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«Entschuldigen, ein Auto.»

Ich zog die beiden in Sicherheit, Knulpes waren vor Aufregung vom Trottoir auf die Straße getreten, und ein Taxi mußte scharf bremsen. Es war überfüllt, eine alte Dame mit einem Hut voller Kunstblumen prallte i

«Gänzlich gleichgültig«, sagte er,»statistisch unerheblich, ob wir überfahren werden oder nicht. Nur der Auftrag zählt, nur die Wissenschaft.»

Aber Frau Professor Knulpe war anderer Meinung:»Um mich wäre es schade gewesen«, behauptete sie.

Das Taxi fuhr davon. Knulpe kam wieder auf seine soziologische Untersuchung zu sprechen.

«Mord ist Mord, gewiß, doch für einen Wissenschaftler ist er ein Phänomen, das wie alle anderen Phänomene erforscht werden muß. Bis jetzt hat man sich darauf beschränkt, die Ursachen festzustellen, Motive, Herkommen, Umwelt, ich habe mich jetzt auf die Folgen zu werfen. Und da darf ich sagen: ein Segen für die Alma mater, ein Segen für die ganze Universität, dieser Mord, man möchte sozusagen selber etwas morden. Na ja, natürlich, an sich bedauerlich, so eine Untat, aber durch die unverhoffte Lücke, die Winter hinterließ, strömt frische Luft, neuer Geist. Toll, was sich da alles herausstellt, der liebe selige Winter war Sand im Getriebe, ein rückständiges Element, wie schon Shakespeare sagte: >Der Winter unseres Mißvergnügens<, aber ich will weder lästern noch kalauern, stelle einfach dar, liefere Fakten, junger Ma

Wir waren beim >Pfauen< angelangt.

«Gott befohlen, Herr Rechtsanwalt«, sagten Knulpes und verabschiedeten sich.»Habe jemand Wichtiges von der ETH zu treffen«, fügte er noch bei,»habe nun auf diesem Terrain nachzuforschen, Winters Einfluß auf die Schulkommission stellt schon ein Kapitel für sich dar, wittere Sensationen. Ka

b) Architekt Friedli: saß neben ihm kurz darauf im >Select<, den Brief immer noch in der Tasche. Select: Café, vor dem man sitzt und sitzen bleibt, seit jeher, seit ewig, oder doch seit Jahrmillionen, als noch die Brontosaurier den Fluß hinunterwateten, saß man schon da. Friedli ka

Er erka

Der Ursprung seiner Freude war eine Todesanzeige in unserem weltbeka

«Ihr Feind?«fragte ich.

«Mein Freund.»

Ich kondolierte.

«Da muß er gegen Cham und in einen Baum sausen, der brave, gute, liebe Kugler«, erläuterte Friedli, strahlend, Kaffee schlürfend, Gipfel tunkend und essend,»kugelt ins ewige Leben.»

«Das tut mir leid«, sagte ich.

«Seinen Fiat sollten Sie erst gesehen haben, ein einziges Blechschlamassel.»

«Schauerlich.»

«Schicksal. Müssen alle mal sterben.»

«Offenbar«, sagte ich.

«Mensch«, sagte er,»Sie wissen wohl gar nicht, was dieser Schicksalsschlag für meine Wenigkeit bedeutet?»

Ich wußte es nicht. Die massive Wenigkeit glotzte mich freundschaftlich an.

«Kugler hinterläßt eine Witwe«, erklärte er,»ein herrliches Weib.»

Mir ging ein Licht auf:»Und dieses herrliche Weib wollen Sie nun heiraten.»

Architekt Friedli schüttelte jenen Teil seines Fettes, in welchem man den Kopf vermuten ko

«Gesellschaftsmathematik«, sagte ich.

«Kapiert.»

«Nur müssen Sie sich da

«Bin ich. Schon seit einer Woche. Meine fünfte Scheidung.»

Wieder nichts.

Der Kellner brachte neue Gipfel. Eine Schulklasse lief über den Platz, Mädchen, einige mit Zöpfen, manche schon wie junge Frauen, ein Rudel blieb stehen, betrachtete die Standfotos vor dem Kino. Friedli spähte nach der Gruppe.

«Sie sind doch der komische Rechtsanwalt, der sich in der Spiegelgasse ein Büro in einer Mansarde leistet?«fragte er, die Mädchen betrachtend.

Ich mußte es zugeben.

«Es ist halb zehn«, stellte er fest, grinste und wandte sich wieder zu mir,»ich will zwar nicht indiskret sein, de

«Erraten«, sagte ich,»Ihr starkes Gefühl trügt nicht. Ich werde mich vielleicht in einer Stunde oder da

«So. Heute nachmittag vielleicht. «Er betrachtete mich aufmerksam.»Lieber Spät«, sagte er,»Sie heißen irgendwie richtig. Ich bin heute von sieben bis zehn vor neun auf einem Bauplatz herumgestampft«, sagte er bescheiden.»Ich verdiene Millionen. Gut. Durch meine Bauten, durch meine Spekulationen. In Ordnung. Aber darin steckt Arbeit, Disziplin, verflucht nochmal. Ich saufe wie ein Loch, zugegeben, aber reiße mich dafür auch jeden Morgen zusammen.»

Der Speckkoloß legte mir väterlich den Arm um die Schultern:»Mein lieber Spät«, fuhr er zärtlich fort, ganz fettes Riesengefühl, leuchtend vor Kaffeedampf, Gipfelbrosamen im Gesicht und an den Händen,»mein lieber Spät, ich will Ihnen einmal reinen Wein einschenken: Sie haben ausgesprochen Startschwierigkeiten, da machen Sie mir nichts vor. Das Resultat: Sie sind für einen ernsthaften Menschen nicht vorhanden. Ein Rechtsanwalt, der um neun Uhr dreißig noch nicht hinter seinem Schreibtisch sitzt, ist für einen anständigen Geschäftsma

(Was folgte, waren längere Ausführungen über eine gigantische Bodenspekulation, dazu weiterer Gipfelkonsum und Milchkaffeegenuß, die Ausführungen ironisch und sardonisch, getragen vom Bewußtsein, daß hierzulande die größten Gaunereien nur legal abgewickelt werden kö

c) Privatdetektiv Fredi Lienhard: gleicher Jahrgang wie ich. Hager, schwarzhaarig, ein Ma