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«Gestatten, Fräulein Kohler«, sagte ich,»ich möchte Sie einen Augenblick sprechen. Allein.»

Stüssi-Leupin bot ihr eine Zigarette an, steckte sich auch eine in den Mund, gab Feuer.

«Ist es dir recht, Hélène?«fragte er sie. Ich hätte den Staradvokaten niederschlagen kö

«Nein«, antwortete sie, ohne mich anzusehen, nur daß sie die Zigarette niederlegte.»Aber er mag reden.»

«Gut«, sagte ich, zog einen Stuhl herbei, bestellte einen Espresso.

«Was wollen Sie nun, mein verehrtes Justizgenie?«fragte Stüssi-Leupin gemütlich.

«Fräulein Kohler«, sagte ich, kaum daß ich meine Aufregung verbergen ko

«Bitte. «Sie rauchte wieder.

«Stellen Sie«, meinte Stüssi-Leupin.

«Als Ihr Vater den englischen Minister zum Flugzeug gebracht hat, sind Sie damals noch Stewardeß gewesen?»

«Gewiß.»

«Auch in der Maschine, die den Minister nach England zurückgeflogen hat?»

Sie drückte ihre Zigarette aus.

«Möglich«, sagte sie.

«Danke, Fräulein Kohler«, sagte ich und erhob mich, grüßte, ließ den Espresso stehen und ging. Ich wußte nun, wie die Waffe verschwinden ko

Land und Leute: Einige Bemerkungen sind unumgänglich. Zu einem Mord gehören auch nähere und weitere Umgebung, die mittlere Jahrestemperatur, die durchschnittliche Häufigkeit von Erdbeben und menschliches Klima. Alles ist miteinander verflochten: Gegründet wurde das Unternehmen, welches sich bald unser Staat, bald unser Vaterland ne

Gegenwart (1957 n. Chr.): Große Teile der Bevölkerung leben beinahe sorglos dahin, gesichert und versichert, Kirche, Bildung und Spitäler stehen zu gemäßigten Preisen zur Verfügung, die Kremierung erfolgt im Notfall kostenlos. Das Leben gleitet auf festen Gleisen, aber die Vergangenheit rüttelt am Bau, erschüttert die Fundamente. Wer viel hat, fürchtet, viel zu verlieren. Man sinkt nach bestandener Gefahr vom Pferd wie der Reiter nach seinem Ritt über den Bodensee: man ist zu zaghaft, die eigene Klugheit als notwendig zu begreifen, man hält es nicht mehr aus, zwar kein Held, aber vernünftig gewesen zu sein, man reiht sich in die Reihen der Sieger ein, die Sage der kriegerischen Väter kommt hoch, von den Mythen her droht Kurzschlußgefahr, man träumt von den alturalten Schlachten, dichtet sich selbst zu Widerstandskämpfern um, und schon sind die Generalstäbler dabei, eine Nibelungenwelt zu beschwören, von Atomwaffen zu träumen, vom heldenhaften Vernichtungskampf im Falle eines Angriffs, das Ende der Armee soll auch der Nation das Ende bereiten, gründlich, stur und endgültig, während ringsherum schon längst unterjochte Völker mit Mut und List davonzukommen wissen. Doch bahnt sich das mögliche Ende noch anders an, witziger. Ausländer kaufen den Boden auf, den man verteidigen will, die Wirtschaft wird von fremden Händen in Schwung gehalten und von den eigenen nur noch verwaltet, kaum noch gesteuert, der Staatsbürger bildet eine Oberschicht, unter der sich, in oft zu unverschämten Preisen vermieteten Wohnungen zusammengepfercht, sparsam und emsig Italiener, Griechen, Spanier, Portugiesen und Türken ei

Die Reaktion der Öffentlichkeit: Vor diesem Hintergrund hob sich der Mord des Dr.h.c. ab. Seine Wirkung war zu berechnen: da wir die Politik entpolitisiert haben — hier weisen wir in die Zukunft, nur hier sind wir modern, wirklich bahnbrecherisch, die Welt wird entweder untergehen oder verschweizern —, da von der Politik nichts mehr zu erwarten ist, keine Wunder, kein neues Leben, nur nach und nach vielleicht noch etwas bessere Straßen, da sich das Land selbst biologisch erfreulich benimmt und sich im Kinderzeugen zurückhält, (daß wir nicht zahlreich sind, ist unser großer, daß sich unsere Rasse dank der Fremdarbeiter langsam verbessert, unser größter Vorzug), herrscht Dankbarkeit über jede Unterbrechung des täglichen Trotts, ist jede Abwechslung willkommen, um so mehr als der jährliche Festzug der Zünfte in seiner steifen Würde bei weitem nicht die fehlende Fastnacht zu ersetzen vermag. Die Handlungsweise des Dr.h.c. Isaak Kohler wirkte daher befreiend, man hatte inoffiziell über etwas zu lachen, worüber man sich offiziell entrüstete, und schon am Abend seines Hinschieds ging das Wort um, das man einem hohen Stadtbeamten, we