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«Schön«, sagte ich,»das sind lobenswerte Prinzipien. Aber nun soll ich für Sie handeln, Ihren Fall noch einmal untersuchen. Darf der Ochse fragen, was Sie im Schilde führen?»

«Ich führe nichts im Schilde«, antwortete Dr.h.c. Isaak Kohler schlicht.»Ich denke nach. Über die Welt, über die Menschen, vielleicht auch über Gott. Aber dazu brauche ich Material, sonst bewegt sich mein Denken im Leeren. Was ich von ihnen verlange, ist nichts als eine kleine Hilfe zu meinen Studien, die Sie ruhig als Hobby eines Millionärs betrachten kö

«Den Professor?»

«Den.»

«Ich habe bei ihm noch studiert.»

«Sehn Sie. Der ist nun pensioniert, und damit er mir nicht dahinsärbelt, habe ich ihm auch einen Auftrag gegeben. Er arbeitet an einer Untersuchung: Folgen eines Mordes. Er stellt die Auswirkungen fest, die das etwas gewaltsame Ableben seines Kollegen gehabt hat und noch hat. Hochinteressant. Es macht ihm einen Riesenspaß. Es gilt, die Wirklichkeit auszuloten, die Wirkungen einer Tat exakt auszumessen. Was nun Ihre Aufgabe angeht, mein Bester, so ist sie anderer Art, der Arbeit Knulpes gewissermaßen entgegengesetzt.»

«Inwiefern?»

«Sie sollen meinen Fall unter der A

«Ich verstehe nicht.»

«Sie haben eine Fiktion aufzustellen, nichts weiter.»

«Aber Sie sind nun einmal der Mörder, da ist diese Fiktion doch si

«Nur so ist sie si

Ich lachte:»Ein merkwürdiger Gedankengang, Herr Kohler.»

«Man si

Ich schwieg.

«Nun?«fragte er.

«Es klingt nach Teufelspakt«, antwortete ich.

«Ich verlange nicht Ihre Seele.»

«Vielleicht doch.»

«Sie riskieren nichts.»

«Möglich. Aber ich sehe den Si

Er schüttelte den Kopf, lachte.

«Es genügt, daß ich den Si

Ich überlegte mir aufs neue den merkwürdigen Vorschlag. Er gefiel mir nicht, ich witterte eine Falle, vermochte sie aber nicht zu entdeсken.

«Warum haben Sie sich ausgerechnet an mich gewandt?«fragte ich.

«Weil Sie nichts von Billard verstehen«, antwortete er gelassen.

Nun hatte ich mich entschieden.

«Herr Kohler«, antwortete ich,»dieser Auftrag ist mir zu undurchsichtig.»

«Geben Sie meiner Tochter Bescheid«, sagte Kohler und erhob sich.

«Da gibt es nichts zu überlegen, ich lehne ab«, sagte ich und erhob mich ebenfalls.

Kohler schaute mich ruhig an, strahlend, glücklich, rosig.

«Sie werden meinen Auftrag a

Die beiden gingen, Arm in Arm, so wahr ich lebe, und ich war froh, den Ort des vollkommenen Glücks zu verlassen. Eilig. Machte mich regelrecht aus dem Staube. Entschlossen, die Hände von der Angelegenheit zu lassen, Kohler nie mehr zu sehen.

Ich sagte da

a) Der alte Knulpe: er erwischte mich beim Briefkasten. Ich wollte eben meinen Absagebrief einwerfen, als er mir zuvorkam, mit einem ganzen Bündel von Briefen, von denen er einen um den anderen sorgfältig einwarf. Der Alte war wie immer von seiner Frau begleitet. Professor Carl Knulpe war fast zwei Meter groß, ausgemergelt, schien nur aus Haut und Knochen zu bestehen, wie Prediger Simon Berger und Niklaus von der Flüe, doch ohne Bart, verwildert, schmutzig, trug sommers und winters eine Pelerine, dazu eine Baskenmütze. Seine Gattin war ebenso groß wie er, ebenso ausgemergelt, ebenso verwildert und schmutzig, trug auch jahraus, jahrein Pelerine und Baskenmütze, so daß viele sie gar nicht für seine Frau, sondern für seinen Zwillingsbruder hielten. Beide waren bedeutend in ihrem Fachgebiet, beide Soziologen. Doch so unzertre

«Grüß Gott«, machte ich mich bemerkbar, den Brief an Kohler noch in der Hand. Professor Carl Knulpe grüßte nicht zurück, blinzelte nur mißtrauisch durch seine staubige randlose Brille zu mir herunter, und auch seine Frau (mit gleicher Brille) schwieg.

«Ich weiß nicht recht, ob Sie sich noch an mich eri

«Doch, doch«, antwortete Knulpe.»Eri

«Längst, Herr Professor.»

«Rechtsanwalt geworden?»

«Jawohl, Herr Professor.»

«Tüchtig, tüchtig. Wohl Sozi, wie?»

«Teils, Herr Professor.»

«Ein wackerer Sklave des Kapitals, he?«fragte Carl Knulpes Frau.

«Teils, Frau Professor.»

«Haben wohl etwas auf dem Herzen«, stellte Carl Knulpe fest.

«Jawohl, Herr Professor.»

«Begleiten Sie uns«, sagte sie. Ich begleitete die beiden. Wir gingen gegen den >Pfauen<, den Brief hatte ich nun doch noch nicht eingeworfen, aus einer momentanen Vergeßlichkeit heraus, aber es gab ja noch viele Briefkästen.

«Nun?«fragte er.

«Ich besuchte Dr.h.c. Isaak Kohler, Herr Professor. Im Zuchthaus.»

«So, so. Waren bei unserem kreuzfidelen Mörder. Ei, ei, beorderte er Sie auch zu sich?»

«Gewiß.»

Bald fragte der eine, bald fragte die andere.

«Ist er immer noch glücklich?»

«Und wie!»

«Strahlt er noch immer?»

«Und ob!»

Wir kamen an einem weiteren Briefkasten vorbei. Eigentlich wollte ich nun stehenbleiben, den Absagebrief einwerfen, doch Knulpes gingen weiter, ahnungslos, mit großen hastigen Schritten. Ich mußte laufen, um mitzuhalten.

«Kohler hat mir erzählt, Sie hätten da einen recht eigenartigen Auftrag angenommen, Herr Professor«, sagte ich.

«Eigenartig? Weshalb eigenartig?»

«Herr Professor! Hand aufs Herz: daß Kohler seinen eigenen Mord auf die Folgen hin untersuchen läßt, ist doch eine gar zu verrückte Geschichte. Da mordet der Kerl am heiterhellen Tag, grundlos, so mir nichts dir nichts, und läßt da

«Sie wird aber ausgelotet, junger Ma

«Da muß doch irgend etwas dahinterstecken! Irgendeine Teufelei!«rief ich aus.

Knulpes blieben stehen. Ich keuchte. Er reinigte seine randlose Brille, trat auf mich zu, so daß ich zu ihm hinauf-, er zu mir heruntersehen mußte. Er setzte seine Brille wieder auf, seine Augen glotzten. Auch sein Weib glotzte mich entrüstet an, rückte eng an ihren Gatten und somit auch an mich.

«Die Wissenschaft steckt dahinter, junger Ma