die Franzosen, späterhin, zu zeitig in die Schule der Deutschen.

Unsere Prosa.  — Keines der jetzigen Kulturvölker hat eine so schlechte Prosa wie das deutsche; und we

Der große Stil.  — Der große Stil entsteht, we

Ausweichen.  — Man weiß nicht eher, worin bei ausgezeichneten Geistern das Feine ihres Ausdrucks, ihrer Wendung liegt, we

Etwas wie Brot.  — Brot neutralisiert den Geschmack anderer Speisen, wischt ihn weg; deshalb gehört es zu jeder längeren Mahlzeit. In allen Kunstwerken muß es etwas wie Brot geben, damit es verschiedene Wirkungen in ihnen geben kö

Jean Paul.  — Jean Paul wußte sehr viel, aber hatte keine Wissenschaft, verstand sich auf allerlei Kunstgriffe in den Künsten, aber hatte keine Kunst, fand beinahe nichts ungenießbar, aber hatte keinen Geschmack, besaß Gefühl und Ernst, goß aber, we

Auch den Gegensatz zu schmecken wissen.  — Um ein Werk der Vergangenheit so zu genießen, wie es seine Zeitgenossen empfanden, muß man den damals herrschenden Geschmack, gegen den es sich abhob, auf der Zunge haben.

Weingeist-Autoren.  — Manche Schriftsteller sind weder Geist noch Wein, aber Weingeist: sie kö

Der Mittler-Si

Lessing.  — Lessing hat eine echt französische Tugend und ist überhaupt als Schriftsteller bei den Franzosen am fleißigsten in die Schule gegangen: er versteht seine Dinge im Schauladen gut zu ordnen und aufzustellen. Ohne diese wirkliche Kunst würden seine Gedanken sowie deren Gegenstände ziemlich im Dunkel geblieben sein, und ohne daß die allgemeine Einbuße groß wäre. An seiner Kunst haben aber viele gelernt (namentlich die letzten Generationen deutscher Gelehrten) und Unzählige sich erfreut. Freilich hätten jene Lernenden nicht nötig gehabt, wie so oft geschehen ist, ihm auch seine unangenehme Ton-Manier, in ihrer Mischung von Zankteufelei und Biederkeit, abzulernen. — Über den» Lyriker «Lessing ist man jetzt einmütig: über den Dramatiker wird man es werden.

Unerwünschte Leser.  — Wie quälen den Autor jene braven Leser mit den dicklichten, ungeschickten Seelen, welche immer, we

Dichter-Gedanken.  — Die wirklichen Gedanken gehen bei wirklichen Dichtern alle verschleiert einher wie die Ägypteri

Schreibt einfach und nützlich.  — Übergänge, Ausführungen, Farbenspiele des Affekts, — alles das schenken wir dem Autor, weil wir dies mitbringen und seinem Buche zugute kommen lassen, falls er selber uns etwas zugute tut.

Wieland.  — Wieland hat besser als irgend jemand deutsch geschrieben und dabei sein rechtes meisterliches Genügen und Ungenügen gehabt (seine Übersetzungen der Briefe Ciceros und des Lucian sind die besten deutschen Übersetzungen); aber seine Gedanken geben uns nichts mehr zu denken. Wir vertragen seine heiteren Moralitäten ebensowenig wie seine heiteren Immoralitäten: beide gehören so gut zu einander. Die Menschen, die an ihnen ihre Freude hatten, waren doch wohl im Grunde bessere Menschen als wir, — aber auch um ein gut Teil schwerfälligere, denen ein solcher Schriftsteller eben not tat. — Goethe tat den Deutschen nicht not, daher sie auch von ihm keinen Gebrauch zu machen wissen. Man sehe sich die Besten unserer Staatsmä

Seltene Feste.  — Körnige Gedrängtheit, Ruhe und Reife — wo du diese Eigenschaften bei einem Autor findest, da mache Halt und feiere ein langes Fest mitten in der Wüste: es wird dir lange nicht wieder so wohl werden.

Der Schatz der deutschen Prosa.  — We

Schreibstil und Sprechstil.  — Die Kunst zu schreiben verlangt vor allem Ersatzmittel für die Ausdrucksarten, welche nur der Redende hat: also für Gebärden, Akzente, Töne, Blicke. Deshalb ist der Schreibstil ein ganz anderer als der Sprechstil, und etwas viel Schwierigeres: — er will mit wenigerem sich ebenso verständlich machen wie jener. Demosthenes hielt seine Reden anders als wir sie lesen: er hat sie zum Gelesenwerden erst überarbeitet. — Ciceros Reden sollten zum gleichen Zwecke erst demosthenisiert werden: jetzt ist viel mehr römisches Forum in ihnen, als der Leser vertragen ka